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Eintracht Frankfurt : In Limassol den ersten Matchball verwandeln

Konnte im Hinspiel gegen Limassol jubeln: Filip Kostic Bild: AFP

Mit einem Sieg bei Apollon Limassol wäre die Eintracht schon für die K.o-Phase der Europa League qualifiziert. Trainer Hütter fordert volle Konzentration.

          Ziemlich genau vier Stunden schwebte man über den Wolken, dann hatte der Eintracht-Tross am frühen Mittwochnachmittag zyprischen Boden unter den Füßen. Direktflug von Frankfurt nach Larnaka, Bustransfer nach Nikosia, Pressekonferenz und Abschlusstraining im GSP Stadion unter den Augen des gleichfalls mitgereisten Eintracht-Markenbotschafters Uli Stein: Der deutsche Pokalsieger ist bereit für Spiel Nummer vier. Für die vierte Partie in der Europa League, in der es die Eintracht an diesem Donnerstag (Anpfiff 18.55 Uhr) ein zweites Mal mit Apollon Limassol zu tun bekommt.

          Diesmal auswärts, diesmal auf der Insel der Aphrodite – aber nicht in Limassol, sondern in Nikosia. In der einzigen geteilten Hauptstadt der Welt steht das Nationalstadion Zyperns, in dem Apollon seine internationalen Spiele austrägt und das nicht nur 23.000 Zuschauern Platz bietet, sondern bei den Frankfurter Fußballprofis auch in bester Erinnerung geblieben ist. Vor ziemlich genau fünf Jahren, damals hieß der Trainer noch Armin Veh, siegte die Eintracht 3:0 gegen Apoel Nikosia. Srdjan Lakic und Sebastian Jung trafen für Frankfurt, Alexandrou schoss ins eigene Tor.

          Mit vier Siegen unerreichbar

          Auch jetzt ist der Bundesligaklub und Tabellenführer der Gruppe H Favorit. Zumal schon der erste Vergleich mit Gegner Apollon Limassol mit einem Sieg endete. 2:0 hieß es vor zwei Wochen in der ausverkauften Frankfurter Arena. Es war nach dem überraschenden 2:1 in Marseille und dem furiosen 4:1 gegen Rom schon der dritte Sieg im dritten Gruppenspiel für die Mannschaft von Trainer Adi Hütter und der nächste große Schritt Richtung Sechzehntelfinale. Das Ticket für die K.o.-Phase kann und will die Eintracht schon an diesem Donnerstag lösen. Die Ausgangslage dafür: Bei einem weiteren Sieg der Eintracht kann Verfolger Lazio Rom, der es zeitgleich mit Olympique Marseille zu tun bekommt, machen, was er will: Die Hessen wären mit dann vier Siegen unerreichbar und schon weit vor Weihnachten qualifiziert.

          Hütter weiß um diese vorzügliche Konstellation. Doch der Coach hält Kurs. Wie in den vergangenen Wochen auch, in denen die Eintracht bei ihren Pflichtspielen im Liga-Alltag sowie in der Europa League insgesamt sieben Mal in Folge ungeschlagen geblieben ist und es am Sonntag im Kerngeschäft Bundesliga mit dem FC Schalke 04 zu tun bekommt, fordert der 48 Jahre alte Fußballlehrer volle Konzentration von seinen Spielern. „Wir haben eine große Chance, die wollen wir jetzt nutzen. Das Spiel gegen Apollon ist der erste von drei möglichen Matchbällen“, sagte Hütter in einer denkwürdigen Pressekonferenz in den Katakomben des GSP-Stadions. „Ziel ist es, dass wir weiterkommen.“

          „Sprechen Sie langsamer und deutlicher“

          Hütter hatte es zunächst nicht einfach, mit seinen Antworten auf die Reporterfragen Gehör zu finden. Denn der Dolmetscher, der die Ansichten des Frankfurter Trainers ins Griechische übersetzten sollte, war – um in der Sprache des Fußballs zu bleiben – nicht auf Ballhöhe. „Sprechen Sie langsamer und deutlicher“, sagte der Zyprer mehrmals. Hütter konnte da nur schmunzeln. „Ich glaube nicht, dass ich viel langsamer sprechen kann“, erwiderte der Österreicher, der sich von Natur aus Zeit lässt und seine Sätze wohlbedacht formuliert. Die Pressekonferenz also trug Slapstick-Züge – und Hütter sowie der mit ihm auf dem Podium sitzende Mittelfeldspieler Gelson Fernandes taten das einzig Richtige: Sie bewahrten ganz professionell Ruhe.

          Der Schweizer Fernandes, einer der Erfahrensten im Team der Eintracht, hat an diesem Donnerstag die Chance, ein ganz persönliches Stück Europapokalgeschichte zu schreiben. Ein möglicher Einsatz gegen Apollon als defensiver Abräumer vor der Dreierabwehrkette – und der 32-Jährige hätte sein 25. Europapokalspiel absolviert. Das erste internationale Vereinsspiel hatte Fernandes noch parat: 2006 im Dress des FC Sion.

          Um den Dress mit dem Adler auf der Brust und die Spieler der Eintracht fern der Heimat auf der drittgrößten Mittelmeerinsel zu sehen, haben sich zumindest 4265 Fans fliegend auf den Weg nach Zypern gemacht. Hütter findet es „phänomenal, welche Strapazen die Fans auf sich nehmen“. Seine Ankündigung für das Spiel an diesem Donnerstag: „Dieses Vertrauen wollen wir mit einer guten Leistung zurückgeben.“ Leistung zeigen und dem selbstgesteckten Anspruch gerecht zu werden, auf dem angepeilten Weg in die K.o.-Phase gleich den ersten Matchball zu verwandeln: Hütter hat dafür 16 Feldspieler und drei Torhüter für sein Aufgebot nominiert und mit nach Zypern genommen. Europapokal-Routinier Fernandes, zuletzt in Stuttgart noch verletzungsbedingt zur Halbzeitpause ausgewechselt, hofft, dass er zu den elf Auserwählten gehört. Bevor der überforderte Dolmetscher ins Griechische übersetzen konnte, hatte Fernandes schon seine klare Botschaft kundgetan: „Wir wollen die Punkte mit nach Hause nehmen.“

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