19.06.2006 · Die WM hat für Biertrinker viel mehr zu bieten als „Bud“. Für alle, die sich über die exklusive Fifa-Stadion-Schanklizenz für das amerikanische Massen-Bier ärgern, haben wir die internationale Bier-Elite der WM-Teilnehmer getestet und eine Stammelf formiert.
Bei der Hitze ist es gar nicht so schlecht. Im farbigen Plastikbecher kann man es kaum sehen, und wer richtig Durst hat, bekommt auch vom Geschmack kaum etwas mit - soweit es den überhaupt gibt.
So gesehen ist es für die meisten Stadionbesucher sicher keine Katastrophe, daß sie während der Fußball-Weltmeisterschaft in Deutschland ausgerechnet mit einem amerikanischen Massen-Bier abgespeist werden. Ärgerlich ist die Exklusiv-Vermarkterei des Weltfußballverbandes Fifa dennoch. Und das nicht nur, weil gerade das Gastgeberland so viele Möglichkeiten des Biergenusses geboten hätte. Auch die meisten anderen Teilnehmerländer der WM müssen sich in Sachen Hopfen und Malz nicht verstecken.
An die schwierige Aufgabe gewagt
Die Redakteure haben sich deshalb an die schwierige Aufgabe gewagt, aus dem riesigen, vollkommen unübersichtlichen Angebot an Gerstensäften aus aller Welt eine Stammelf zu formieren, die auch höheren, dem deutschen Reinheitsgebot verpflichteten Ansprüchen gerecht wird. Sechs durch ein strenges Auswahlverfahren bestimmte Redakteure haben in einem mitunter an Selbstaufgabe grenzenden Test insgesamt vierzehn Biere aus vierzehn Ländern probiert und bewertet. Die Blind-Verkostung, bei der die Biere in neutralen Gläsern unter stets gleichen Bedingungen serviert wurden, dauerte fast vier Stunden und mündete in eine heftig geführte Diskussion. Die schließlich zusammengestellte Rangliste fußt auf den von den Testern vergebenen Schulnoten.
Obwohl die Jury während der Verkostung teilweise mit erheblichen Meinungsunterschieden konfrontiert war (“Ihr mögt halt die billigen Biere“) und mancher Tester schon nach sechs oder sieben Bieren erste Ermüdungserscheinungen an den Geschmacksnerven kompensieren mußte, kam am Ende ein Ergebnis zustande, das jedes Jurymitglied unterschreiben könnte. Trotz einiger Durstattacken (“Das hau ich jetzt mal so weg“) und vorübergehender Zweifel an der Bewertungskategorie Bouquet (“Geruch ist bei Bier Schwachsinn“) wurde der Test nur durch eine Disqualifikation belastet.
Hielten dem Druck mehr oder weniger stand
Während aber alle Tester dem Druck mehr oder weniger lange standhielten, mußte ein Bier aus der Wertung genommen werden: Dabei hätte das „Akosombo“ aus Ghana die Jury durchaus für sich gewinnen können, schließlich hat es nach übereinstimmender Meinung einen vollen, würzigen Geschmack. Außerdem ist es nach deutschem Reinheitsgebot gebraut und hat 5,5 Prozent Alkohol vorzuweisen. Allerdings konnte sich keiner der Tester erklären, warum aus der ersten Flasche ein helles, pilsenerartiges, aus der zweiten aber ein dunkles, fast malzbierfarbenes Getränk in die Gläser gluckerte. So mußte auch das auf der Rückseite der Flaschen vermerkte Alleinstellungsmerkmal „Mit dem Kauf dieses Bieres unterstützen Sie Hilfsprojekte im Königreich Hohoe“ ohne Würdigung bleiben.