17.03.2010 · Ricardo Clark hat gute Chancen, am Samstag erstmals in der Startelf der Eintracht zu stehen – und Argumente für einen längeren Verbleib in Frankfurt zu liefern.
Von Ralf Weitbrecht, FrankfurtTypisch amerikanisch. Dieses Spiel gegen die Bayern sei eine „great challenge“, eine große Herausforderung. Und tatsächlich: Für Ricardo Anthony Clark, seit Ende Januar spielender Angestellter der Eintracht Frankfurt Fußball AG, kann es im Rahmen seines Deutschland-Abenteuers kein größeres Fußballspiel als das gegen den Rekordmeister geben. Am Samstag findet es in der traditionell ausverkauften Arena statt – nach Lage der Dinge mit dem 27 Jahre alten Amerikaner von Beginn an. Die personelle Not ist schließlich groß bei der Eintracht. Weil mit Patrick Ochs, Maik Franz und Selim Teber gleich drei Stammkräfte ausfallen, muss Trainer Michael Skibbe umbauen. Dem bis vorerst zum Saisonende ausgeliehenen Clark hat er zwar noch keine Einsatzgarantie gegeben. „Doch irgendwann muss er ja mal spielen“, sagte Skibbe am Dienstag. „Wir müssen schließlich bis Ende April entscheiden, was aus ihm wird.“ Behalten oder zurück in die texanische Hitze von Houston schicken, wo er zuletzt für den Soccer-Klub Dynamo aus der Major League am Ball war?
Als der 27-malige amerikanische Nationalspieler Ende Januar seinen Dienst bei der Eintracht antrat, war er voller Tatendrang. „Ich spiele hart und aggressiv“, urteilte er über sich. „Ich gebe immer alles für mein Team. Aber ich sehe mich nicht als Bad Boy.“ Clark versprach, dass sich Szenen, die im Internetportal Youtube die Runde machten, in Frankfurt nicht wiederholen würden. Unangenehm war der Amerikaner 2007 aufgefallen, als er Carlos Ruiz vom FC Dallas aus nächster Nähe gegen den Oberkörper trat und den Kopf nur knapp verfehlte. Die damalige Strafe für das üble Foul: 10 000 Dollar und neun Spiele Sperre. Wer Clark seit Wochen im Trainingsbetrieb der Eintracht beobachtet, sieht einen anderen Fußballprofi. Zurückhaltend, unauffällig, fast schüchtern geht der defensive Mittelfeldmann zu Werke. Von aktiver Empfehlung keine Spur. Trotzdem wird er seine Chance bekommen. „Für das Bayern-Spiel wäre er eine Alternative“, sagte Skibbe vorsichtig, ohne sich jetzt schon festlegen zu wollen.
„Ich bin bereit“
Immerhin: Nachdem sich Clark wenige Tage nach seiner Ankunft in Frankfurt einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, hielt er sich in der Folgezeit vornehmlich radelnd fit. „Die Rückstände sind aufgeholt“, so Skibbe. Dreimal schon durfte der Amerikaner seitdem auf der Auswechselbank Platz nehmen. Gegen Branchenprimus Bayern winkt die Beförderung in die Stammelf. „Bislang hat es ja noch nicht gepasst“, sagte der Eintracht-Trainer. „Ricardo muss mir bis zum Samstag aber auch zeigen, dass er unbedingt in die Mannschaft kommen will.“ Damals wie heute ist sich der Frankfurter Fußballlehrer sicher, „dass Ricardo jemand ist, der uns perspektivisch weiterbringen kann“. Im Vertrauen auf seine Fähigkeiten, die besonders der amerikanische Nationaltrainer Bob Bradley schätzt, haben die Eintracht-Verantwortlich beim Ausleihgeschäft mit Clark gleich eine Optionsvereinbarung für drei Jahre geschlossen. Da wird es langsam Zeit, dass der Mann aus Georgia den Nachweis erbringt, wirklich ein Gewinn für die Frankfurter zu sein.
Wenige Tage noch bis zur „Challenge“ gegen die Bayern. „Ich habe gehört“, sagte Clark am Mittwoch im Anschluss an das Vormittagstraining, „dass ich gute Chancen habe. Ich kann nur sagen: Ich bin bereit.“ Und als ob es noch einer Bestätigung bedurfte, wiederholte er: „Ich bin bereit.“ Dass er das letzte Mal unter Wettkampfbedingungen im September, also vor einem halben Jahr, Fußball gespielt hat, stört ihn nicht. „Das macht nichts. Ich bin fit.“ Und über seine Zukunft, mag sie nun in Deutschland oder vielleicht doch in der Heimat in Übersee liegen, zerbreche er sich nicht den Kopf. „Daran denke ich nicht.“ Clark verfolgt die Strategie der kleinen Schritte. „Ich will alles Stück für Stück angehen. Ich denke nur von Spiel zu Spiel.“ Dabei ist der Anfang noch gar nicht gemacht. Bis Ende April hat er nicht mehr viele Gelegenheiten, um für eine langjährig angedachte Weiterbeschäftigung bei der Eintracht zu werben.