Sebastian Jung Innenverteidiger? Was auf den ersten Blick kurios klingt, ist so abwegig nicht. Armin Veh selbst, der Trainer der Frankfurter Eintracht, hat diese Möglichkeit ins Spiel gebracht. „Das ist eine Überlegung.“ Zu eklatant waren die Mängel, die die Hessen in der Innenverteidigung bei ihrer 0:3-Pokalniederlage in Aue offenbarten. In der Schlussviertelstunde, als das Aus im Pokal deutliche Konturen annahm, musste Jung vom rechten Außenposten in die Zentrale rücken. Der etatmäßige Stopper Vadim Demidov war mit den Kräften am Ende. Am Tag danach und mit dem Abstand von einer Nacht sagte Veh: „Ich wüsste nicht, was die Mannschaft falsch gemacht hat.“ Ihr großes Pech: Sie musste gut fünfzig Minuten mit zehn Bundesligaprofis versuchen, die spielerisch unterlegenen, aber kämpferisch hoch motivierten Zweitligakicker aus dem Erzgebirge entscheidend zu treffen. Ein Plan, der nicht aufging. Torwart Kevin Trapp, der in der 19. Minute nach seinem Elfmeter bringenden Foulspiel des Feldes verwiesen worden war, sagte am Montag kurz und knapp: „Dumm gelaufen.“ Die neue erste Kraft im Tor der Eintracht kann sich trotzdem der Rückendeckung seiner Vorgesetzten sicher sein. „Kevin hat keine Schuld“, befand Veh. Und Sportdirektor Bruno Hübner sagte, „dass wir gut ins Spiel gekommen sind und es kontrolliert haben. Aber ein solcher Rückpass darf halt nicht passieren. Nach der Roten Karte war die Partie nicht mehr zu gewinnen.“
Drei Tore, die wie Stiche ins Herz wirkten, sorgten „für einen komplett gebrauchten Tag“. Eine Formulierung, die nicht nur Alexander Meier für den Auftritt in Aue fand, sondern auch Kapitän Pirmin Schwegler. An eben diesem „gebrauchten“ Tag, den die Frankfurter Protagonisten im Pokal zuletzt in ähnlicher Form vor zwölf Jahren beim 1:6-Erstrunden-Desaster gegen die Amateure des VfB Stuttgart erlebt hatte, glaubte sich Veh phasenweise in einer anderen Sportart: „Wir haben mehr Handball als Fußball gespielt“, sagte der Einundfünfzigjährige über die vergeblichen Bemühungen seiner Mannschaft, Löcher im gegnerischen Defensivverbund zu finden. Die frühe Elfmeterentscheidung, so Veh, sei „für uns tödlich gewesen“.
Am Samstag geht es gegen Leverkusen
Kevin Trapp von Beginn an im Tor - das konnte, das musste man nach den Eindrücken der Vorbereitungsphase erwarten. Zwar bewegen sich der 38 Jahre alte Eintracht-Routinier Oka Nikolov und der 16 Jahre jüngere Trapp auf ähnlichem Niveau. „Doch jetzt geht es darum, mal den Break zu machen“, begründete Veh seine Entscheidung pro Trapp: „Kevin kann der richtige Torwart für uns werden.“ In einem Jahr, wenn die Eintracht einen neuerlichen Versuch unternehmen kann, zumindest die zweite Runde des DFB-Pokals zu erreichen, wird Trapp wegen seiner in Aue erhaltenen Roten Karte zuschauen müssen. Das Sportgericht des Verbandes sprach am Montag ein entsprechendes Urteil wegen „unsportlichen Verhaltens“. Nicht aber im Ligageschäft, das an diesem Wochenende nach der längsten Sommerpause der jüngeren Bundesligageschichte endlich den Betrieb aufnimmt.
Wenn die Eintracht am Samstag von 18.30 Uhr an gegen Bayer Leverkusen spielt, wird Trapp zwischen den Pfosten stehen. Für Nikolov bedeutet dies, das zu tun, was er in den vergangenen Jahren auch schon immer getan hat: die Ruhe zu bewahren. „Natürlich will ich immer spielen“, sagte er nach seinem unverhofften Einsatz in Aue. „Aber der Trainer entscheidet.“ Der erfahrenste Eintracht-Spieler empfahl zugleich, das Aus im Pokal nicht überzubewerten und zu schwarz zu sehen. „Solch ein Spiel darf man nicht als Grundlage nehmen. Das war halt ein typischer Pokalfight mit Roter Karte, Elfmeter und allem, was dazu gehört.“ Immerhin: Einen Vorgeschmack auf das, was in der Bundesliga kommt, dürfte Rückkehrer Eintracht bei dem Ausflug ins Erzgebirge schon gewonnen haben. Pirmin Schwegler vertrat die Ansicht, dass „Spieler, die in der zweiten Liga Duftmarken gesetzt haben, in der Bundesliga an Grenzen stoßen werden“. Namen nannte der Kapitän keine. Doch ist es offensichtlich, dass er an die Mannschaftskollegen Stefan Aigner, Takashi Inui und Olivier Occean dachte. Ein Trio, das in den jeweiligen vorherigen Klubs (1860 München, VfL Bochum und Spielvereinigung Greuther Fürth) herausragte.
Dass von der „Baustelle“ Innenverteidigung die entsprechenden Warnschilder noch nicht entfernt werden können, führte das erste Pflichtspiel vor Augen. Panik aber ist ein schlechter Ratgeber - findet Veh. Er sagte: „Ich verfalle jetzt nicht in Hektik. Und ich werde die Leute auch nicht mit Aktionismus befriedigen. Wir müssen schauen, dass wir die ersten Spiele irgendwie überstehen.“ Seine Hoffnung: Nach der Auftaktbegegnung gegen Leverkusen und der anschließenden Auswärtspartie in Hoffenheim macht die Bundesliga wegen der Weltmeisterschafts-Qualifikation Anfang September schon wieder zwei Wochen Pause. Sie soll dafür genutzt werden, um den Eingewöhnungs-Prozess der Neuen voranzutreiben - und im Idealfall zu beenden.
... und wíeder machen sie die gleichen Fehler ...
Peter Slater (Wales-Rhondda)
- 21.08.2012, 10:33 Uhr

