27.11.2009 · Eintracht Frankfurts Trainer Skibbe ist vor der Reise nach Berlin um Normalität bemüht. Vorstandschef Bruchhagen sieht die brisante Partie bei Hertha BSC nicht ganz so locker. Gute Chancen auf einen Einsatz hat Flügelflitzer Korkmaz.
Von Ralf WeitbrechtMichael Skibbe spielt die Bedeutung der Partie bewusst herunter. „Für mich ist das ein ganz normales Bundesligaspiel“, sagt der Trainer der Frankfurter Eintracht. Wirklich nur eines von vielen Spielen, in dem drei Punkte verteilt werden? Schließlich heißt der Gegner an diesem Samstag Hertha BSC Berlin – und der Trainer Friedhelm Funkel. Die Frankfurter Fußballfreunde wissen: Der Coach des Tabellenletzten hat vor seinem herausfordernden Hauptstadt-Engagement fünf Jahre lang am Main gewirkt. Und wer sich die Eintracht anschaut, wie sie sich personell in diesen Tagen und Wochen präsentiert, wird feststellen: Es ist, trotz aller Beteuerungen, noch immer Funkels Mannschaft. Mit Ausnahme von Pirmin Schwegler und Selim Teber sind es „seine“ Spieler, die er nach Frankfurt geholt und zum Großteil geformt hat. Wie beispielsweise Benjamin Köhler.
Funkel hat den einstigen Regionalligakicker bei Rot-Weiß Essen entdeckt und ihm einen Wechsel nach Frankfurt schmackhaft gemacht. Damals wurde noch unter zweitklassigen Bedingungen gespielt. Doch den Qualitätssprung hat auch der kleine Köhler mitgemacht. Der Lohn für jahrelangen Fleiß: Bis heute hat der 29 Jahre alte offensive Mittelfeldmann 112 Bundesligaspiele absolviert. Dass er auch an diesem Samstag (Anstoß 15.30 Uhr) zum Einsatz kommt, ist zwar noch fraglich, aber nicht unwahrscheinlich. Wie allgemein üblich will sich der Eintracht-Trainer, der dem wiedererstarkten Ümit Korkmaz „gute Einsatzchancen“ attestiert, bei seinen personellen Überlegungen nicht in die Karten schauen lassen. „Friedhelm Funkel kennt sich mit der Frankfurter Mannschaft so gut aus, da muss ich ihm nicht schon zwei Tage vorher die Aufstellung sagen.“
Liberopoulos steht zur Verfügung
Gut für die Planungen des Eintracht-Trainers: Nikos Liberopoulos steht zur Verfügung. Nachdem der Grieche wegen der Beisetzung seines Vaters in der Heimat gewesen ist, geht er für die Frankfurter in Berlin wieder seiner stürmischen Arbeit nach. Nebenmann Alexander Meier, seit Wochen in guter Verfassung, aber bei der jüngsten 1:2-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach als Einzelkämpfer in seinen Mitteln begrenzt, kann einen Partner wie den routinierten Liberopoulos sehr gut gebrauchen. „Das ist ein ganz schlauer Spieler“, hatte Funkel immer wieder über den dreimaligen „Fußballer Griechenlands“ geurteilt. Skibbe sagt: „Nikos wird uns guttun.“
Der Eintracht-Trainer weiß, dass die mit nur fünf Punkten ausgestattete Hertha unter großem Druck steht. Sie muss die Partie gegen die Eintracht gewinnen, wenn sie noch realistische Chancen im Kampf um den Klassenverbleib haben will. Das Restprogramm der Berliner bis zur Winterpause: in Schalke, gegen Leverkusen, in München. Die Zielsetzung der Eintracht für die Partie in Berlin – und darüber hinaus: „Wir wollen auf keinen Fall verlieren, denn wir wollen uns im Mittelfeld etablieren. Unser Bestreben muss es sein, gegen Mannschaften, die hinter uns stehen, zu gewinnen.“ Ein seit Jahren in die Praxis umgesetzter Vorsatz, der erstmals vor einer Woche gegen Gladbach aus den Fugen geraten ist.
Niederlage für Skibbe kein Thema
Heribert Bruchhagen weiß sehr wohl um die Bedeutung dieses Spiels gegen seinen langjährigen Weggefährten Funkel. „Ich bin am Samstag genau sechs Jahre bei der Eintracht und schon über zwanzig Jahre auf dem Posten eines Managers“, sagt der in Personalunion tätige Vorstandschef. „Aber trotzdem habe ich zehn Minuten vor und zehn Minuten nach einem Bundesligaspiel immer Angst. Es kommt auch auf die Ergebnisse des unmittelbaren Umfeldes an, wie sich das bei einer Niederlage für uns auswirken könnte.“ Eine mögliche Niederlage der Eintracht in Berlin – für Skibbe kein Thema.