http://www.faz.net/-gzn-8zre8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
F+ Icon
F.A.Z. PLUS
abonnieren

Veröffentlicht: 14.07.2017, 08:02 Uhr

Bastian Oczipka Der Abschied des Unverzichtbaren

Bastian Oczipka ist auf dem Sprung zu Schalke 04. Er hinterlässt bei der Eintracht eine Leerstelle, die für die Frankfurter nur schwer zu füllen sein wird.

von , Frankfurt
© Jan Huebner Letzte Muskelspiele in Kalifornien: Bastian Oczipka (links) wird demnächst „auf“ Schalke gefordert sein, Timothy Chandler rennt weiter für die Eintracht.

Dieser Weggang ist ein Verlust. Auch wenn die Frankfurter Verantwortlichen demnächst einen Nachfolger für den zum FC Schalke 04 wechselnden Bastian Oczipka präsentieren werden: Er wird sich an Oczipkas Leistungen messen lassen müssen. Der 28 Jahre alte Verteidiger hat bei der Eintracht Spuren hinterlassen. Nachhaltige, denn vom Start weg hat sich der gebürtige Rheinländer bei den Hessen unverzichtbar gemacht. Seit 2012 hat Oczipka die linke Frankfurter Seite beackert – meist ästhetisch und weniger kämpferisch. Seine Bilanz: 167 Pflichtspiele. In der vergangenen Saison, als der zwischenzeitliche Tabellendritte in der Rückrunde mächtig ins Straucheln geriet und am Ende Elfter wurde, war Oczipka in 33 von 34 möglichen Bundesligaspielen am Ball. Eine herausragende Bilanz. Lediglich die Partie am 24. Spieltag, auswärts beim FC Bayern, fand ohne ihn statt. Wegen der fünften Gelben Karte, die er in der Woche zuvor gegen Freiburg erhalten hatte, musste der Dauerbrenner gesperrt in München pausieren.

Ralf Weitbrecht Folgen:

Oczipka und die Eintracht – das hat gepasst. Als sich der Fußballprofi am Mittwoch aus dem Trainingslager in Chula Vista bei San Diego von den Mannschaftskollegen verabschiedete, sagte er: „Es ist kein leichter Schritt. Ich hatte hier eine phantastische Zeit. Aber es ist die Chance, mit 28 noch mal was Neues zu probieren.“ Eine anderer Klub, eine andere Bezahlung. „So einen Spieler gibt man nicht gerne ab“, sagte Eintracht-Sportvorstand Fredi Bobic. „Aber der Spieler wollte weg.“ Die notorischen Schalker Europapokalträumer, die in der kommenden Saison derartige Spiele nur am Fernseher betrachten können, haben traditionell andere Ziele als die Eintracht. Oczipka, der den zum FC Arsenal gewechselten Sead Kolasinac ersetzen soll, wird zugetraut, auch in Gelsenkirchen sofort in eine Führungsrolle zu schlüpfen. Dafür gibt es in Frankfurt eine weitere Leerstelle – und eine gestandene deutsche Führungskraft weniger. Wer einen Blick in den aktuellen Kader der Lizenzspielermannschaft wirft, wird dort nur noch die Namen von Alexander Meier, Marco Russ und Timothy Chandler finden.

Schon am Sonntag mit Schalke nach China?

Ein Trio, von dem nach Lage der Dinge beim Saisonstart wohl nur der in Frankfurt geborene Deutsch-Amerikaner stehen wird. Rechtsverteidiger Chandler ist das, was Linksverteidiger Oczipka jahrelang bei der Eintracht gewesen ist: unverzichtbar. Unverzichtbar, das war viele Jahre auch Meier. Doch der Kapitän hat seit einiger Zeit Pech mit Verletzungen. Wegen seiner im Urlaub erlittenen Sprunggelenkverletzung, die operiert werden musste, wird der dienstälteste Frankfurter Fußballprofi länger brauchen, um in den Planungen von Trainer Niko Kovac wieder die Rolle zu spielen, die ihm gebührt. Zudem muss der 34 Jahre alte Meier nach einem Zeckenbiss zusehen, dass er wieder vollends von einer zum Trainingsstart festgestellten Borreliose geheilt wird. Russ, der am 4. August 32 Jahre alt wird und damit auch zu den besonders Langgedienten bei der Eintracht gehört, wird in den kommenden Vorbereitungswochen weiterhin damit beschäftigt sein, sich seinen zuletzt angestammten Platz in der Innenverteidigung wieder zurückzuerobern. Gestern noch in den Vereinigten Staaten, morgen schon in China.

Mehr zum Thema

Wenn alles mit den Formalitäten klappt, könnte Oczipka schon an diesem Sonntag zur Schalker Reisegruppe gehören, die sich ostwärts auf den Weg ins Reich der Mitte macht. Für Sébastien Haller ist es westwärts nach San Francisco gegangen. Der stürmische Franzose, mit gut sieben Millionen Euro Ablöse der Rekordtransfer der Eintracht, hat endlich Ordnung in seine Papiere gebracht und kann aktiv mithelfen, im zweiten Testspiel auf amerikanischem Boden eine gute Visitenkarte abzugeben. An diesem Freitagabend (deutsche Zeit Samstag früh 4.15 Uhr) messen sich die Frankfurter mit den San Jose Earthquakes aus der Major League Soccer. Durchaus möglich, dass sich Omar Mascarell die Partie im Internet anschaut. Der spanische Mittelfeldspieler der Eintracht ist erfolgreich an der Achillessehne operiert worden, hat schon fleißig Bilder in die sozialen Netzwerke geschickt und mitgeteilt: „Auf mich kommen schwierige Monate zu. Aber ich werde stärker denn je zuvor zurückkehren.“

Vernunft und Traum

Von Michael Hierholzer

Wie sieht die Zukunft der Städtischen Bühnen aus? Folgt eine Sanierung oder gar ein Abriss und Neubau der Theaterdoppelanlage? Die Ansichten darüber gehen auseinander. Mehr 4 10

Zur Homepage