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Eintracht Frankfurt Understatement war einmal

Sogar der FC Bayern ist beeindruckt von der Eintracht. Heribert Bruchhagen gibt seine Zurückhaltung auf. Neues Ziel: der internationale Wettbewerb.

© REUTERS Vergrößern Lange auf Augenhöhe: Rode im Duell mit Schweinsteiger.

Diese Niederlage hat keinen bleibenden Schaden angerichtet. So viel ließ sich mit ein wenig Abstand zum Abpfiff feststellen. Beim FC Bayern, so der allgemeine Tenor im Team der Eintracht, sei es keine Schande, zu verlieren. Als ärgerlich, aber verkraftbar wertete Alexander Meier das 0:2 in München, bei dem er und seine Mannschaftsgefährten sich für Aufsteigerverhältnisse teuer verkauft hatten: „Ich denke, wir konnten erhobenen Hauptes den Platz verlassen.“ So tapfer wie die Frankfurter, das bekamen sie wiederholt zu hören, sei in dieser Saison noch kein Gegner in das Duell mit dem Rekordmeister gegangen. Letztlich genügte das nicht, um für eine weitere hessische Großtat zu sorgen.

Marc Heinrich Folgen:  

Aber auch so werteten sie das Kompliment Karl-Heinz Rummenigges als zusätzliches Indiz, dass sie sich mit ihrem couragierten Stil langfristig behaupten können: „Es war ein hartes Stück Arbeit, bis von der Eintracht keine Gefahr für uns mehr ausging“, bekundete der Münchner Vorstandsvorsitzende. „Sie sind wirklich ungemein laufbereit und kampfstark.“ Auch Uli Hoeneß ließ es sich nicht nehmen, den Hessen zu ihrer Bundesliga-Renaissance zu gratulieren. Er mutmaßte, dass Armin Veh und den Seinen sogar noch viel mehr gelingen könne. „Die Eintracht wird weiter für Furore sorgen. Sie ist immer in der Lage, auch auswärts zu gewinnen“, sagte der Bayern-Präsident. „Am Ende kann sie in der Lage sein, für eine Überraschung zu sorgen, an die sie selbst jetzt noch gar nicht glauben mag.“

Der Realismus als größte Stärke

Der Frankfurter Coach Armin Veh begegnete nach dem Misserfolg, den Franck Ribéry (44. Minute) und David Alaba mit einem verwandelten Strafstoß (77.) herbeigeführt hatten, Spekulationen, mehr als der Kampf um den Klassenverbleib sei denkbar, abermals mit Verve. „Es wäre töricht, wenn ich anders argumentieren würde, denn damit hätten wir eine unserer größten Stärken verloren: unseren Realismus.“

Während Veh die Dienstreise nach Bayern über das Wochenende zu einem Abstecher in die Augsburger Heimat nutzte und die Geschäfte daheim beim Mannschaftsauslaufen den Assistenten überließ, ging ausgerechnet Heribert Bruchhagen verbal in die Offensive. Der Frankfurter Vorstandsvorsitzende stand seit seinem Amtsantritt im Dezember 2003 und bis zu seinem Auftritt in der Sendung „Doppelpass“ am Sonntag nie im Verdacht, sich beim Blick für das Wünschenswerte und Machbare von äußeren Einflüssen (in die Irre) leiten zu lassen.

„In der Euphorie und der Depression macht man immer die größten Fehler“

„In der Euphorie und der Depression macht man immer die größten Fehler“ gehört als Spruch zu den Lieblingslebensweisheiten im Repertoire des 64 Jahre alten ehemaligen Gymnasiallehrers, der die Kräfteverhältnisse in der Bundesliga aufgrund der unterschiedlichen finanziellen Möglichkeiten stets als „zementiert“ ansah und der Eintracht keine Chancen einräumte, diese Missverhältnisse nach oben zu durchbrechen. Seine Verkündung am Vormittag vor den Fernsehkameras des Privatsenders Sport1 verblüffte daher ordentlich: „Unser Ziel ist es, in den nächsten zwei, drei Jahren den internationalen Wettbewerb zu erreichen. Ich bin überzeugt, dass es auch so kommt.“ Er selbst sei bereit, sich an dieser erstaunlichen Meinungsänderung messen zu lassen, sein Vertrag ist vorerst bis 2014 terminiert.

Mindestens genauso lange will Bruchhagen, dessen Klub mit einem Etat von 65 Millionen Euro zum unteren Drittel des Klassements zählt, auch den umworbenen Sebastian Rode und Veh binden - und gerade mit ihrer Hilfe das Team als gehobene Adresse in der ersten Liga einrichten. Rode, der bei Borussia Dortmund und Bayer Leverkusen auf dem Wunschzettel steht und mit seiner Tatkraft auch den Bayern Schwierigkeiten bereitete, sei bis auf weiteres unverkäuflich: „Selbst wenn am Saisonende ein ambitioniertes Angebot kommt, werden wir nicht darauf eingehen. Er wird definitiv nicht abgegeben.“ Auch Sebastian Jung bezeichnete Bruchhagen als „wichtigen Mosaikstein“ beim Aufbau einer europaweit vorzeigbaren Mannschaft, er soll genauso gehalten werden. Anders als Rode, könnte sein Spezi Jung aber von einer Ausstiegsklausel in seinem bis Sommer 2014 datierten Kontrakt Gebrauch machen. „Wir sind in guten Gesprächen“, sagte Bruchhagen mit Blick auf die momentan wichtigsten Personalfragen. Die Niederlage in München war am Sonntag für die Eintracht wirklich kein Thema mehr.

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Quelle: F.A.Z.

 
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