01.11.2005 · Die Amateurmannschaft der Frankfurter Eintracht steht in der Oberliga Hessen am Rande der Abstiegszone. Und dies, obwohl die Mannschaft wie schon in fast allen Spielen zuvor auf ein halbes Dutzend Spieler aus der Profimannschaft zurückgreifen konnte. Trainer Lippert steht da in der Kritik, als möglicher Nachfolger wird Weltmeister Andreas Möller gehandelt.
Von Josef SchmidtSeit 1996 arbeitet Bernhard Lippert bei der Frankfurter Eintracht, einst unter Horst Ehrmantraut und Jörg Berger als Assistenztrainer bei der Bundesligamannschaft, seit vielen Jahren als alleinverantwortlicher Trainer bei den Oberliga-Amateuren. Zum Ende der Saison wird der Vertrag des 43 alten Lippert auslaufen, eine abermalige Verlängerung ist eher unwahrscheinlich. Lippert muß sogar fürchten, seinen Job schon vorher zu verlieren. Die Amateurmannschaft, seit Beginn dieser Saison als "U 23" am Start, steht in der Oberliga Hessen am Rande der Abstiegszone, unterlag erst am Wochenende dem OSC Vellmar auf eigenem Platz mit 1:2. Und dies, obwohl die Mannschaft wie schon in fast allen Spielen zuvor auf ein halbes Dutzend Spieler aus der Profimannschaft zurückgreifen konnte.
Als möglicher Nachfolger von Bernhard Lippert wird immer wieder der Name von Andreas Möller genannt. Der 37 Jahre alte Welt- und Europameister hat zu Beginn des Jahres an der Sporthochschule in Köln die Prüfung zur Fußball-Lehrer-Lizenz erfolgreich abgelegt und ist ganz offenbar bereit, eine Aufgabe bei der Eintracht zu übernehmen. Andreas Möller hatte seine aktive Karriere im Frühjahr 2004 nach einem Dauerstreit mit dem damaligen Eintracht-Trainer Willi Reimann beendet.
Vizepräsident Klaus Lötzbeier bestätigte, daß bereits im Frühjahr und im Juni mit Möller Sondierungsgespräche stattgefunden haben. "Wir haben ziemlich konkrete Gespräche geführt", sagt Lötzbeier. "Dabei haben wir gegenseitiges Interesse bekundet." Einen Bezug zur aktuell angespannten Situation möchte Lötzbeier allerdings nicht herstellen. Es bleibe dabei, "daß wir mit den drei Trainern, deren Verträge zum Ende der Saison auslaufen, im Januar sprechen werden". Neben Bernhard Lippert enden auch bei U 19-Trainer Claus Schäfer und U 17-Trainer Michael de Kort die Arbeitsverhältnisse im Juni kommenden Jahres. Lötzbeier, auch Leiter des Leistungszentrums, könnte sich Andreas Möller sowohl bei den Amateuren als auch im Jugendbereich als Trainer vorstellen. Möllers Vorstellungen von Talentförderung seien "hochqualifiziert".
Klaus Lötzbeier geht davon aus, daß ein Trainerwechsel während der laufenden Vorrunde nicht nötig sein wird. "Die Mannschaft ist stark genug, um sich ins Mittelfeld vorzuarbeiten", sagte der Eintracht-Vizepräsident. Von dieser Hoffnung sind die Verantwortlichen am Riederwald aber schon seit einigen Wochen beseelt, ohne daß eine dauerhafte Besserung festzustellen gewesen wäre. Von 15 Begegnungen hat die Eintracht gerade vier gewonnen, vom Abstiegsplatz trennt sie alleine noch die bessere Tordifferenz. Präsident Peter Fischer hat indes schon mal angekündigt, "daß ich mich bald mit Andreas Möller beim Kaffee treffe". Ein Spieler vom Renommee Möllers müsse in die Arbeit bei der Eintracht eingebunden werden, "wenn es irgendwie möglich ist". Der Zeitpunkt sei, so der Präsident, natürlich auch abhängig vom sportlichen Verlauf der Saison. Bei der Eintracht geht die Angst um, daß der Unterbau bei einem Abstieg aus der Oberliga total zusammenbrechen könnte. "Wir dürfen keinesfalls dauerhaft gegen den Abstieg spielen", lautet denn auch die deutliche Forderung des Präsidenten an Mannschaft und Trainer. Bernhard Lippert steht also in seiner vermutlich letzten Saison bei der Eintracht mächtig unter Druck. Schon eine weitere Niederlage an diesem Samstag beim Oberliga-Aufsteiger SG Bruchköbel könnte eine zuviel sein.
Bei der Fußball-AG, also im Profibereich, versucht man mit der Personalie Möller gelassen umzugehen. Dies sei alleine Sache des Vereins, sagt Cheftrainer Friedhelm Funkel, weist aber immerhin darauf hin, "daß Andreas Möller als Fußballer ein absoluter Star war, sich als Trainer aber seine Lorbeeren erst verdienen muß". Die Zusammenarbeit zwischen Cheftrainer und Amateurtrainer sei zudem auch nicht so eng, wie es in der Öffentlichkeit vermutet würde. Meist beschränke sich der Kontakt auf Telefongespräche vor und nach den Spielen. "Ich rufe Bernhard Lippert an und sage ihm, welche Spieler von uns er einsetzen kann", sagt Funkel. Nach dem Spiel würde Lippert eine kurze Beurteilung per Telefon abgeben. Diese Art der Zusammenarbeit wäre mit einem anderen Trainer nicht anders, sagt Funkel. Zu einer möglichen Verpflichtung von Andreas Möller als U 23-Trainer habe er zwar eine Meinung, betont Funkel, "aber die äußere ich in der Öffentlichkeit nicht".