01.07.2011 · Ümit Korkmaz kam mit großen Hoffnungen zur Eintracht, erfüllt haben sie sich nie – für Spieler und Verein. Nach vielen Rückschlägen hofft er auf einen Neuanfang unter Trainer Veh.
Von Ralf WeitbrechtEr will es allen zeigen. Er will beweisen, dass er wie einst zu besten Zeiten bei der Europameisterschaft 2008 furios dribbeln, sprinten und schießen kann. Doch auch Ümit Korkmaz kann das Rad der Zeit nicht zurückdrehen. Schade eigentlich, denn in dem stürmischen Österreicher mit türkischen Wurzeln steckt viel Potential. Der Fußballprofi der Frankfurter Eintracht braucht es nur abzurufen, doch er schafft es (noch) nicht.
Mittwochabend, Heinrich-Graf-Sportanlage in Eschborn. Es ist die 36. Spielminute, als Eintracht-Cheftrainer Armin Veh den auf seinen Einsatz brennenden Frankfurter Fußballprofi Korkmaz in die Partie beim 1. FC Eschborn bringt. Korkmaz will von null auf hundert durchstarten. Er scheut keinen Zweikampf, er will auf den Flügeln wirbeln, er will Tore schießen. Kurzum: Der 25 Jahre alte Angreifer will all das zeigen, was ihn einst im Frühsommer 2008 für die Eintracht so interessant gemacht hat. Korkmaz will mit dem Kopf durch die Wand, doch sein Ehrgeiz bremst ihn. Kaum eine Aktion gelingt.
Als es wieder im Mittelfuß krachte, flossen Tränen.
Dabei führt Ümit Korkmaz, dieser nimmermüde Flügelflitzer, eigentlich nur Gutes im Schilde. Meist zu Späßen aufgelegt, hat er immer wieder einen kessen Spruch auf den Lippen. Vor kurzem erst, während des Trainingslagers der Eintracht in Leogang, gab er diverse Kostproben. Über seinen im Anmarsch befindlichen Landsmann Erwin Hoffer lieferte Korkmaz den Journalisten reichlich Stoff. „Panzertyp, Hinterbacken wie Jennifer Lopez, Schweine als Haustiere“ – aus Korkmaz sprudelte es nur so heraus. „Der Jimmy, das ist ein toller Typ. Mit dem werden wir viel Freude haben.“
Korkmaz selbst will auch, dass die Eintracht sich an ihm erfreut. Sportlich ist das nicht so einfach, denn immer wieder waren es Verletzungen, die den emsigen Österreicher zurückwarfen. Unvergessen die erste Trainingseinheit im Sommer 2008. Frisch im Zillertal angekommen, brach ihm, einem der Gesichter der Europameisterschaft, der Mittelfußknochen. Ein paar Monate später, am 18. Oktober, gab Korkmaz endlich sein Debüt in der deutschen Bundesliga. Dann der nächste Rückschlag: Wieder passierte es im Training, wieder krachte es im Mittelfuß. Nach einer Kollision mit Mannschaftskollege Michael Fink am 12. November flossen Tränen.
„Ich bin in ein Loch gefallen“
Während eines Ausleihgeschäfts mit dem VfL Bochum litt er zudem längere Zeit unter einer Kapselquetschung am Knöchel. Jüngstes Bulletin: Während der neun Tage von Leogang musste der ehrgeizige, um die Rückkehr in die Stammelf kämpfende Korkmaz abermals kürzertreten. Nach einem Schlag war Flüssigkeit ins Knie gekommen. „Nichts Schlimmes“, wie er betonte. „Wie man es sonst bei mir gewohnt ist.“
Keine Frage: Ümit Korkmaz hat viele Tiefschläge verarbeiten müssen. Als es bei ihm sportlich nicht nach Plan lief, brauchte er nicht lange überredet zu werden, um leihweise im Team des VfL Bochum bei seinem alten Trainer Friedhelm Funkel am Ball zu sein. Den Schritt hat er bewusst gemacht. „Wenn es einem so richtig schlechtgeht, dann spielt man auch gerne in der zweiten Liga. Hauptsache, man spielt überhaupt.“ Unter Funkels Frankfurter Nachfolger Michael Skibbe hat Korkmaz keine echte Chance mehr bekommen. „Dabei hatte ich schon vor der Saison angeboten, mich umzuschauen, aber Skibbe hat gesagt, er zähle auf mich“, sagt Korkmaz. „Und dann war ich nicht in seinem Konzept.“ Wieder ein verlorenes Jahr.
Korkmaz braucht Vertrauen und Streicheleinheiten des Trainers
„Ich bin in ein Loch gefallen“, sagt der Angreifer. „Das wurde immer tiefer, und da kam ich nicht mehr heraus.“ Im ersten Hinrundenspiel der vergangenen Abstiegssaison bei Hannover 96 verursachte er die 1:2-Niederlage. Seitdem strafte ihn Skibbe mit Missachtung. Dabei ist der österreichische Nationalspieler einer, der viel Vertrauen und Streicheleinheiten des Trainers braucht. Zeugnis seiner bisher enttäuschenden Bilanz: In zweieinhalb Frankfurter Jahren kam Korkmaz nur 37 Mal zum Einsatz – und schoss ganze drei Tore. In Bochum brachte er es auf 13 Einsätze und drei Tore. Wichtiger noch: Er kam aus dem tiefen Loch heraus.
Nun versucht Ümit Korkmaz mal wieder einen Neustart. Er fühle sich wohl bei der Eintracht, sagt er – und er weiß auch warum. „Der Trainer baut auf mich.“ Ob Armin Veh allerdings auf die Vollzeitdienste des möglichen Stammspielers setzt, hängt von Korkmaz allein ab. Veh will die zweitklassige Konkurrenz mit schnellen, flinken Leuten knacken. Eine Rolle, die Korkmaz behagt. Wenn er denn gesund bleibt – und nicht mit Karacho durch die Wand will.