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Eintracht Frankfurt Ende einer Episode

 ·  Andreas Möller verläßt die Fußballbühne "als Freund der Eintracht"/Von Ralf Weitbrecht

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Die abschließenden Wortwechsel hinter verschlossenen Türen dauern genau zwanzig Minuten. Heribert Bruchhagen, Thomas Pröckl und Heiko Beeck, die drei Vorstandsherren der Eintracht Frankfurt Fußball AG, starten einen finalen Versuch, Andreas Möller doch noch zur Umkehr zu bewegen. Doch alles Werben ist vergebens. Der 36 Jahre alte Fußballprofi läßt sich nicht umstimmen. Um 9.35 Uhr an diesem unfreundlichen Dienstagmorgen wird Möller zum weiteren Warten ein Stockwerk höher in die Geschäftsstelle gebeten. Willi Reimann, Möllers letzter Trainer, bleibt gemeinsam mit seinen drei Vorgesetzten im Vorstandszimmer von Bruchhagen zurück. Es ist eine unwirtliche Szenerie, die sich den Betrachtern bei Möllers unweigerlich letztem Tag in Diensten der Frankfurter Eintracht bietet. Ähnlich wie schon bei Möllers Präsentation Ende August des vergangenen Jahres sind es mehr als dreißig Reporter, die am frühen Morgen den Weg in die "Licher Lounge" gefunden haben, dem Sitz der Eintracht-AG in der Baustelle Waldstadion. Möller bleibt länger als eine Stunde allein, um 10.47 Uhr öffnet sich die Vorstandstür.

Elf Minuten später treten Möller und Bruchhagen vor die Presse, um das offiziell zu verkünden, was sich seit dem Vortag als unumstößlich angedeutet hatte: das Ende der Episode Möller bei der Eintracht. Natürlich hätte auch Reimann vorne auf dem Podium Platz nehmen müssen, doch der Trainer zieht es lieber vor zu gehen. Kurze Zeit später wird die Meldung verbreitet, daß der Eintracht-Coach, der die morgendliche Übungseinheit seinem Assistenten Jan Kocian übergab, das Nachmittagstraining kurzfristig gestrichen hat. "Aufgrund der guten sportlichen Ergebnisse und des intensiven Trainings der letzten Tage", heißt es offiziell, haben seine Profis frei bekommen. "Die Mannschaft soll in Ruhe Kraft für die kommende schwere Aufgabe in Kaiserslautern tanken." Nächster Trainingstag ist Donnerstag.

Für Andreas Möller ist der Dienstag der letzte Tag, an dem er als Angestellter der Frankfurter Eintracht am Waldstadion ist. Um 11.17 Uhr verläßt er als unabhängiger, mit sich selbst im reinen befindlicher Mann die Sportstätte, an der er zum Ende seiner unvergleichlichen Karriere nie richtig glücklich geworden ist. Doch wie schon bei seiner Präsentation vor ziemlich genau einem halben Jahr zeigt der "Frankfurter Bub" aus Sossenheim, mittlerweile in Bad Homburg heimisch geworden, auch jetzt Größe, stellt seine Person für die Sache Eintracht Frankfurt in den Hintergrund. "Ich möchte nicht als Belastung im Weg stehen", sagt der zweifache Familienvater. "Ich gehe als Freund der Eintracht." Die Privatfehde zwischen seinem Freund und Berater Klaus Gerster sowie Trainer Reimann erwähnte er mit keiner Silbe. Statt dessen macht er deutlich, "daß das Thema Woche für Woche doch nicht sein kann, was Andreas Möller macht. Das ist nicht im Sinne der Eintracht. Ich bin von meiner Entscheidung, den Vertrag aufzulösen, überzeugt."

Kein Zweifel: Als Möller bei seiner Rückkehr nach Frankfurt zum zweiten Mal den Dienst bei der Eintracht antrat, "wollte ich der Unterstützer und Helfer sein". Doch richtig helfen ließen sie ihn nicht. Aus Möller und Reimann sind nie Freunde geworden, zuletzt hatte Reimann sogar die Chuzpe besessen, den Weltmeister für lächerliche sechzig Sekunden einzusetzen und damit zu erniedrigen.

Schluß, aus, vorbei. Weitere Einsätze von Möller im Trikot mit dem Adler auf der Brust wird es nicht mehr geben. "Ich werde definitiv mit dem Fußball aufhören", sagt der in 85 Länderspielen erprobte Profi bei seiner letzten großen Bühne. "Ich habe immer versucht, mich professionell und loyal zu verhalten. In der Mannschaft habe ich einige Freunde gefunden. Für die tut es mir leid." Und dann kommt er, der Kernsatz in Möllers Abschiedsrede: "Bruchhagen und der Vorstand wollten das Ruder noch einmal rumreißen." Von Reimann, dem Trainer, erwähnt Möller bei dieser Aktion nichts.

429 Bundesligaspiele, 110 Tore, deutscher Meister, Europameister, Weltmeister, Ligapokalsieger, DFB-Pokalsieger, UEFA-Pokalsieger, Champions-League-Sieger, Weltpokalsieger - es gibt wirklich keine Trophäe im internationalen Fußball, die Möller nicht gewonnen hat. Ein Mann mit derartigen Erfolgen und Erfahrungen quittiert nun den Dienst. "Es hätte nichts gebracht, wenn wir es noch einmal versucht hätten", sagt Möller über die ehrenwerte Versuche der drei Vorstandsmitglieder, seinen am Montag gefaßten Entschluß doch noch zurückzunehmen. Sogar ein letztes Mal geschmeichelt fühlen darf sich Möller von dem Führungstrio, "denn die Vorstände haben mir gesagt, daß sie noch einmal auf meine Leistung setzen".

Den sogenannten Turbo, den man Möller nachgesagt hat, wird der Fußballprofi im Ruhestand nun nicht mehr zünden. Er wird sich familiären Dingen zuwenden, sich joggend im Bad Homburger Kurpark fit halten und mit einigem Abstand vielleicht sogar im Waldstadion bei der Eintracht, bei seiner Eintracht, vorbeischauen. Voller Gewißheit sagt er nun nicht nur servus, sondern auch dies: "Ich bin vom Klassenerhalt der Eintracht fest überzeugt."

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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