04.11.2005 · Ausnahmsweise gibt es einmal Positives über das Frankfurter Stadiondach zu melden: Es bleibt beim Bundesligaspiel am Samstag gegen Arminia Bielefeld überraschend zu. Dafür bedurfte es einer Sondergenehmigung.
Von Ralf WeitbrechtDer äußere Rahmen stimmt. Der große Wunsch der Frankfurter Eintracht, gut bedacht gegen Arminia Bielefeld (FAZ.NET-Liveticker) spielen zu können, ist in Erfüllung gegangen. Das entscheidende Treffen der verantwortlichen Delegationen von Eintracht Frankfurt Fußball AG, Betreibergesellschaft HSG und Vermarkter Sportfive am Freitag morgen um zehn Uhr hat also den allseits erhofften Ausgang genommen, verbunden mit der Kernbotschaft: Das Dach wird dicht gemacht.
Als einer der maßgeblichen Motoren dieser Entscheidung gilt Achim Vandreike. Der Frankfurter Bürgermeister und Sportdezernent, im Ehrenamt Aufsichtsratsmitglied der Eintracht AG, hat sich mit Nachdruck dafür eingesetzt, daß die zwanzig Millionen Euro teure Dachkonstruktion geschlossen werden darf. Also innerhalb der ursprünglich nichtgenehmigten Zeit vom 1. November bis 1. April. Wie berichtet gibt es für diesen Zeitraum keine Betriebserlaubnis, den Dachmechanismus in Gang setzen zu dürfen.
Es wird keinen Schnee geben
Was wie ein Schildbürgerstreich anmutet: Für eventuell auftretende Schneelasten ist das Dach nicht ausgelegt. Diese von Fans und Bürgern gleichermaßen kaum nachvollziehbare Verordnung ist nun gekippt. Auf Zeit allerdings, denn für die nächste Heimpartie der Eintracht gegen den VfB Stuttgart am 27. November muß gleichfalls eine Sondergenehmigung beantragt werden. Daß das Spiel gegen Bielefeld ohne Schneefälle über die Bühne gehen wird, hat sich die Eintracht schriftlich zusichern lassen. Eine entsprechende Prognose des Deutschen Wetterdienstes jedenfalls schließt einen plötzlichen Wintereinbruch kategorisch aus. Wer sich als meteorologischer Laie das aktuelle Wetter in Frankfurt anschaut, kommt genau zu ebendieser Erkenntnis.
Fußball unter Dach - das ist genau das, was sich Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel für die heikle Partie gegen die mit fünf Punkten mehr ausgestattete Bielefelder Arminia gewünscht hat. "Die Bürokratie Bürokratie sein lassen", hatte er am Donnerstag gesagt. Sportfreund Vandreike, der vermutlich größte Fan des von ihm titulierten "größten Cabrios der Welt", ist erleichtert, daß das Dach Dach sein und geschlossen werden darf. "Von den Behörden gibt es keine Einwände", heißt es aus dem Römer.
Schutzwand aus Glas wird kommen
Dichtere, intensivere Atmosphäre: Das ist es, was sich die Eintracht von der mehr oder weniger geschlossenen WM-Arena verspricht. Mehr noch: Die immer wieder vorgebrachten Einwände gegen den oberen Stadionabschluß, der bei Regenfällen und ungünstigen Windverhältnissen stets für nasse Fans in den darunterliegenden zehn bis fünfzehn Reihen sorgt, scheint endlich Gehör gefunden zu haben. Danach soll die gesamte Arena noch vor Beginn der Weltmeisterschaft mit einer Schutzwand aus Glas oder einem anderen durchsichtigen Material bestückt werden. Angestrebt wird eine Wandhöhe von mindestens 2,50 Meter. Die Feuerwehr muß noch zustimmen, denn im Falle eines Brandes müsse der Rauch auch bei geschlossenem Dach abziehen können. Daß die Wand, die es beispielsweise in der Hannoveraner AWD-Arena von Beginn an gibt, kommen wird, ist mehr als überfällig. Wer sich derzeit nämlich in luftigen Frankfurter Stadionregionen aufhält, wird von den vielen Ordnern höflich, aber bestimmt darauf hingewiesen, wegen möglicher Sturzgefahr schnell wegzugehen.
Einen Absturz auf einen der drei Abstiegsränge will die Eintracht auf jeden Fall verhindern. Deshalb hat Trainer Funkel am Freitag nachmittag seine Mannschaft auch noch einmal intensiv laufen und spielen lassen. Erkenntnis dieser abschließenden Übungen: Der zuletzt angeschlagene Schweizer Benjamin Huggel steht zur Verfügung und dürfte gegen die Arminia ebenso von Beginn an zum Einsatz kommen wie Rückkehrer Benjamin Köhler. Der Dribbler von der linken Seite mußte in der vergangenen Spielen aus rein taktischen Erwägungen heraus pausieren, soll aber nun wieder für nötigen Druck in der Frankfurter Offensivabteilung sorgen. Weil die Ostwestfalen zuletzt gegen Hertha BSC Berlin und Hannover 96 "deutlich gewonnen" haben, wie Funkel anerkennend sagt, "müssen wir höllisch aufpassen".
Gut 30.000 Zuschauer erwartet die Eintracht für das Duell mit der Arminia, auf das sich Vorstandschef Heribert Bruchhagen besonders freut. Von Oktober 1998 bis Juni 2001 ist der Ostwestfale bei der Arminia Manager gewesen. Um die Bedeutung der Partie gegen die alten Kameraden macht er kein Geheimnis. "Es ist wieder eines der Königsspiele gegen einen Mitbewerber um den Klassenerhalt." Eines, das die Eintracht gut beschirmt unter Dach und Fach bringen will.
Heuchelei
H.R. Jakob (mcjakob)
- 05.11.2005, 13:36 Uhr