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Veröffentlicht: 07.05.2017, 11:52 Uhr

Eintracht Frankfurt „Das war schlecht“

Keine Ideen, kein Wille, keine Automatismen – Trainer Kovac reagiert auf die 0:2-Niederlage gegen Wolfsburg genauso kritisch wie die Spieler. Aber die Leistung hat Gründe.

von , Frankfurt
© dpa Verdeckte Ansprache: Für das Eintracht-Team von Trainer Niko Kovac war Shani Tarashaj letztmalig gegen Wolfsburg dabei.

Eintracht-Trainer Niko Kovac redete erst gar nicht um den heißen Brei: „Das war schlecht. So habe ich die Eintracht noch nicht gesehen, seitdem ich hier bin. Das war von vorne bis hinten nichts von dem, was ich mir vorstelle.“ Die Stimmung im mit 49.000 Zuschauern gefüllten Frankfurter WM-Stadion war während und nach der 0:2-Heimniederlage gegen den VfL Wolfsburg nicht so schlecht wie das Spiel der Eintracht. Die Teilnahme am Pokalfinale gegen Borussia Dortmund wirkte da wohl als Antidepressivum. Aber Fans, die mit ihrer Zuneigung zu ihrer Mannschaft auch Ansprüche verbinden, die ärgerten sich, was da während der 95 Minuten auf dem Rasen ablief. Keine Ideen, kein Wille, keine Automatismen.

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Dafür gibt es Gründe. Von den Feldspielern, die tragende Rollen in der furiosen Vorrunde spielten, standen am Samstag gerade noch vier auf dem Platz: Fabian, dazu Oczipka, Chandler und Gacinovic, die allerdings auf anderen Positionen spielten, um Löcher zu stopfen. Die gefürchtete Dreierkette Abraham, Hasebe, Vallejo hat sich längst in Luft aufgelöst, Mascarell und Meier sind ebenfalls verletzt, Huszti ist verkauft. Bis zum Wolfsburger Match hatte es Trainer Kovac geschafft, wenigstens den Kampfgeist seiner Ersatz-Truppe hochzuhalten. Diesmal blieben alle Bemühungen im halbgaren Zustand stecken. „Wir müssen das Spiel vergessen und spielen wie im Pokalhalbfinale in Gladbach. Wir müssen wieder als Mannschaft zusammen kämpfen“, forderte der Jüngste mit klarem Blick. Mijat Gacinovic war noch einer der Leidenschaftlichsten gewesen, aber nicht einer der Besseren.

In der ersten Halbzeit fiel die zurückhaltende Art der Frankfurter noch gar nicht so auf, weil die Wolfsburger das Mittelfeld kampflos aufgaben. Sie mussten nach Worten ihres Trainer Andries Jonker erst mal die 0:6-Niederlage gegen die Bayern verdauen und setzten ganz auf Sicherheit. Doch der ganze Ballbesitz führte zu keiner einzigen Frankfurter Torchance, weil Hrgota im Sturmzentrum wieder einmal keine Durchsetzungskraft an den Tag legte und kein Kollege aus dem Mittelfeld in den Strafraum nachrückte. Die zwei, drei Angriffsszenen, die Rebic mit seiner wilden Art errackerte, verpufften. Außenverteidiger Oczipka, der seit Wochen als Innenverteidiger spielt, analysierte: „Wir hatten kein gutes Positionsspiel, wir standen ein bisschen weit auseinander und kamen am Strafraum einfach nicht in die Räume.“ Kollege Chandler monierte: „Es war viel zu wenig Bewegung im Angriff.“ Chandler führte die Eintracht erstmals als Mannschaftskapitän auf das Feld, er ist schon der Vierte in dieser Saison. Auch ein Zeichen für die Frankfurter Personalschwäche.

46247941 Zwei gegen einen? Kein Problem für Wolfsburgs Gomez (Mitte). © EPA Bilderstrecke 

Nachdem er in dieser Spielzeit schon den rechten Außenverteidiger und den Manndecker gegeben hat, durfte er diesmal als Abräumer vor der Abwehrkette ran. „Wir haben viele hohe Bälle auf Gomez erwartet, das sollte ich verhindern“, erläuterte Chandler den Plan. Das funktionierte ganz gut, dennoch wurde Mario Gomez zum spielentscheidenden Mann. Vor dem 1:0 spielte er den Torschützen Didavi mit einer direkten Weitergabe herrlich frei, das 2:0 (63. Minute) erzielte der Nationalstürmer selbst. „Die Wolfsburger haben nur auf Fehler von uns gewartet, wir haben sie ihnen gegeben, das war der Knackpunkt. Wir haben es ihnen bei den Toren viel zu leichtgemacht“, sagte Chandler. Vor dem 1:0 verlor Hrgota den Ball im Mittelfeld, vor dem 2:0 hätte das Solo des Wolfsburgers Ntep durch ein taktisches Foul vor dem Strafraum gestoppt werden können.

Zwanzig Sekunden vor dem 0:2 hatte Hrgota die erste große Torgelegenheit der Eintracht gehabt. Sein Kopfball aus kurzer Distanz wurde allerdings vom Wolfsburger Torwart Casteels pariert. Es war die letzte Aktion des Stürmers, der seinen zahlreichen unglücklichen Auftritten in der Rückrunde einen weiteren folgen ließ. Der Schwede mit bosnischem Hintergrund scheint an sich selbst zu verzweifeln. Ihn hat offensichtlich das Selbstbewusstsein verlassen. Zeigte er in den vergangenen Wochen wenigstens ansatzweise die Sekundärtugenden eines Stürmers – Pressen, Ball halten, Räume schaffen –, so misslingt ihm im Moment auch das.

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Die einzige Alternative zu ihm heißt Seferovic. Und der Schweizer Nationalstürmer ist auch nicht besser in Form, dafür nicht so eingespielt mit den Nebenleuten. Nach seiner Einwechslung hatte Seferovic zwei große Chancen. Das eine Mal wurde er abgedrängt, das zweite Mal verstolperte er. „Wir vergeben unsere Torchancen kläglich, das zieht sich durch die ganze Rückrunde“, sagte Oczipka. „Hätten wir eine Torgelegenheit genutzt, wir hätten noch mal die zweite Luft bekommen und das Spiel gedreht“, fügte er an.

So wirkten die Frankfurter in der Schlussphase ziemlich lasch, was Oczipka offen zugestand: „Ja, es hatte den Anschein, dass uns hinten raus die Power gefehlt hat. Aber das kann nicht sein, wir sind eine Bundesliga-Mannschaft. Was sollen die Nationalspieler und die Profis, die Champions League spielen, erst sagen.“

Dass mit der Heimniederlage die realistischen Chancen auf Platz sieben verspielt sind, der zur Teilnahme an der Europa League berechtigt, habe kein Spieler im Kopf gehabt, so Oczipka. Die Mannschaft beschäftige etwas anderes: „Das war einer unserer schwächsten Auftritte. Es ist nicht typisch für uns, dass der Spirit und die Bereitschaft fehlen. Das kann nicht der Weg sein, dass wir bis zum Finale so unsere Spiele verlieren. Wir müssen positiv und in guter Form ins Endspiel gehen.“

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