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Eintracht Frankfurt Bamba – der nur mit den Beinen zittert

29.07.2011 ·  Eintracht-Neuzugang Anderson erzählt über seine Angst beim Elfmeter. Ansonsten ist der Brasilianer aber ein eher furchtloser Typ, was Gekas schon zu spüren bekommen hat.

Von Marc Heinrich, Frankfurt
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Die Beobachter des Eintracht-Trainings, die zum Ende der vorletzten Sommerferienwoche wieder zahlreich erschienen waren, bekamen am Donnerstag den doppelten Anderson Soares de Oliveira, genannt „Bamba“ Anderson, zu sehen. Der Neuzugang, der am Abend zuvor von Borussia Mönchengladbach verpflichtet worden war, ging bei seiner ersten Übungsstunde mit den neuen Kollegen ohne sichtbare Zurückhaltung zu Werke: Der 23 Jahre alte Verteidiger grätschte Erwin Hoffer wenig zimperlich in die Parade. Und er stieg bei einer Flanke kompromisslos zu einem Kopfballduell mit Theofanis Gekas hoch, dass der Grieche nicht wirklich wusste, wie ihm geschah, so ließen sich zumindest seine Reaktionen und sein ungläubiger Blick in Richtung Arnim Veh deuten. Doch vom Trainer, der im dunklen Fußballdress und mit einer schwarzen, tief ins Gesicht gezogenen SGE-Mütze an der Seite stand, kamen keine Reaktionen, mit denen er die Einsatzbereitschaft des Brasilianers gebremst hätte. Der neue Mann ist, wie der Coach sagte, sein Wunschkandidat gewesen, als ein Nachfolger für den nach Wolfsburg abgewanderten Marco Russ gefunden werden musste. Viel Zeit, sich einzugewöhnen, bekommt Anderson nicht. Er wird, so Veh, an diesem Samstag in der ersten Pokalrunde beim Halleschen FC (15.30 Uhr) höchstwahrscheinlich für die Frankfurter debütieren. „Normalerweise schon“, sagte der Trainer, „warum soll ich warten? Ein Risiko ist es so oder so: Entweder wegen des neuen Mannes oder weil wir keinen gelernten Innenverteidiger haben.“

Anderson hielt sich mit Prognosen zurück. Bei der anschließenden Fragerunde mit den Journalisten am Rand des Spielfelds trat der Draufgänger auf dem Rasen ganz anders auf als im Kampf um den Ball: Still, fast scheu, aber lächelnd, als er merkte, dass die Konversation in Gang kommt – vergleichbar mit einem talentierten, jedoch noch unsicheren Teenager, der auf unbekanntem Terrain seine anfänglichen Karriereschritte wagt. Rasch legte sich aber die Zurückhaltung. Mit Hingabe erzählte er dann die Geschichte, wie er zu seinem Spitznamen „Bamba“ gekommen ist: „Als kleiner Junge war ich beim Elfmeterschießen so aufgeregt dass meine Beine so gezittert haben. Meine Freunde haben sich darüber amüsiert und immer ,la bamba, la bamba‘ gerufen.“ Inzwischen wurde aus den Koseworten längst ein Künstlername, wie ihn so viele seiner fußballspielenden Landsleute tragen. Die Hessen sind hierzulande schon sein vierter Arbeitgeber in den vergangenen drei Jahren. Entdeckt wurde er als begabter Jugendlicher von Scouts von Bayer Leverkusen, die dem 1,88 Meter großen Athleten für den Fall, dass er nach Europa kommen wollte, ein Angebot unterbreiteten.

Für den rechten Part in der Innenverteidigung

Als Anderson sich dazu entschloss, den Schritt zu wagen, war es um das Interesse der Werkself allerdings nicht mehr so weit her. Stattdessen reichten sie ihn nach seinem Wechsel aus Rio de Janeiro postwendend an den VfL Osnabrück weiter. Danach ging es über die Zwischenstation Fortuna Düsseldorf (2009/2010) zu Borussia Mönchengladbach, das seine Transferrechte komplett erwarb. Doch bei dem Klub vom Niederrhein kam der ehedem vom „Kicker“ zum „Besten Zweitligaverteidiger“ gekürte Profi gar nicht zurecht. Deswegen konnte er sich auf Anhieb mit der Offerte der Eintracht anfreunden. „In Gladbach“, ließ er dolmetschen, „war oft das ganze Team schlecht, aber alles fiel auf mich zurück.“ Zumindest habe er diesen Eindruck gehabt. Sowohl unter Michael Frontzeck als auch nach dessen Entlassung unter Trainer Lucien Favre „bekam ich keine Chance“. In Frankfurt dafür auf Anhieb viele Vorschusslorbeeren: „Der Düsseldorfer Höhenflug war damals mit Anderson eng verbunden“, sagte Manager Bruno Hübner, „die halbe Bundesliga war hinter ihm her.“ Bei der Eintracht bleibt dem verheirateten Vater einer vier Monate alten Tochter zunächst eine Spielzeit, um seine Klasse zu beweisen. Sollten sich für beide Seiten die Erwartungen erfüllen, wird der Verein eine einseitige Option ziehen und ihn bis 2015 an sich binden.

Anderson, der als seine Pluspunkte seine Kopfballstärke sowie seine aggressive Zweikampfführung nannte, wird den rechten Part in der Innenverteidigung übernehmen. Sein Nebenmann ist demnach der Kroate Gordon Schildenfeld, während der Amerikaner Ricardo Clark einen neuen Anlauf unternehmen muss, sich auf der Sechserposition im zentralen Mittelfeld als Alternative zu empfehlen. Noch, meinte Anderson, könne er nicht sagen, wie er augenblicklich sein Leistungsvermögen einschätzen solle. In Mönchengladbach begann die Saisonvorbereitung wegen des späteren Rundenauftakts in der ersten Liga fast drei Wochen später als in Frankfurt. „Um schnell auf hundert Prozent zu kommen, brauche ich Spielpraxis“, schilderte Anderson. Daran soll es ihm bei der Eintracht nicht mangeln.

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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