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Eintracht Frankfurt Das lange Warten auf einen Heimsieg

16.09.2011 ·  Kapitän Schwegler wird dringend als Gestalter gegen Rostock gebraucht undstellt sich selbst auf. Rätselraten um den Linksverteidigerposten bei der Eintracht.

Von Ralf Weitbrecht, Frankfurt
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Das nennt man dann wohl einen Freifahrtschein. „Pirmin ist noch nicht bei hundert Prozent. Aber wenn er sagt, er spielt, dann spielt er auch“, sagte Armin Veh. Mit dieser Haltung reiht sich der Trainer der Frankfurter Eintracht nahtlos in die Riege seiner Vorgänger ein, die gleichfalls bei dem Schweizer Pirmin Schwegler andere Maßstäbe angelegt hatten. „Er ist einer der wenigen, der sich selber aufstellt“, betonte Veh einen Tag vor dem Heimspiel gegen Hansa Rostock an diesem Freitag (Anpfiff 18 Uhr).

Heimspiel in Frankfurt – war da nicht was? Wer mit der Eintracht sympathisiert, hat den 19. März 2011 nicht aus dem Gedächtnis gestrichen. Es war der Tag, an dem den Frankfurter Fußballprofis der letzte Sieg vor heimischer Kulisse glückte. Damals wurde noch unter erstklassigen Bedingungen gespielt und Mitabsteiger St. Pauli 2:1 bezwungen. In der aktuellen Zweitliga-Runde ist ein Befreiungsschlag überfällig. Bislang gab es für Vehs Mannschaft in Frankfurt lauter Unentschieden – gegen St. Pauli, Düsseldorf und Paderborn. „Gegen Rostock muss endlich ein Sieg her“, forderte Veh.

Reichlich Gesprächsstoff

Die Männer von der Ostsee kennt der Schwabe besser als manch anderer. Von Januar 2002 bis Oktober 2003 trug Veh als Trainer Verantwortung bei Hansa. Zweimal schaffte er am 33. Spieltag den Klassenverbleib. Doch im Herbst 2003, nach vier Niederlagen in Folge, quittierte er aus freien Stücken seinen Dienst und trat zurück. „Rostock ist eine Mannschaft, die sehr tief steht und versuchen wird, über schnelle Konter zum Erfolg zu kommen“, sagte er über die taktische Grundausrichtung des Zweitliga-Aufsteigers. Nach Stärken und Schwächen befragt, antwortete er diplomatisch. „Einerseits haben sie noch kein Spiel gewonnen. Andererseits sind sie in sieben Begegnungen erst zweimal geschlagen worden. Und auswärts in Duisburg, Ingolstadt und Dresden hätten sie auch gewinnen können.“ In der Summe also ein eher schwer ausrechenbarer Gegner – wie Vehs Mannschaft selbst auch.

In den Tagen nach dem 3:3 von Cottbus gab es auch und vor allem reichlich Gesprächsstoff wegen der Leistung von Linksverteidiger Constant Djakpa. Am Dienstag, dem intensivsten Arbeitstag der Woche, ließ Veh übungshalber sogar den als Stoßstürmer verpflichteten Mohamadou Idrissou in der Abwehrkette verteidigen. Mehr als nur ein Fingerzeig? Am späten Donnerstagnachmittag, in der letzten Trainingseinheit vor dem vierten Heimspiel, ließ sich Veh überhaupt nicht in die Karten schauen. Scheinbar planlos wurden die gelben Leibchen an die vermeintlichen Stammkräfte verteilt, unter denen sich Spieler befanden, die alles, nur kein Stammpersonal sind.

„Ich bin ein Beißer“

Das Gedränge bei der Eintracht ist groß. Weil aber eben nur elf Spieler von Beginn an zum Einsatz kommen können, gibt es frustrierte Profis. Zum Kreis der Unzufriedenen gehörte viele Monate Habib Bellaid. Der Franzose, einst als Absolvent einer sogenannten Kaderschmiede mit riesigen Erwartungen nach Frankfurt gekommen, konnte sich bis heute bei der Eintracht nicht durchsetzen. Immer wieder wurde er ausgeliehen. Nun ist er abermals da – und Vehs anfänglicher Argwohn ist in dezente Überraschung umgeschlagen. „Als ich anfing, konnte ich mir über ihn überhaupt kein Bild machen“, sagte Veh über den im Sommer verletzten Bellaid. „Doch jetzt ist er im Training immer besser geworden. Ich hätte keine Bedenken, ihn zu bringen.“ Vielleicht schon gegen Rostock?

Der selbstbewusste Ivorer Djakpa geht davon aus, dass er seinen linken Außenposten trotz der desolaten Vorstellung in Cottbus nicht verloren hat. „Ich bin ein Beißer“, sagte er. „Man muss kämpfen, man darf nie aufgeben.“ Der 24 Jahre alte Mann von der Elfenbeinküste hat einiges gutzumachen. Auch bei Mittelfeldmann Matthias Lehmann gibt es noch reichlich Luft für Verbesserungen. Denkbar indes, dass Veh zunächst auf seinen Antreiber verzichtet und vor der Abwehr auf Rückkehrer Schwegler und Allrounder Köhler baut. Gleichwohl ist der Eintracht-Coach von den langfristigen Führungsqualitäten des derzeit schwächelnden Lehmann überzeugt. „Auch wenn jemand mal nicht so gut drauf ist, ziehe ich einen Spieler durch“, sagte Veh. Dann und wann, bekannte er, suche er auch das Gespräch, um einzelnen Wackelkandidaten seine Personalentscheidungen mitzuteilen. „Mit Djakpa aber habe ich diese Woche nicht gesprochen“, bestätigte er. Wer spielt und wer nicht, wird schriftlich mitgeteilt. In der Eintracht-Kabine hängt ein Zettel mit den Namen der elf Auserwählten. Sie alle eint ein Ziel: nach sechs Monaten Anlauf endlich wieder ein Heimspiel zu gewinnen.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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