13.06.2004 · Die Fußball-EM in Portugal begann mit einer unangenehmen Überraschung für die Gastgeber: Außenseiter Griechenland erwies sich beim Eröffnungsspiel als stärkeres Team. In der zweiten Partie besiegte Spanien Rußland 1:0.
Otto Rehhagel und seine Griechen haben Titel-Favorit Portugal zum Auftakt der Europameisterschaft nach allen Regeln der Fußball-Kunst entzaubert und eigene Ambitionen auf den Vorstoß ins Viertelfinale angemeldet.
Die vom früheren Bundesliga-Meistercoach trainierten Hellenen gewannen am Samstag in Porto das Eröffnungsspiel der EURO gegen die Gastgeber mit 2:1 (1:0) und sorgten für den ersten Favoritensturz des Turniers. Georgios Karagounis (6.) und Angelos Basinas (51./Foulelfmeter) schockten mit ihren Treffern die einheimischen Fans unter den 52.000 Zuschauern im Stadio Dragao und machten den ersten griechischen Sieg bei einer EM-Endrunde perfekt. Cristiano Ronaldo gelang erst in der dritten Minute der Nachspielzeit das Anschlusstor für die Portugiesen, für die es nun im zweiten Gruppenspiel am Mittwoch gegen Rußland bereits um Alles oder Nichts geht.
„Ein großer Tag für den griechischen Fußball“
„Dieser Sieg ist einmalig und einer meiner größten Erfolge. Kompliment für eine tolle Leistung meiner Mannschaft, die zu einem echten Team gereift ist“, freute sich Rehhagel über den Erfolg. „Ich hoffe, daß alle Griechen morgen eine Fahne aus dem Fenster hängen und sich über diesen grandiosen Sieg freuen.“ Unmittelbar nach dem Schlußpfiff des fehlerfrei leitenden italienischen Schiedsrichters Pierluigi Collina war der 65jährige wie ein kleiner Junge über den Rasen gehüpft und hatte Kußhände ins Publikum geworfen.
Auch der Bremer Bundesliga-Profi Angelos Charisteas war schier aus dem
Häuschen: „Unglaublich, das hat uns keiner zugetraut. Das ist ein großer Tag für den griechischen Fußball.“
„Wir haben in der Anfangsphase den größten Fehler überhaupt gemacht und den Griechen ein Tor erlaubt. Das hat ihnen Selbstvertrauen gegeben“, sagte Trainer Luiz Felipe Scolari, brasilianischer Weltmeistercoach von 2002, und ergänzte: „Ich entschuldige mich bei den Fans. Im nächsten Spiel geht es jetzt um Leben und Tod.“
Rehhagels überraschender Schachzug
Beim Comeback der Griechen auf der EM-Bühne nach 24 Jahren machte Trainer-„Fuchs“ Rehhagel dem Favoriten mit einem unerwarteten taktischen Schachzug einen Strich durch die Rechnung. Statt sich wie erwartet in die Defensive zurückzuziehen, überraschten die Hellenen ihren Gegner mit geradlinigem, flexiblem Spiel nach vorne. Davon zeigten sich die Portugiesen beeindruckt. Die Elf von Weltmeister-Trainer Luis Felipe Scolari agierte ohne Kreativität und Ideen und konnte die gut organisierten Griechen nicht in Verlegenheit bringen. Gar nicht zum Zuge kam der hoch gelobte Regisseur Luis Figo, der sich in vielen Duellen mit Panagiotis Fissas von Benfica Lissabon aufrieb.
Die Portugiesen hielten dem hohen Erwartungsdruck nicht Stand und konnten ihre Nervosität zum Turnierauftakt nie ablegen. Begünstigt wurde der starke Turnierauftakt der Griechen durch ein frühes Tor. Als Abwehrspieler Paulo Ferreira den Ball in der eigenen Hälfte Karagounis „vorlegte“, lief der 27jährige von Inter Mailand noch ein paar Schritte und erzielte aus 20 Metern das 350. Endrunden-Tor bei einer EM.
Mit den Einwechslungen des auch von Bayern München umworbenen Deco sowie von Cristiano Ronaldo versuchte Scolari, dem leblosen Spiel seiner Mannschaft nach der Pause frische Impulse zu geben. Doch dann wurde ausgerechnet der 19jährige Ronaldo zum Pechvogel, als er Georgios Seitaridis im eigenen Strafraum umrempelte. Basinas ließ sich die Chance beim Elfmeter zum 2:0 nicht entgehen. Unglücksrabe Ronaldo (83.) und Nuno Gomes (85.) verpaßten in der Schlußphase Chancen, um ihre Mannschaft noch einmal heranzubringen. Der Treffer zum 1:2 kam viel zu spät.