25.09.2008 · Der erste Mann bei der Eintracht will vor der Bundesliga-Partie gegen Arminia Bielefeld „Schaden abwenden“ – von Verein und Trainer. Auch das zeigt: Selten war ein Sieg so nötig wie am Sonntag.
Von Ralf WeitbrechtNatürlich ist Friedhelm Funkel der fürsorgliche Eingriff seines Vorgesetzten nicht verborgen geblieben. Auf die Ankündigung von Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen, „dass man irgendwann abwägen muss, was man tut, um Schaden vom Verein, aber auch von Herrn Funkel abzuwenden“, hat der Chefcoach der Frankfurter Eintracht am Donnerstag die erwartete Antwort gefunden. „Er braucht nicht auf mich aufzupassen. Ich nehme keinen Schaden.“ Gut zwei Tage ist das nun her mit dem unnötigen Ausscheiden im DFB-Pokal gegen Hansa Rostock und all den Begleiterscheinungen, die der Tiefschlag gegen die zweitklassigen Männer von der Ostseeküste nach sich gezogen hatte. Funkel, dessen Ablösung etliche Fans noch während der Partie populistisch gefordert hatten, verfügt selbstverständlich auch jetzt über einen gefestigten Arbeitsplatz, denn Bruchhagen hat seine wohlwollende Meinung über den Trainer „grundsätzlich nicht geändert. Ich kann nicht zulassen, dass der Trainer hier beschimpft wird.“
Bruchhagen hat sich stets schützend vor Funkel gestellt
Schon früher, als es während der nun vierjährigen vertrauensvollen Zusammenarbeit zu bedeutend schlimmeren sportlichen Krisen gekommen war, hatte Bruchhagen sich stets schützend vor Funkel gestellt. So sagte er vor knapp eineinhalb Jahren, als nach einer Niederlagenserie über Funkel gegrummelt wurde: „Ich komme nach wie vor zu dem überragenden Ergebnis, dass Friedhelm Funkel ein ganz gerader Fußballverantwortlicher mit klar auszurechnenden Strukturen ist. Wir kommen immer zu dem Ergebnis, dass Herr Funkel für uns der richtige Mann ist. Für Eintracht Frankfurt ist der Trainer Funkel genau die richtige Entscheidung.“ Ein derart klares Bekenntnis hat es im beginnenden Herbst des Jahres 2008 nicht gegeben. Doch Funkel findet es auch nicht weiter tragisch. Er weiß, dass er mit einem Heimsieg mehr mit seiner Mannschaft plan- und wunschgemäß im Mittelfeld der Liga stehen würde. Und er sieht auch jetzt keinen Anlass, seit langem bewährte Mechanismen zu ändern. „Für eine schärfere Ansprache nach dem Rostock-Spiel gab es überhaupt keinen Grund“, so Funkel. Er habe im Gegenteil sachlich, normal und moderat im Ton – so wie immer halt – mit seinen Profis gesprochen. „Ich schütze meine Spieler, wenn sie es verdient haben. Und am Dienstag war das so.“ Auch die Unterredung mit Stürmer Martin Fenin nahm den erwarteten Verlauf. „Es war ein Mix aus Eigensinn, Blackout, Übereifer und Unerfahrenheit“, so Funkel, der den Tschechen dazu bewogen hatte, aus einer Abseitsposition heraus dem allein auf das Tor zustürmenden Caio den Ball vor dem Fuß wegzuschnappen.
Funkel wäre nicht Funkel, wenn er nicht auch jetzt mit sich und seinem Tun im Reinen wäre. Und so glaubt er fest an den dringend benötigten Erfolg am Sonntag in der Bundesliga gegen Bielefeld. „Meine Mannschaft muss dafür einfach nur das abrufen, was sie gegen Rostock gezeigt hat. Ich erwarte die gleiche engagierte, kämpferische und aggressive Leistung – nur mit mehr Toren.“
Spielbeobachtung als Chefsache
Ob Patrick Ochs am Sonntag mithelfen kann, den dringend notwendigen Heimsieg gegen Arminia Bielefeld – nichtgerade als Übermacht im deutschen Fußball bekannt – zu erreichen, ist fraglich. Auch am Donnerstag konnte der 24 Jahre alte Außenverteidiger nicht beim Mannschaftstraining mitwirken. Eine sogenannte Beckenkammprellung verhinderte schnellere Bewegungen. „Nur wenn er gesund wird, kann ich ihn einsetzen“, sagte Funkel. Sollte Ochs, einer der stabilsten Eintracht-Profis, passen, würde Mehdi Mahdavikia seinen Posten übernehmen.
In der Vorbereitung auf die wegweisende Partie gegen die Arminia hat sich Eintracht-Trainer Funkel die Ostwestfalen persönlich am Mittwoch bei ihrer Pokalniederlage in Stuttgart angeschaut. Spielbeobachtung als Chefsache. Zuletzt war Funkel zum Saisonstart in Wolfsburg vor Ort, als der VfL gegen Köln spielte. Das Ergebnis seiner Beobachtungen: zwei darauffolgende Unentschieden in den Begegnungen bei den beiden Klubs. Gegen Bielefeld hilft ein abermaliges Remis nicht sonderlich weiter. Die Eintracht braucht einen Sieg. Funkel auch.