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Eintracht Frankfurt Daum verliebt sich und schläft ein

07.04.2011 ·  Vor seinem ersten Heimspiel als Trainer der Eintracht spricht der neue starke Mann über Frankfurt als eine glückliche Wahl, Spiele der Champions League und Werder Bremen, den Gegner am Freitag.

Von Marc Heinrich, Frankfurt
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Das Beste hat Christoph Daum verpasst. Als er in der Nacht zum Mittwoch in seinem Frankfurter Hotelzimmer wieder wach wurde, war es schon 4.30 Uhr. Eingeschlafen war der Trainer der Eintracht vor dem Fernseher beim Spiel Inter Mailand gegen Schalke 04 – beim Stand von 2:2 in der Pause. Stunden später, als der neue Tag anbrach, suchte der 57-Jährige zunächst die Fernbedienung, um sich über das Ergebnis des nur zur Hälfte verfolgten Champions-League-Viertelfinales zu informieren. Den spektakulären 5:2-Erfolg der „Königsblauen“ wollte er zunächst nicht glauben, „ich traute meinen Augen nicht“. Eine internationale Partie, zumal mit deutscher Beteiligung, lässt sich Daum eigentlich nicht entgehen. Doch die Erschöpfung war diesmal stärker. Stundenlang hatte er zuvor mit seinem Sohn Marcel und seinem Assistenten Roland Koch Videoaufzeichnungen von der Sonntagspartie in Wolfsburg (1:1) und den gesammelten Eindrücken vom Gegner an diesem Freitag, Werder Bremen, ausgewertet. Weil die Arbeit frühmorgens vor dem Training mit Einzelgesprächen begonnen hatte, sei er am Ende eines langen Tages „so kaputt gewesen“, dass ihm vor dem Bildschirm die Müdigkeit übermannte.

Daum bestätigte am Mittwoch zur Mittagszeit – und er wirkte dabei durchaus frisch und munter –, dass der Wechsel zu den Hessen auch für ihn noch immer eine ziemlich große Verblüffung sei. Weil der Verein, wie er es ausdrückte, so gar nicht in sein „Beuteschema“ gepasst habe. Er habe sich nach seiner Trennung von Fenerbahce Istanbul ursprünglich auf der Suche nach einem Arbeitgeber befunden, der ihm auf Anhieb eine internationale Perspektive bietet. Doch die Überzeugungskunst von Eintracht-Manager Heribert Bruchhagen habe bei ihm verfangen. Mittlerweile, nach exakt vierzehn Tagen, äußerte er sich über sein Engagement begeistert und beinahe liebevoll. So dass erst gar nicht der Eindruck aufkommen konnte, es handele sich für ihn um ein Zweckbündnis, das ihm den Weg zurück in die Bundesliga ebnete, sondern um den Beginn einer Liaison, deren Ende bei weitem nicht das momentan fixierte Datum, der 30. Juni dieses Jahres, sein muss.

„Alles in die Waagschale werfen“

„Es war eine gute und richtige Entscheidung“, erzählte Daum, „ich bin in allem positiv überrascht.“ Auch weil ihm alle bei der Eintracht den Eindruck vermittelten, mit ganzem Herzen gegen den drohenden Abstieg in die zweite Bundesliga zu kämpfen, gehe er „mit totalem Einsatz voran“. Sein Auftreten solle „Signalwirkung haben, ich will mitreißen“. Spieler wie Angestellte auf der Geschäftsstelle gleichermaßen, aber auch die Fans, von denen er sich an diesem Freitag (20.30 Uhr) gegen Werder erhofft, „dass sie die unsere Mannschaft genauso unterstützen wie ich es tue“. Der erste Heim-Auftritt bei einem neuen Verein sei auch für ihn „immer etwas Besonderes“, so werde es auch diesmal sein. Daum zeigte sich optimistisch, dass es seiner Elf gelinge, an das „kämpferische und läuferische Höchstniveau“ aus der Begegnung mit den Wolfsburgern anzuknüpfen.

„Sechs Endspiele“ stünden noch bevor, und der kommende Gegner sei personell im Grunde genommen so gut besetzt, „dass er da unten drin eigentlich nichts verloren hat“. Wie die Eintracht im übrigen auch. Er erwarte Bremen in bestmöglicher Formation, auch der zuletzt verletzte Torjäger Claudio Pizarro werde nach seinen Informationen auflaufen. „Und das macht die Sache nicht leichter.“ Voraussichtlich werden ihm Pirmin Schwegler, Benjamin Köhler und Caio nach ihren Muskelblessuren wieder zur Verfügung stehen, was Daum zuversichtlich stimmte, „dass wir auch spielerisch Fortschritte erzielen“. Dafür fehlt Kapitän Patrick Ochs wegen der fünften Gelben Karte. Die Erwartung, „dass wir Werder einfach wegspielen“, sei nicht angebracht: Es werde vielmehr „ein Tanz auf der Rasierklinge“, man sei darauf eingestellt, „dass es bis zur letzten Sekunde um alles geht“. Zuletzt hat Bremen fünfmal in Serie nicht verloren, dabei teilweise überzeugende Auftritte abgeliefert und sich in der Tabelle auf den 12. Platz verbessert. Beobachter führen das auch darauf zurück, dass das Team neuerdings mit einem Mentalcoach arbeitet. Was Daum, der sich auf dem Gebiet der Sportpsychologie als „Pionier in der Bundesliga“ bezeichnet, ganz allgemein „sehr gut“ findet. Denn es helfe, „Energie in schwierigen Situationen in positive Kanäle zu lenken“. Gleichwohl sei er mit seinen Leuten bemüht, dieser Bremer Tatkraft Einhalt zu gebieten: „Mein Team hat die bedrohliche Situation erkannt, und die richtige Einstellung kann bekanntlich Berge versetzen.“

Die Eintracht ist mit einem Punkt Rückstand Dreizehnter und müsse, so Daum, „alles in die Waagschale werfen“, um einen Punkt, das Minimalziel, zu erreichen. Sollten sämtliche Details stimmen, sei sogar der zweite Sieg seit der Winterpause möglich. Noch aber sind die Frankfurter in der Rückrundentabelle Letzter und selbst bei einem Erfolg gegen Werder noch lange nicht am Ziel. „Ein Sieg reicht nicht“, sagte Daum, er wäre nur „der nächste kleine Schritt in die richtige Richtung“. Auch deshalb ist am Samstag – ganz gleich, wie es ausgeht – langes Ausschlafen nicht angesagt. Für 10 Uhr hat Daum ein Training angesetzt.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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