Home
http://www.faz.net/-gzo-6o7b8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Commerzbank-Arena Spielverderberin Madonna

11.09.2008 ·  Der Rasen in der Arena ist nach dem Konzert des Popstars ruiniert. Die Partie der Eintracht gegen den Karlsruher SC wird sicher keine Augenweide.

Von Ralf Weitbrecht
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Das Konzert der Pop-Königin hat Spuren hinterlassen. Deutlich sichtbare sogar, denn der Rasen der Frankfurter Commerzbank-Arena verdient es nicht, als solcher bezeichnet zu werden. Tausende von breiten Rillen, wie von Panzern gepresst, ziehen sich durch das grüne Areal, das einer dringenden Renovierung und Erneuerung bedarf. Schließlich soll schon an diesem Freitag Fußball gespielt werden – nicht nach dem Modell Versuch und Irrtum, sondern nach den bekannten Regeln. Um ein im Wortsinne erstklassiges Spielfeld für die Partie der Frankfurter Eintracht gegen den Karlsruher SC (Anpfiff 20.30 Uhr) anzubieten, müssen die Stadionmitarbeiter Schwerstarbeit verrichten. Erst wenn die vielen Rowdys aus der Madonna-Entourage die gewaltigen Platten und Stahlträger der imposanten Bühnenkonstruktion auf riesigen Sattelschleppern verladen haben, kann damit begonnen werden, neuen Rollrasen zu verlegen.

Patrik Meyer, der Geschäftsführer der Stadion Frankfurt Management GmbH, hatte als Beginn eine Zeit tief in der Nacht zum Donnerstag ausgemacht. Am liebsten hätte er es gehabt, wenn die Macher der Deutschen Fußball Liga seinen vor etlichen Monaten vorgelegten Plänen und Wünschen gefolgt wären. Doch die Spielplangestalter waren zu keinerlei Kompromissen bereit. So muss das Stadionteam innerhalb von wenigen Stunden das Kunststück vollbringen, den Profis von Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel sowie des Gegners vom Karlsruher SC eine halbwegs akzeptable Spielfläche zu bieten. Mehr nämlich ist aufgrund der Zeitnot nicht möglich.

Stark unter der Bühne gelitten

So wird es einen komplett neuen Rasen auch nur in Nuancen geben. Vor dem Tor der Eintracht-Fans auf der Westseite der Arena soll und muss der Strafraum erneuert werden. Dort hatte am Dienstag die Bühne gestanden, von der aus Madonna ihre Hits präsentierte. Und dort sieht der Rasen wie auf einem Truppenübungsplatz aus. So oder so: Irgendwie muss es gelingen, für das erstklassige Nachbarschaftsduell zwischen Hessen und Badenern einen halbwegs vorzeigbaren Fußballrasen zu richten. Meyers Team wird dabei auf technische Hilfe zurückgreifen, denn um die im Wortsinne platt gemachten Rasenhalme soll mit einer Art Föhn reichlich Wirbel gemacht werden, auf dass sie sich wieder aufrichten.

Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel, am Dienstagabend selbst Gast bei dem Madonna-Konzert, hat die äußeren Umstände mit einem für ihn typischen Lächeln quittiert. „Die Qualität des Spiels wird möglicherweise leiden“, sagte er tags darauf, „aber es betrifft ja beide Mannschaften.“ Mit dem Zustand des Rasens wollte sich der Frankfurter Coach nicht weiter befassen; eher schon interessierten ihn die Einsatzmöglichkeiten seiner Spieler. So ist nämlich damit zu rechnen, dass Alexander Meier und Benjamin Köhler wieder in die Startformation rücken. „Bei beiden ist es zuletzt von Tag zu Tag besser geworden, und ich hätte überhaupt keine Bedenken, beide von Beginn an aufzustellen.“

„Oka hat eine gute Vorbereitung absolviert“

Die Eintracht und mit ihr Funkel wartet in der noch jungen Bundesligasaison auf den ersten Sieg. Gegen den KSC soll er glücken. „Meine Mannschaft hat aufsteigende Tendenz“, glaubte Funkel, der ein „sehr kampfbetontes Spiel“ erwartet. In der vergangenen Saison gab es schon zwei hart umkämpfte Begegnungen, in denen der mittlerweile zum Karlsruher Kapitän aufgestiegene Maik Franz besonders auffiel. Seine rustikale Art Fußball zu spielen hatte vor allem beim Frankfurter Spielführer Ioannis Amanatidis für reichlich Irritationen und Unverständnis gesorgt. „Die Leute kommen ins Stadion, um guten Fußball zu sehen“, hatte Amanatidis nach dem 1:0-Auswärtssieg am 15. März gesagt. „Aber Franz macht den Fußball nur kaputt.“ Vor allem die verbalen Attacken hätten dem Griechen zugesetzt und wütend gemacht. „Ich weiß nicht, was er im Kopf hat, aber viel kann es nicht sein.“

Amanatidis wird wegen seines in Wolfsburg erlittenen Muskelbündelrisses nur zuschauen können. Auch Markus Pröll wird sich vorerst mit dieser Rolle begnügen müssen. Doch immerhin: Die Perspektive wird sich entscheidend ändern. An diesem Freitag sitzt der langjährige Stammtorhüter nach überstandener Verletzung und entsprechender Aufholarbeit im Training wieder auf der Auswechselbank. An der Position von Oka Nikolov will Funkel nicht rütteln. „Oka hat eine gute Vorbereitung absolviert und in den bisherigen Spielen hervorragend gehalten“, lobte der Eintracht-Trainer den Frankfurter Routinier. „Es gibt überhaupt keinen Grund, etwas zu ändern.“ Nikolov stellt sich der Herausforderung KSC – und ist gespannt, was bis Freitag aus dem ramponierten Rasen wird.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1961, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Es wird kein schöner Anblick sein

Von Katharina Iskandar

Schon seit Wochen ist die Polizei dabei, herauszufinden, was unter „Blockupy“ eigentlich zu verstehen ist. Der Polizeipräsident spricht von schlimmen Ausschreitungen. Mehr 1 9