15.02.2009 · Eintracht Frankfurt hat durch das 0:2 gegen den VfL Wolfsburg wieder größte sportliche Nöte. Trainer Friedhelm Funkel beklagt den Formverlust bei zu vielen Spielern – und bangt um Patrick Ochs.
Von Marc HeinrichNichts wie weg! Schon um kurz nach 17 Uhr, als eigentlich noch einige Minuten zu spielen waren, hatten zahlreiche Besucher genug gesehen. Sie glaubten nicht mehr an die Wende im Spiel, sie hatten die Hoffnung aufgegeben, dass es mit der Eintracht an diesem bitterkalten Nachmittag noch ein gutes Ende nehmen würde, und strömten in Massen zu den Ausgängen. Es war eine stille Demonstration der Unzufriedenheit. Viele von denen, die bis zum aus Frankfurter Sicht bitteren Ende im Stadion ausharrten, machten ihrer Enttäuschung wenig später Luft: Nachdem das 0:2 gegen den VfL Wolfsburg endgültig feststand, verabschiedeten sie Trainer Friedhelm Funkel und seine Mannschaft mit einem Pfeifkonzert in die Kabine, das den mit hängenden Köpfen vom Rasen schleichenden Verlierern des Tages noch in den Katakomben der WM-Arena nachhallte.
Ochs bricht sich die Hand
Keine Frage, die Eintracht befindet sich schon zwei Wochen nach Ende der Winterpause wieder in einer unangenehmen Situation. Zumal der Niederlage eine weitere schlechte Nachricht am Sonntag folgte: Patrick Ochs zog sich gegen den VfL den Bruch eines Mittelhandknochens zu. Er wird einen Handchirurgen aufsuchen und erst einmal eine Manschette brauchen – oder gar länger ausfallen.
Nur ein Punkt aus drei Partien, dazu zwei missliche Heimauftritte und das Abrutschen auf den dreizehnten Platz – die schlechte Stimmung färbte nach dem 20. Spieltag auf alle Beteiligten ab. „Wir wären schlecht beraten, wenn wir nun nicht nach unten schauen würden“, sagte ein kurz angebundener Heribert Bruchhagen, „dieses Wochenende war für uns alles andere als erfreulich.“ Weil die Konkurrenten Bochum, Hannover, Gladbach und Karlsruhe teilweise überraschende Erfolge feierten, befinden sich die Frankfurter wieder mittendrin im Kampf gegen den Abstieg. Noch drei Zähler trennen das Team von Rang sechzehn, der am Ende der Saison die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten mit sich bringt. „Wer jetzt nicht weiß, worum es geht, der ist fehl am Platz“, sagte Verteidiger Marco Russ. „Die Träumereien von einem einstelligen Tabellenplatz haben sich endgültig erledigt.“
One-Man-Show des VfL genügte
Unsicher in der Abwehr, unentschlossen im Mittelfeld und ungefährlich im Angriff – das Spiel der Eintracht bot genügend Kritikpunkte. Ohne den verletzten Grafite setzte der Wolfsburger Trainer Felix Magath an alter Wirkungsstätte auf ein unspektakuläres System mit Edin Dzeko als einziger Spitze. Doch die One-Man-Show des bosnischen Angreifers genügte, um die Viererkette der Hessen immer wieder in Verlegenheit zu stürzen. Funkel hatte sich in der Innenverteidigung für Habib Bellaid als Ersatz für den gesperrten Chris entschieden – und der machte aufs Neue einen unsicheren Eindruck. Beim 0:1 Dzekos (9. Minute) verschätzte sich der Franzose beim Kopfballduell und ließ seinen Torwart Markus Pröll im Stich.
Auch in der Abstimmung mit seinen Nebenmännern Russ und Nikola Petkovic gab es immer wieder Probleme. Aber nach der Sperre für Chris bot sich Funkel keine adäquate Tauschmöglichkeit, da Aleksandar Vasoski kurzfristig wegen einer Zehenprellung ausfiel. „Es wäre nicht in Ordnung, die Gründe für den Misserfolg nur in der Abwehr zu suchen“, meinte Russ, „in allen Teilen passte es diesmal nicht.“ Große Schwachstelle der Frankfurter war ihr Zentrum, in dem der zu Recht ausgetauschte Alexander Meier nie für Ruhe, Ordnung oder einen Hauch Kreativität sorgte. Der eingewechselte Caio entpuppte sich einmal mehr als Mitläufer, während Michael Fink sein Kämpferherz zu spät entdeckte, als er sich wie seine Kollegen durch Referee Wolfgang Stark benachteiligt sah.
Der eingewechselte Leonard Kweuke hatte an der Strafraumgrenze den Ball an die Hand geschossen bekommen – Misimovic verwandelte den Elfmeter zum 2:0 (66.). „Das war nie ein Strafstoß. Wenn ich zudem sehe, wofür Chris bei uns Rot bekommt und dass René Adler nach seinem brutalen Foul in Hoffenheim nur Gelb sieht, dann verstehe ich die Welt nicht“, erregte sich Funkel. Als Entschuldigung für die vierte Heimniederlage wollte er die Entscheidung aber nicht gelten lassen: „Wir hatten insgesamt drei, vier Spieler, die nicht ihr Leistungsvermögen abgerufen haben. So kann man gegen so eine Mannschaft wie Wolfsburg nicht gewinnen.“
Amanatidis wird gebraucht
So kommt es gegen den Karlsruher SC am Samstag wieder zu einem richtungweisenden Spiel. Im Herbst fand die Begegnung mit den Badenern wegen des folgenreichen Madonna-Konzerts in Frankfurt erst mit vierwöchiger Verspätung statt. Ioannis Amanatidis drehte damals mit dem 2:1-Siegtreffer in der Schlusssekunde die Partie – und rettete Funkel nebenbei den Arbeitsplatz. Seitdem fehlt der Kapitän verletzt. Einen wie ihn könnte die Mannschaft in diesen Tagen gut gebrauchen. Nach der Niederlage gegen Wolfsburg war er als Muntermacher gefragt. „Nur nicht nervös machen lassen“, lautete sein Rat beim Besuch in der Umkleide. Der Grieche brennt auf sein Comeback, will aber nichts überstürzen, um den Heilungsverlauf nicht zu gefährden. „Auch wenn mir das Zusehen manchmal verdammt schwerfällt.“ Zum Beispiel gegen Wolfsburg.
Schiedsrichter Stark: „Schutzhand gibt es nicht“
Auch Schiedsrichter machen Winterpause. Für Wolfgang Stark aus Bayern war es am Samstag das erste Bundesligaspiel seit langem - und in der ersten Halbzeit sah es nach einer ruhigen Rückkehr aus. Doch nach dem Wechsel stand Stark auf einmal im Mittelpunkt, alle Aufreger des an Höhepunkten armen Spiels hatten mit ihm zu tun. Dreimal fühlte sich die Eintracht durch ihn benachteiligt.
Die heftigsten Diskussionen löste der Handelfmeter aus, der zum 2:0 durch Misimovic führte. „Ich wollte doch nur mein Gesicht schützen“, verteidigte sich „Übeltäter“ Leonard Kweuke. Für Stark kein Argument. „Schutzhand gibt es es im Fußball nicht. Wenn der Spieler eine unnatürliche Handbewegung zum Ball macht, muss ich pfeifen, da gibt es keinen Ermessensspielraum“, sagte er nach dem Spiel.
Doch zuvor hätte der Schiedsrichter, so sahen es viele, Elfmeter für Frankfurt geben müssen, als Eintracht-Stürmer Fenin im Strafraum mit Wolfsburgs Verteidiger Pekarik zusammengestoßen war. Doch auch diesmal sah Stark, für sein gutes Stellungsspiel bekannt, keinen Fehler. „Wir haben uns in der Kabine zusammen mit dem Schiedsrichter-Coach die Szene auf DVD angesehen. Es gab zwar einen kurzen Kontakt, ein Foul war aber nicht zu erkennen“, berichtete er.
Zur fast identischen Situation kam es noch einmal in der zweiten Halbzeit, als Fenin sich wieder von Pekarik gefoult fühlte. Aber Stark ließ sich von allen Protesten nicht beeindrucken. Auch nach dem Spiel urteilte er so: „Eindeutig Ball gespielt.“ Eine fehlerlose Leistung also? „Nein“, sagte Stark mit einem dezenten Lächeln, „nach der zweiten Fenin-Pekarik-Situation habe ich auf Abstoß für Wolfsburg entschieden. Es hätte aber Eckstoß für Frankfurt geben müssen.“ Wenn‘s nur das ist.
Angekommen im Abstiegskampf
Jürgen Sattler (J.S.)
- 16.02.2009, 10:33 Uhr
Angekommen im Abstiegskampf
Helmut Unverzagt (helloU)
- 16.02.2009, 18:35 Uhr