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Eintracht Frankfurt Bruchhagen lebt weiter in Angst

29.09.2008 ·  Dringend gesucht: ein Sieg. Das 1:1 vom Wochenende gegen Arminia Bielefeld taugt nicht, um die Stimmung bei der Eintracht aufzuhellen. Die Fans wenden sich gegen Trainer Friedhelm Funkel.

Von Ralf Weitbrecht
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Erleichterung hört sich anders an. Natürlich war Heribert Bruchhagen über das 1:1 gegen Arminia Bielefeld nicht gerade beglückt. Daher musste sich der Vorstandschef der Frankfurter Eintracht auch nach dem fünften vergeblichen Versuch, ein Bundesligaspiel zu gewinnen, eingestehen, „dass man immer in der Angst lebt. Man hat ständig Befürchtungen.“ Die Eintracht, als aktueller Tabellenvorletzter, ein Kandidat für den Abstieg? Soweit wollte niemand der Frankfurter nach dem sonntäglichen Auftritt gegen die Bielefelder Arminia gehen. Gleichwohl war aber auch diesmal zu spüren, dass die einst große Liebe zwischen dem Anhang und der Mannschaft doch nicht mehr frei von Dissonanzen ist. Wieder gab es „Funkel raus“-Rufe, wieder wurde auf die Leistung der Eintracht-Profis gepfiffen. Der bei der Basis in der Kritik stehende Coach hat die Negativstimmungen gegen seine Person natürlich sehr wohl zur Kenntnis genommen, nach dem Remis gegen die lange Zeit ganz auf Defensive eingestellten Ostwestfalen aber lapidar gekontert, „dass Unmutsbekundungen gegen Trainer zum Geschäft dazugehören“.

Engagement, Leidenschaft und Aggressivität nur in Nuancen erkennbar

Dass die Eintracht durch einen Heber des gefährlichsten Arminia-Angreifers Artur Wichniarek aus einer Abseitsstellung heraus früh in Rückstand geraten war, war aus Funkels Sicht ärgerlich, denn von diesem Zeitpunkt an erhöhte sich von Minute zu Minute der Druck, der auf seiner Mannschaft lastete. Von Funkel eingeforderte und versprochene Tugenden wie Engagement, Leidenschaft und Aggressivität waren fortan nur in Nuancen erkennbar. Erst nach dem Seitenwechsel wurde der Frankfurter Auftritt besser. Funkel lobte denn auch, „dass wir uns in das Spiel zurückgekämpft haben. Das ist entscheidend gewesen. Meine Spieler haben nie aufgesteckt.“

Zu glänzen allerdings vermochten die lange Zeit verunsicherten Eintracht-Profis kaum, und so entsprang der spät herausgeköpfte Ausgleich durch Benjamin Köhler (87.) auch einem wahren Kraftakt. „Wir haben es mit der Brechstange versucht“, sagte Manager Bruchhagen in seiner Analyse. „In der zweiten Halbzeit haben wir aufopferungsvoll gekämpft. Das Grundübel freilich, warum es der Eintracht noch nicht einmal gelungen ist, die nicht gerade als Übermacht der Bundesliga bekannte Arminia vor heimischer Kulisse zu besiegen, hatte Bruchhagen schnell ausgemacht. „Unsere Spieler müssen sich steigern.“ Bei diesem dringend erforderlichen Prozess hält er Integrationsfiguren wie den gesperrten Chris sowie den verletzten Kapitän Ioannis Amanatidis, der im Laufe der Woche wieder in das Mannschaftstraining einsteigen will, für unentbehrlich. „Sie sind unheimlich wertvoll für uns. Und auch Köhler und Russ können schon bald in diese Rolle hineinwachsen.“

Zu den „Funkel-raus“-Rufen, die erstmals während der Pokalpartie am Dienstag gegen Hansa Rostock zu hören gewesen sind und nun gegen Bielefeld eine erwartete Fortsetzung fanden, hatte Bruchhagen folgende Interpretation parat: „Diese Rufe sind nichts anderes als das Bekenntnis der Fans: Wir sind enttäuscht.“ Wer sich umschaute in der riesigen Frankfurter Arena, sah 37.600 Zuschauer. So wenige wie lange nicht mehr im Bundesliga-Alltag. Die bisherige Minuskulisse gab es am 8. Februar dieses Jahres, also in der Vorsaison. Da waren 43.300 Anhänger live dabei, die Eintracht immerhin 2:1 siegen zu sehen. Gegner damals: Arminia Bielefeld.

Einen Vollstrecker hat die Eintracht nicht

Von Siegen in der Gegenwart ist die Eintracht in dieser Verfassung weit entfernt. Einen Vollstrecker wie den schmerzlich vermissten Anführer Amanatidis haben sie nicht; Arminia-Schlussmann Dennis Eilhoff, nur einmal spät von Köhler bezwungen, verlebte bis auf einen Distanzschuss von Junichi Inamoto (29.) und eine Aktion des abermals im zweiten Abschnitt eingewechselten Caio (81.) einen vergleichsweise ruhigen Spätnachmittag. Auch wegen der mangelnden Durchschlagskraft, so Eintracht-Vorstandschef Bruchhagen in seiner Spielbewertung, sei der Anhang unzufrieden. „Die Fans spüren, dass es uns nicht gelingt, mit Souveränität das Spiel zu lenken.“

Nachdem es nicht gelungen ist, das vergleichsweise „leichte“ Heimspiel gegen Bielefeld zu gewinnen, warten nun mit der spielstarken TSG Hoffenheim sowie dem international erfahrenen Team von Bayer 04 Leverkusen zwei ungleich härtere Prüfsteine auf die Eintracht. Und obwohl Bruchhagen „immer in der Angst lebt“, legt er gerade in diese beiden Prüfungen seine ganzen Hoffnungen. „In der Vergangenheit haben wir in kritischen Situationen gegen starke Mannschaften immer gute Ergebnisse erzielt.“ Wer auf die Tabelle schaut und die aktuelle Verfassung der Mannschaft sieht, wird schnell feststellen: Gute Resultate sind in der derzeitigen Lage der Eintracht nicht nur wünschenswert, sondern zwingend notwendig.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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