25.11.2003 · Eintracht-Trainer Willi Reimann hat empfohlen, nach vorn zu schauen, die Wut und den Ärger über die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters beim 0:1 in Freiburg nicht noch weiter hochzukochen. Doch die Entrüstung über die Benachteiligung der Frankfurter Mannschaft nicht nur in diesem Spiel ist noch längst nicht dem normalen Tagesgeschäft gewichen.
Von Michael EderEintracht-Trainer Willi Reimann hat empfohlen, nach vorn zu schauen, die Wut und den Ärger über die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters bei der schmerzhaften 0:1-Niederlage in Freiburg nicht noch weiter hochzukochen, sich statt dessen mit aller Kraft auf die kommende Aufgabe am Samstag gegen den VfL Wolfsburg zu konzentrieren. Doch die Entrüstung über die Benachteiligung der Frankfurter Mannschaft nicht nur in diesem Spiel ist noch längst nicht dem normalen Tagesgeschäft gewichen. Die Anhänger des Vereins laufen in den Diskussionsforen im Internet nach wie vor Sturm, Reimanns in Freiburg geäußerte Einschätzung, die Entscheidungen gegen seine Mannschaft hätten "Methode", hat im Umfeld des Frankfurter Traditionsvereins viele Anhänger gefunden.
Am Dienstag hatte die Eintracht einen Gesprächstermin unter anderem mit Hellmut Krug, der beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Abteilungsleiter für das Schiedsrichterwesen zuständig ist. Thomas Pröckl, der Finanzvorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG, und Rainer Falkenhain, der Leiter der Lizenzspielerabteilung, sprachen die Vorfälle von Freiburg an, aber auch andere strittige Schiedsrichterentscheidungen in mehreren vorausgegangenen Partien. So war der Eintracht im letzten Heimspiel gegen Tabellenführer VfB Stuttgart ebenfalls ein eindeutiger Elfmeter verwehrt worden, als - wie in Freiburg - Markus Beierle im Strafraum gefoult worden war. Weiteren Diskussionsstoff liefern die Bundesligaspiele bei 1860 München (unberechtigter Elfmeter für 1860), Leverkusen (kein Elfmeter nach Foul an Stephan Lexa) und Hertha BSC Berlin (reguläres Tor aberkannt wegen einer angeblichen Abseitsstellung von Du-Ri Cha). "In dem sehr offen geführten Gespräch wurde dem DFB die Position von Eintracht Frankfurt deutlich gemacht", sagte Pröckl. Es habe "Verständnis für die Situation der Eintracht" gegeben, beide Seiten betrachteten "die aktuellen Vorgänge nun als abgeschlossen" und hofften, "daß es im Verlauf der restlichen Saison zu keinen weiteren strittigen Entscheidungen kommen wird."
Noch vertreten Pröckl und Falkenheim die Interessen der Eintracht bei DFB und DFL. Vom kommenden Montag an wird sich die Personallage zumindest in dieser Hinsicht deutlich entspannen. Zu diesem Termin wechselt Heribert Bruchhagen von der Deutschen Fußball Liga und bezieht seinen Arbeitsplatz als Vorstandsvorsitzender der Eintracht Fußball AG.
Scharfe Kritik an den Schiedsrichtern hat unterdessen Eintracht-Anwalt Christoph Schickhardt geübt. Die Eintracht habe kein Vertrauen mehr in die Unparteiischen, erklärte er. "Der Deutsche Fußball-Bund und die Deutsche Fußball Liga schulden uns eine ordentliche Schiedsrichterleistung." Der renommierte Sportrechtler schloß sich Reimanns Freiburger Verschwörungstheorie mit den Worten an: "Man kann nicht mehr an Zufall glauben. Das ist die schlimmste Wettbewerbsverzerrung im Fußball seit Jahren - zu Lasten eines Vereins. An so etwas kann ein Verein zugrunde gehen. Dafür steht zuviel auf dem Spiel für die Eintracht, die Stadt und die ganze Region."
Das Thema Schiedsrichter wird vermutlich auch bei einer Veranstaltung im Mittelpunkt stehen, die an diesem Mittwoch Premiere hat. Unter dem Titel "Fan-PK" sind alle Anhänger von 19 Uhr an in die Sachsenhäuser Kneipe "Klapper 33" eingeladen. Dort wird Stürmer Markus Beierle den Fans eine Stunde lang Rede und Antwort stehen. Sollte die Veranstaltung angenommen werden, will die Eintracht sie mit Beginn der Rückrunde Ende Januar zu einer festen Einrichtung machen. Sie soll dann jeweils am letzten Mittwoch des Monats stattfinden. Ganz anders als die Schiedsrichter haben sich die Frankfurter Fans rund um die Vorkommnisse beim Spiel in Freiburg Bestnoten verdient. Zwar war und ist die Aufregung groß, doch das Gefühl der Ohnmacht, kraß benachteiligt worden zu sein, ist in keiner Phase in gewalttätige Aktionen umgeschlagen. Finanzvorstand Thomas Pröckl lobte die Frankfurter Anhänger dafür ausdrücklich. Für den kommenden Samstag plant der Eintracht-Anhang nun offenbar eine friedliche Demonstration im Stadion. Mit Transparenten und einer Choreographie wollen sie ihrem Zorn über die umstrittenen und nicht nachvollziehbaren Schiedsrichterentscheidungen Ausdruck verleihen. Das Thema ist noch lange nicht erledigt.
Sportlich hat sich am Dienstag bei der Eintracht nicht viel getan. Morgens Training, mittags frei, neu ist, daß Verteidiger Jean-Clotaire Tsoumou-Madza nicht mehr am Mannschaftstraining teilnimmt. Der kongolesische Nationalspieler hat sich mit einer Knieverletzung, die er seit Wochen pflegt, endgültig zur Rehabilitation abgemeldet. Auf die Frage, ob eine Operation notwendig sei, antwortete Trainer Reimann: "Dafür gibt es keinen Befund."