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Banken Deutsche Bank sichert Kredite ab

24.02.2003 ·  Die deutschen Banken mühen sich, ihre Kreditrisiken in den Griff zu bekommen. Der Marktführer Deutsche Bank will künftig alle langlaufenden Kredite mit Derivaten absichern. Für Mitbewerber empfiehlt die Deutsche dagegen eine staatliche Auffanglösung.

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Die deutschen Banken kämpfen mit ihren Kreditportefeuilles und den darin verborgenen Belastungen. Die Deutsche Bank will sich einem Zeitungsbericht zufolge als erstes Geldinstitut in Deutschland künftig systematisch gegen Kreditausfälle schützen. Das berichtet die Zeitung „Die Welt“. Das Institut plant nach eigenen Angaben, alle neuen Kredite an internationale und deutsche Konzerne mit einer Laufzeit von mehr als 180 Tagen künftig über Derivative am Kapitalmarkt abzusichern. Vorrangiges Ziel sei es, die starken Schwankungen bei den Wertberichtigungen in Zukunft zu verhindern.

Zu fein für Auffanggesellschaft

Der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hatte, so berichtet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, erst vor wenigen Tagen Bundeskanzler Gerhard Schröder aufgefordert, eine zu gründende Auffanggesellschaft („Bad bank“) der Banken für notleidende Kredite mit Staatsgarantien zu unterstützen. Ackermanns Vorstellungen zufolge sollen in der Auffanggesellschaft die mittelständischen Kreditportefeuilles von Dresdner Bank, Commerzbank und Hypo-Vereinsbank ausgegliedert werden.

Die Deutsche Bank selbst ist sich für eine Beteiligung an einer solchen Aktion aber zu fein. „Wir wollen uns nicht mit diesem Virus infizieren“, sagte Ackermann Teilnehmern zufolge beim Bankengipfel des Kanzlers vor einer Woche. Unklar ist, warum Ackermann Lösungen für andere Banken vorschlägt - zumal etwa der betroffene Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller bei dem Kanzlerkränzchen nicht dabei war.

Das Bundesfinanzministerium bestreitet, dass es einen Notfallplan für die Banken in Deutschland gebe. Zu dem Inhalt der Bankerrunde beim Kanzler will sich die Regierung nicht äußern.

Langfristziel: Risikovorsorge verringern

Die Deutsche Bank hat wie andere Großinstitute zuletzt einen drastischen Anstieg der Risikovorsorge hinnehmen müssen. Mit 2,1 Milliarden Euro lagen die Wertberichtigungen im vergangenen Jahr mehr als doppelt so hoch wie im Vorjahr. Internen Berechnungen zufolge hätte das Geldinstitut 2002 Wertberichtigungen von gut 1,8 Milliarden Euro vermeiden können, wenn es das internationale Kreditportfolio abgesichert hätte, heißt es in dem Bericht der „Welt“. Die Kosten für diese Art Versicherung hätten den Angaben zufolge bei rund 400 Millionen Euro gelegen. Damit hätte die Bank ihren Vorsteuergewinn von 3,5 Milliarden Euro auf fast fünf Milliarden Euro erhöhen können. Die Deutsche Bank hatte im Gegensatz etwa zur Hypo-Vereinsbank oder Commerzbank 2002 noch Gewinn erzielt, weil sie Unternehmensbeteiligungen in großem Stil verkauft hatte.

Auch andere deutsche Banken mühen sich, ihre Kreditrisiken in den Griff zu bekommen. Die Dresdner Bank hat laut Presseberichten schon 17 Milliarden Euro in eine „Institutional Restructuring Unit“ (IRU) eingebracht. Diese Abteilung soll sich darum bemühen, die ausfallgefährdeten oder strategisch unwichtigen Krediten abzubauen. Insgesamt soll die Abteilung Kredite in Höhe von 30 Milliarden Euro übernehmen, heißt es.

Die Commerzbank, die neben Dresdner und Hypo-Vereinsbank als das große Sorgenkind der Branche gilt, sieht sich vergleichsweise gut gerüstet. Sie hat nach eigenen Angaben Wertberichtigungen in Höhe von 600 Millionen Euro für gefährdete Kredite gebildet, die aber noch nicht notleidend sind. Auch hat das Institut im vergangenen Jahr seine risikoreichen Kredite deutlich reduziert. Die Risikovorsorge der Commerzbank insgesamt lag 2002 bei 1,32 Milliarden Euro.

Der Chef der Hypo-Vereinsbank, Dieter Rampl, sagte in München, die Risikovorsorge werde in diesem Jahr bei rund drei Milliarden Euro liegen. Im vergangenen Jahr hatte die zweitgrößte deutsche Bank 3,79 Milliarden Euro Risikovorsorge geleistet.

Die Deutsche folgt internationalen Vorbildern

Die Deutsche Bank folge mit der neuen Strategie großen internationalen Banken, heißt es in der „Welt“. Sowohl die US-Häuser Citigroup und JP Morgan als auch die schweizerischen Institute UBS und Credit Suisse seien in den vergangenen Jahren dazu übergegangen, sich im großen Stil vor Kreditausfällen zu schützen. “In fünf Jahren wird keine größere Bank mehr im Kreditgeschäft sein, wenn das Portfolio nicht abgesichert ist“, zitiert die Zeitung einen Manager. “Investoren sind immer weniger dazu bereit, in Banken zu investieren, die hohe Kreditrisiken ungesichert in der Bilanz haben.“

Allerdings will die Deutsche Bank den Angaben zufolge die Absicherungsgeschäfte vorerst auf Kredite an die rund 1.000 größten internationalen und deutschen Kunden beschränken, da hier das Risiko größerer Ausfälle besonders hoch ist. Im vergangenen Jahr entfielen 60 Prozent der Risikovorsorge von 2,1 Milliarden Euro auf gerade 20 Unternehmen. Internen Schätzungen zufolge wird die Bank mittelfristig rund 30 bis 40 Milliarden Euro an Krediten absichern, wie es heißt.

Kredite an Mittelstand laufen gut

Bankmanager erwarten, dass die neue Absicherungspraxis zu einer weitaus restriktiveren Kreditvergabe führen wird. “Die Risikokosten werden dadurch erstmals voll sichtbar“, sagte ein Manager der “Welt“. “Das wird die Disziplin erhöhen.“ Die mittelständischen Kunden, denen die Bank 36 Milliarden Euro geliehen hat, werden von der neuen Strategie hingegen nicht betroffen sein.

“Das mittelständische Firmenkundengeschäft ist relativ berechenbar“, sagte ein Banker. Außerdem seien die Margen in diesem Segment gestiegen, so dass die Kreditzinsen zunehmend die Risikokosten deckten. “Nicht der Mittelstand ist das Problem der deutschen Banken, sondern das Kreditgeschäft mit den Großkunden.“ Auch die Commerzbank hatte erst jüngst betont, dass sie im Kreditgeschäft mit dem Mittelstand vergleichsweise gut fahre.

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