25.02.2007 · Eintracht Frankfurt ist nach der Auswärtsniederlage gegen den Hamburger SV in den Tabellenkeller gerutscht. Nun beginnt der Kampf um den Klassenverbleib. Die Verantwortlichen glauben noch an die Wende.
Von Ralf Weitbrecht, HamburgDer Mann bleibt seiner Linie treu. Trotz des 1:3 beim Hamburger SV. Trotz des Absturzes auf Tabellenposition siebzehn. „Platz zehn, eine Liga höher als Offenbach.“ Herbert Becker, der Aufsichtsratsvorsitzende der Eintracht Frankfurt Fußball AG, hält unbeirrt Kurs, und auch die Vor-Ort-Besichtigung in der ausverkauften AOL-Arena bringt einen der wichtigsten Eintracht-Männer nicht von seinem Kurs ab. Becker glaubt an die Wende, sagt, „wir packen das“. So wie es auch Heribert Bruchhagen und Friedhelm Funkel tun.
Ebenso wie Eintracht-Trainer Funkel hat auch Becker im Vergleich zum 0:4 gegen den VfB Stuttgart „Fortschritte und Verbesserungen“ gesehen. „Es ist halt Pech, wenn man zwei Riesenchancen hat, die Dinger aber nicht macht.“ Becker ist „überzeugt, dass uns die Wende gelingt“. Besondere Bedeutung besitzt für ihn dabei das Pokalderby gegen die Offenbacher Kickers an diesem Dienstag. „Die Jungs sind heiß. Die wollen alle nach Berlin.“ Berlin ist weit und aktuell nicht das Thema, das die Eintracht umtreibt. Kampf um den Klassenverbleib – diese so einfache wie komplizierte Losung hat nochmals neue Dynamik erhalten.
Noch überwiegt die Zuversicht
Der Sturz an das Tabellenende, möglich geworden durch das 1:3 beim Hamburger SV, lässt sich nicht wegdiskutieren. Trotzdem überwiegt bei den Eintracht-Verantwortlichen die Zuversicht und die Hoffnung, es werde schon wieder irgendwie aufwärts gehen. „Wir haben noch elf Spiele“, sagt Vorstandschef Bruchhagen. „Sechs Heimspiele, fünf Auswärtsspiele. Bis Platz elf sind es nur zwei Punkte“, macht sich der Manager Mut. „Schon mit einem Sieg gegen Hannover können wir das Tabellenbild positiv für uns beeinflussen.“
Ob die Eintracht wirklich das Zeug dazu hat, wird sich weisen. Bei der in der Endsumme unglücklichen, vermeidbaren, letztlich durch eigene Unzulänglichkeiten zustande gekommenen Niederlage in Hamburg hat es die Mannschaft wieder nicht verstanden, ihre Chancen in Tore zu veredeln. „Der Meier muss doch mit dem Knie treffen“, sagt der eigens eingeflogene Aufsichtsratschef Becker über eine der Schlüsselszenen aus der 83. Minute. Später dann, als Funkel seine Spieler unmittelbar nach dem Abpfiff in die Kabine geholt hatte, um gemeinsam mit Bruchhagen einen Appell an die Mannschaft zu richten, sagte er: „Wir haben Tacheles geredet.“
Und an die Reporter gewandt: „Die Mannschaft ist intakt. Wir werden auch wieder punkten. Wir sind kompakt aufgetreten und waren in der zweiten Halbzeit teilweise spielbestimmend“. Diese Einschätzung traf tatsächlich zu, war allerdings auch dem Umstand geschuldet, dass sich der HSV nach dem Seitenwechsel in einer mehr oder weniger desolaten Verfassung präsentierte und vom eigenen Anhang ausgepfiffen wurde.
„Die Chancen waren ja da“
In der Niederlage Positives sehen: Diese Haltung schien Funkel seinen Spielern empfohlen zu haben. Markus Weissenberger, der nach längerer Wartezeit die Eintracht wieder einmal als Kapitän anführen durfte, sprach von einer „sehr unglücklichen Niederlage“ und lobte im nächsten Atemzug, „dass wir zu unserer Kompaktheit zurückgefunden haben“. Wie die „Kompaktheit“ dieser Tage ausschaut, war bei den ersten beiden Hamburger Treffern zu besichtigen, die nur durch katastrophale Abspielfehler von Christoph Preuß und Marco Russ, die eben nicht „kompakt“ standen, überhaupt erst möglich gemacht worden sind. „Die Chancen waren ja da“, sagte Weissenberger. „Doch irgendwie fehlt uns das Glück.“
Dieses Glück für den existentiellen Kampf um die Erstligazugehörigkeit wollen sie nun im Pokal erzwingen. Der Ausflug auf den Bieberer Berg soll von den Alltagsproblemen ablenken und neue Kräfte mobilisieren. Die Mannschaft kann eine weitere Auffrischung dringend gebrauchen. Und Funkel? Der braucht Siege, mehr denn je.