28.02.2009 · Nach den Ausschreitungen in Karlsruhe: Der Frankfurter Eintracht droht im Wiederholungsfall eine Platzsperre. Fenin zeigt sich vor dem Spiel gegen Schalke 04 an diesem Samstag überraschend agil.
Von Ralf Weitbrecht60.000 Euro, wie schlimmstenfalls befürchtet, sind es dann doch nicht geworden. Doch auch die 40.000 Euro Strafe, die die Eintracht Frankfurt Fußball AG wegen der Fanausschreitungen während des Bundesligaspiels beim Karlsruher SC zahlen muss, tun weh. Dem Urteilsspruch des Sportgerichts des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) haben sich die Eintracht-Verantwortlichen am Freitag klaglos gebeugt. Schon dem gleichlautenden Antrag des Kontrollausschusses hatte man zugestimmt.
Dabei hat die Eintracht, die die Liste der Fan-Verfehlungen in der Bundesliga anführt, sogar Punkte sammeln können, die sich strafmildernd ausgewirkt haben. So fand es das Gericht in Ordnung, dass man umgehend ein Paket an Sofortmaßnahmen geschnürt und auf die pyrotechnischen Vorfälle im Wildparkstadion reagiert habe. Dies hätte dazu geführt, dass das Strafmaß „nur“ 40.000 Euro beträgt. Gleichzeitig aber hat das Sportgericht deutlich gemacht, „dass im Wiederholungsfall nunmehr unmittelbar die Verhängung einer Platzsperre oder eines sogenannten Geisterspiels droht“. Klaus Lötzbeier, das für Fanbelange zuständige Eintracht-Vorstandsmitglied, richtete daher auch einen Appell an die Frankfurter Anhänger: „Diesen Schaden abzuwenden, ist nicht nur die Aufgabe von uns als Verantwortliche, sondern auch die Pflicht eines jeden Anhängers von Eintracht Frankfurt.“
Keine lautstarke Unterstützung gegen Schalke
Aktuell wollen die Ultras das an diesem Samstag stattfindende Heimspiel der Eintracht gegen den FC Schalke 04 (Anpfiff 15.30 Uhr) dazu nutzen, um zu schweigen. Keine lautstarke Unterstützung für den Klub, der ihnen angeblich so am Herzen liegt. Was das Schweigen der besonders engagierten Anhänger nach sich zieht, wird man hören und sehen. Die Arena ist mit 51.500 Zuschauern ausverkauft; das königsblaue Millionen-Ensemble, das auf europäischer Bühne schon länger keine Rolle mehr spielt, zieht noch immer. Und die Mannschaft von Trainer Fred Rutten sorgt für Respekt. So hat Eintracht-Coach Friedhelm Funkel am Freitag nach dem Abschlusstraining abermals in den höchsten Tönen von der Lufthoheit der Schalker geschwärmt. „Da sind sie einfach bärenstark.“
Wie stark die zuletzt schwache Eintracht sein kann, ist derzeit nur schwer abzuschätzen. Funkel muss auf seinen torgefährlichsten Angreifer verzichten. „Wir haben gar nicht erst versucht, Nikos Liberopoulos mit Spritzen fit zu bekommen. Die Schmerzen bei ihm sind einfach zu groß.“ Bei dem gleichfalls am Zeh angeschlagenen Martin Fenin stellt sich die Lage anders dar. Der Tscheche mischte am Freitag munter mit – so als wäre nie etwas mit seinem Fuß gewesen.
„Caio gegen Jones - das geht gar nicht“, sagt Funkel
Trotzdem ist Funkel vorsichtig. Eine Einsatzgarantie wollte er seinem Stürmer, der bislang bei allen 21 Saisonspielen dabei gewesen ist, nicht geben. „Ganz überzeugt bin ich noch nicht“, sagte er. Überzeugt hat ihn immerhin Rückkehrer Ümit Korkmaz. Der Österreicher, zuletzt nach zwei Fußbrüchen zurückgeworfen, steht für die schwere Partie gegen Schalke im Kader. Ob Caio, der Siegtorschütze des jüngsten 1:0 in Karlsruhe, mal wieder von Beginn an eine Chance erhält, wollte Funkel ebenfalls nicht beantworten. Der Brasilianer gehörte am Freitag zu den Aktivposten bei der Eintracht. Doch Funkel weiß auch: „Caio gegen Jones – das geht gar nicht.“
Der Eintracht-Trainer will und muss sich etwas einfallen lassen. Mehr noch: Seine Perspektivplanungen kann er ändern. Das nächste Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim ist von der Deutschen Fußball Liga wegen des aktuellen Abschneidens der deutschen Vereine im Europapokal von Freitag (13. März) auf Samstag (14. März) verschoben worden.
Ultras Frankfurt = trotziger Kindergarten
Manfred Schmidt (ffm007)
- 01.03.2009, 10:12 Uhr