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Eintracht Frankfurt : Rettung erster Klasse

Kaum zu bändigen: Marco Fabian will auch Mitspieler David Abraham den Ball nicht hergeben, der zweimal ins Augsburger Tor befördert. Bild: EPA

Die Abstiegsangst ist weg: Dank Marco Fabián drehte die Eintracht beim 3:1 gegen Augsburg das „schwerste Spiel“ der Saison. Als Nächstes geht es um viele Millionen.

          Der Dolmetscher wich nicht von seiner Seite. Doch das Nicken signalisierte: Marco Fabián wusste und verstand genau, was die Reporter von ihm wissen wollten. Kein Zweifel: Am Tag, als die Rettung erster Klasse glückte, war der kleine Mexikaner der Mann des Spiels. Derjenige, der mit seinen beiden Toren spät, aber nicht zu spät drohendes Ungemach abwendete und der Eintracht einen Freudentag bescherte. Als Fabián in der 78. Minute mit dem Kopf erfolgreich war und den wichtigen 1:1-Ausgleichstreffer gegen den FC Augsburg erzielte, konnte er kaum fassen, was da gerade passiert war. „Das war das erste Kopfballtor meiner Karriere“, sagte er später, als sich in der Frankfurter Arena nach dem finalen 3:1 – Ante Rebic hatte Fabiáns zweitem Tor (87.) noch ein drittes hinzugefügt (90.) – der kollektive Jubel Bahn brach. „Das war ein Sechs-Punkte-Spiel“, sagte Sportvorstand Fredi Bobic. „Nun hoffen wir, dass die Fessel gelöst ist.“

          Trainer Niko Kovac ergänzte: „Die Lebensfreude ist wieder da. Es freut mich unheimlich, dass wir es geschafft haben.“ Alles geben, alles aus sich herausholen. Fabián war die Anstrengung der neunzig Minuten anzumerken. „Ich bin todmüde“, sagte er in den Katakomben des Stadions. „Aber das ist jetzt egal, denn ich bin sehr glücklich. Wir wussten, dass wir während des Spiels beharrlich sein mussten. Irgendwann würden die Tore auch schon reingehen.“ Dass es Fabián war, der mit Kopf und Fuß die entscheidenden Tore zum Klassenverbleib erzielte, passte zur Dramaturgie dieses Achterbahnspiels mit seinen Höhen und Tiefen. Er war der auffälligste Feldspieler. „Ich spüre eine große Erleichterung“, sagte der 27 Jahre alte Fußballprofi, der sich mit dem Erreichten aber nicht zufriedengibt. „Träume nach oben sind erlaubt. Von Europa träumen, das dürfen wir jetzt.“ Die Eintracht auf dem Weg in die Europa League? Bobic gab der Mannschaft nach dem ersten Ligasieg seit Anfang Februar verbal Unterstützung. „Die Jungs können die Messlatte jetzt ruhig höher legen, wenn sie es wollen.“

          Demütig und bescheiden bleiben

          Es war die Art und Weise dieses Spiels gegen Augsburg, die den Spielern Mut gab. „Die Stimmung ist zurück“, sagte Lukas Hradecky. „Das wird uns weiterhelfen.“ Der Torwart rechnet damit, dass nun ein Ruck durch die Mannschaft gehen könne, die mit nun 41 Punkten zudem die „ominöse Vierzig-Punkte-Marke“ geknackt hat, von der Kovac immer gesprochen hatte. Hradecky ist sicher: „Wir werden jetzt eine ganz andere Eintracht sehen.“ Kovac vermied es, sich in der Stunde des Triumphs neuen Zielen hinzugeben. Obwohl er das zuvor angekündigt hatte. In der vergangenen Woche hieß es bei Kovac noch, „sich auf neue Ziele stürzen“ zu wollen, sofern die Saisonvorgabe erreicht sei. Nach dem Erfolg gegen Augsburg machte er einen Rückzieher: „Es ärgert mich, dass man in der heutigen Gesellschaft immer mehr wollen muss. Das Erreichte ist kaum geschafft, schon soll man noch mehr und noch mehr erreichen“, sagte der Coach. Er wolle lieber „demütig und bescheiden“ bleiben, „fad und langweilig“.

          Immerhin hoffe er nun, dass der Knoten, den er nach dem Spiel gegen Werder Bremen (2:2) gelockert sah, nun „geplatzt“ sei. Ein paar Meter über der Spielfläche, in einer der vielen Logen, ging es ausgesprochen locker zu. So berichtete Bobic von einer ausgelassenen Stimmung, als der wegweisende Sieg erreicht war.  „Ich habe gestanden und alles wie in Zeitlupe betrachtet. In meiner Loge sind alle ausgetickt.“ Der einstige Stürmer sprach in seiner Analyse von einem der „schwierigsten Spiele der Saison. Keines der spektakulärsten, aber mit Abstand das mit den hässlichsten Toren der Saison. Bei allen vieren war kein normales Tor dabei.“ Das erste, als der Augsburger Jeffrey Gouweleeuw den Ball über Hradecky hinweg in das Frankfurter Tor hob (9.), mutete ebenso kurios an wie Fabiáns Geniestreich mit dem Kopf. In den ersten Monaten des Jahres 2017 musste die Eintracht auf den verletzten Offensivakteur verzichten.

          „Dieses Halbfinale ist fünf Millionen Euro wert“

          Doch seitdem er erstmals beim Auswärtsspiel am 11. März in München eingewechselt wurde und wieder Bundesligaluft schnupperte, stand er regelmäßig in der Startelf. Mehr noch: Er gibt seinem Spiel immer wieder die entsprechende Note – als Mann für die Tore.  Weil Kapitän Alexander Meier wegen Fersenproblemen immer noch nicht spielen kann, übernahm Fabián die Rolle des Torjägers. Sieben Treffer in zwanzig Spielen stehen bislang zu Buche, weitere sollen noch bis zum Bundesligafinale folgen. Und dann bietet sich ja auch noch die Möglichkeit, auf anderer Bühne Zeichen zu setzen.

          Der DFB-Pokal ist eine solche, und dank des Siegs gegen Augsburg sind in den Reihen der Frankfurter Fußballprofis verlorengeglaubte Tugenden wieder zum Vorschein gekommen: Hoffnung und Zuversicht. „Wir wollen jetzt auch den letzten Schritt machen“, sagte Fabián. „Denn wir wollen ins Finale.“ Voraussetzung dafür wäre ein Erfolg an diesem Dienstag in Mönchengladbach (20.45 Uhr). Eintracht-Sportvorstand Axel Hellmann sagte vorab: „Dieses Halbfinale ist fünf Millionen Euro wert. Wir brauchen diese Einnahmen.“ Kovac ergänzte: „Wir wollen und werden alles versuchen.“

          Quelle: F.A.Z.

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