24.08.2006 · Es war der Tag des Hansi Flick. Es hätte auch der Tag des Friedhelm Funkel sein können. Auch Funkel war nämlich kurz davor, Assistenztrainer der Fußball-Nationalmannschaft zu werden.
Von Ralf WeitbrechtEs war der Tag des Hansi Flick. Es hätte auch der Tag des Friedhelm Funkel sein können. Auch Funkel war nämlich kurz davor, Assistenztrainer der Fußball-Nationalmannschaft zu werden. „Mit Rudi Völler habe ich damals drei, vier Stunden lang darüber gesprochen, sollte den Job aber nur ein Dreivierteljahr machen, weil Christoph Daum als Rudis Nachfolger bereitstand.“ Gekommen ist es ganz anders. „Im Blick zurück hätte ich drei, vier Jahre Assistenztrainer sein können“, sagt Funkel. Doch statt beim Deutschen Fußball-Bund fand Funkel eine neue Herausforderung bei Hansa Rostock. Und jetzt ist er in Frankfurt. Seit zwei Jahren schon. Und wenn alles nach Plan läuft und die von ihm angeleitete Eintracht sich in der Bundesliga Stück für Stück etabliert, steht zwei weiteren, vertraglich schon vordefinierten Frankfurter Jahren nichts im Weg. „Es ist gut so, wie es gekommen ist“, sagt Funkel.
Seit längerem schon ist Funkel der mit Abstand erfahrenste Bundesligatrainer mit den meisten Bankeinsätzen, mittlerweile 328. Funkel weiß, was zu tun ist, um eine Mannschaft punktgenau für ein Wochenendspiel fit zu machen. Daß jetzt das Derby beim erstklassigen Nachbarn FSV Mainz 05 ansteht, berührt diese Mechanismen nicht. So brauchten sich seine Profis am Donnerstag vormittag nur eine Stunde lang zu bewegen. Eine halbe Stunde erwärmend, eine halbe Stunde sprintend. Funkel will nicht übertreiben, sondern dosiert Trainingsreize setzen, die am Sonntag, wenn um 17 Uhr die seit längerem ausverkaufte Partie im Bruchwegstadion angepfiffen wird, fruchten sollen. „Wie sonst üblich fahren wir auch jetzt einen Tag früher nach Mainz, um ja nicht in irgendeinen Stau zu geraten.“
Alexander Meier, der derzeit seiner Form hinterherläuft und weiter „hart an sich arbeiten muß“, wie Funkel sagt, wird ebenso selbstverständlich zur Reisecrew gehören wie Christoph Preuß. Der vielseitig einsetzbare Mittelfeldspieler, der einen Bandscheibenvorfall so gut wie überwunden hat, steht der Eintracht wieder zur Verfügung. „Noch nicht von Beginn an“, wie Funkel sagt, „aber auf jeden Fall als möglicher Einwechselspieler.“
„Der Heilungsprozeß dauert sehr, sehr lange“
Preuß drängt sich also wieder auf, Chris hingegen, der andere Bandscheibenpatient, überhaupt nicht. Der Brasilianer, der an diesem Freitag 28 Jahre alt wird, feiert fern von Frankfurt in der südamerikanischen Heimat. Überhaupt nicht zum Feiern aufgelegt sind mit Jermaine Jones und Michael Fink zwei weitere angeschlagene Kräfte, die im Normalfall erste Wahl wären. Finks Zehenbruch verheilt zwar planmäßig, doch die Genesung zieht sich zeitlich in die Länge. „Insgesamt sechs Wochen dauert das schon“, klagt Funkel. Und Jones?
Der wuchtige Kapitän, vor einiger Zeit an seiner eingesetzten Eisenplatte im Schienbein operiert, kommt irgendwie nicht richtig auf die Füße. „Der Heilungsprozeß dauert sehr, sehr lange“, sagt sein Trainer, der fast schon am Verzweifeln ist. „Ich wage gar keine Prognose mehr. Eigentlich hatte ich nach dem Mainz-Spiel auf ihn gehofft, denn bislang hat er nach Operationen immer länger gebraucht, um zurückzukommen.“ Das hört sich nicht gerade optimistisch an, und Funkel klingt auch sehr verhalten, wenn er sagt, „daß Jones eventuell in der nächsten Woche mit leichtem Laufen beginnen kann“. Und falls nicht? „Wenn seine Schmerzen wieder zurückkommen sollten, dann haben wir, glaube ich, ein Problem.“
Auch die Mainzer könnten für die Eintracht ein Problem werden, „denn sie haben eine laufbereite Mannschaft“, sagt Funkel. „Wir aber auch.“ Der Mann weiß, wovon er spricht. Beinahe wäre er ja Assistenztrainer der Nationalmannschaft geworden.