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DFB-Pokalfinale Acht Pokalendspiele und ein Blackout

 ·  Tina Wunderlich, Fußballspielerin beim 1. FFC Frankfurt, hält den Pokalrekord. Bei acht Endspielen hat sie durchgespielt. Am Samstag folgt Spiel Nummer neun: das DFB-Pokalfinale des FFC Frankfurt gegen den FCR Duisburg.

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720 Minuten. So lange dauert ein halber Tag – das ist keine Ewigkeit. Für Tina Wunderlich müssten 720 Minuten trotzdem zu einem Eintrag ins Guinnessbuch der Rekorde reichen. Denn welcher Fußballprofi auf der Welt kann schon von sich behaupten, achtmal neunzig Minuten in einem Pokalendspiel gestanden zu haben? Und zwar vom Anfang bis zum Ende, ohne eine einzige Auswechslung.

1999 begann für den 1. FFC Frankfurt eine Serie sondergleichen: Achtmal in Folge erreichten die Fußballfrauen das DFB-Pokalfinale, Tina Wunderlich war stets mit dabei. Und natürlich auch an diesem Samstag, wenn die Frankfurterinnen im Berliner Olympiastadion gegen den FCR Duisburg zum neunten Mal nach dem Pokal greifen (16.45 Uhr).

„Abwehrspielerinnen stehen selten im Rampenlicht“

Am Samstagabend sind dann womöglich 810 Minuten reine Pokalendspielzeit für Wunderlich zusammengekommen. Und falls der FFC gewinnt, ist es der sechste Sieg für sie und den Verein. „Natürlich weiß ich, dass ich zum neunten Mal das Pokalfinale spiele, aber dass ich nie ausgewechselt wurde, habe ich neulich erst begriffen“, sagt die 28 Jahre alte Frankfurterin.

Die Verteidigerin verrichtet ihre Arbeit auf dem Platz eher unspektakulär. „Abwehrspielerinnen“, meint Wunderlich, „stehen eben selten im Rampenlicht. Es sei denn, man kratzt in der neunzigsten Minute den Ball von der Linie.“ Das stimmt natürlich nicht ganz – ihre kongeniale Defensivkollegin Steffi Jones beispielsweise gehört zu den bekanntesten Gesichtern im Frauenfußball. „Aber Steffi macht das sehr gerne, und sie macht das auch gut“, sagt Wunderlich. „Ich selbst halte mich da gerne zurück.“

Manchmal ist das freilich leichter gesagt als getan. Wie vor sieben Jahren bei den Olympischen Spielen in Sydney, als sie nach der unglücklichsten Aktion ihrer Karriere unfreiwillig ins internationale Rampenlicht gezerrt wurde. Im Halbfinale gegen Norwegen probierte Tina Wunderlich eine gegnerische Flanke aus dem Strafraum zu köpfen, aber der Ball landete im eigenen Tor. Und das kurz vor dem Abpfiff.

Ein schwarzer Tag und viele gute Jahre

Durch die 0:1-Niederlage schied Deutschland aus, der Traum vom Olympiagold war geplatzt. Dass in dem Moment auch Torhüterin Silke Rottenberg gepatzt hatte, dass andere Mitspielerinnen die Gelegenheit zum Ausgleich vergaben; das alles zählt heute nicht mehr. Ob gerecht oder ungerecht: Der Name Tina Wunderlich bleibt damit verbunden. „Das war die schwierigste Situation in meiner Karriere und hat mich auch geprägt“, sagt sie, „aber heute denke ich kaum noch darüber nach.“ Nach 2000 hat Wunderlich in der Nationalmannschaft nie mehr richtig Fuß gefasst. Ein Jahr später schied sie aus der deutschen Elf aus.

Dennoch: Ein schwarzer Tag und viele gute Jahre sind wohl nicht die schlechteste vorläufige Bilanz einer Fußballkarriere. Vorläufig, weil Tina Wunderlich noch lange nicht vorhat, den Sport aufzugeben. Anders als ihre Schwester und Vereinskollegin Pia, die die größere internationale Karriere vorzuweisen hat, ist Tina Wunderlich von Verletzungen meist verschont geblieben. Beruflich hat sie in einer „Achtzig-Prozent-Stelle“ in der Personalabteilung der Fraport AG Fuß gefasst. „Dort sehe ich auch meine berufliche Zukunft. Aber solange sich Arbeit und Sport vereinbaren lassen, mache ich weiter“, sagt sie.

Und zwar an diesem Samstag im Berliner Olympiastadion gegen den FCR. Am besten, sagt sie, natürlich mit einem Sieg. Einen „kleinen Vorteil“ für den FFC hat sie schon ausgemacht: „Duisburg hat viele junge Spielerinnen, die müssen sich auf dem Platz im Olympiastadion erst einmal zurechtfinden.“ Im Sport soll man sich ja mit Prognosen zurückhalten. Aber diese Orientierungsprobleme wird Tina Wunderlich sicher nicht haben.

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