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Veröffentlicht: 18.05.2017, 13:02 Uhr

Wegen Streits um Rennbahn Substantielle Angebote für DFB-Akademie

Mit der geplanten DFB-Akademie auf dem Gelände der Frankfurter Rennbahn geht es wegen Rechtsstreitigkeiten nicht vorwärts. Der Deutsche Fußball-Bund erörtert nun eine Liste mit Alternativstandorten.

© Rainer Wohlfahrt Eine Option für den DFB: Alte Ray Barracks in Friedberg

Nachdem der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Anfang April angekündigt hatte, seine geplante Zentrale mit Leistungszentrum wenn nicht in Frankfurt, dann an einem anderen Standort im Rhein-Main-Gebiet realisieren zu wollen, kann sich der Verband vor Angeboten aus dem Frankfurter Umland kaum retten. Mehr als ein Dutzend Städte und Gemeinden haben eine Bewerbung an die Otto-Fleck-Schneise geschickt; der Andrang sei groß, heißt es. Vor allem zwei Flächen in Friedberg und Bad Vilbel gelten unter Experten als aussichtsreich.

In jedem Fall wird dem Lenkungskreis des DFB bei seiner Sitzung am Donnerstag eine Liste mit zehn bis zwölf potentiellen Flächen in der Region vorgelegt. Am Freitag soll sich dann auch das Präsidium auf seiner Sitzung mit einem „Plan B“ beschäftigen.

Plan A ist das Areal der Frankfurter Rennbahn. Am 2. Juni könnte es zu einer Entscheidung des Oberlandesgerichts im langwierigen Streit zwischen Stadt und dem Renn-Klub kommen. Sollte der Klub mit seiner Klage auf Fortbestand des Rennbetriebs durchdringen, wäre das DFB-

Eine Frage der Zeit

Projekt in Frankfurt faktisch gescheitert. Sollte eine Revision vor dem Bundesgerichtshof zulässig sein, könnte auch das dem DFB zu lange dauern, so dass er vom Vertrag mit der Stadt Frankfurt zurückträte.

Der DFB wollte eigentlich im Mai 2019 den Betrieb seiner Akademie aufnehmen. Durch die Prozesse um die Frankfurter Fläche ist der Termin intern schon auf Mai 2020 hinausgeschoben worden. Doch länger will und kann der DFB mit seinen 300 Mitarbeitern in Frankfurt nicht warten. Um den Termin Sommer 2020 halten zu können, müsste der DFB im nächsten Frühjahr mit dem Bau beginnen.

Die Vorgaben des DFB für einen Alternativstandort klingen einfach: Das Grundstück muss vom Frankfurter Flughafen aus gut erreichbar und mindestens 15 Hektar groß sein. Das ist in einem dichtbebauten Ballungsraum, wo Flächen rar sind, ein sehr großes Areal, das in keiner Kommune einfach brach liegt – und so bietet die eine oder andere Stadt und Gemeinde dem DFB gut gelegene, aber noch in keiner Weise erschlossene Ackerflächen an.

DFB statt Designer-Outlet-Center?

Zu diesen Städten zählt Seligenstadt. Seine Stadt habe großes Interesse, teilt Bürgermeister Daniell Bastian (FDP) auf Anfrage mit. Eine fertig erschlossene Fläche von 15 bis 20 Hektar könne Seligenstadt nicht anbieten. Bastian verweist aber auf die Felder an der Dudenhöfer Straße, direkt neben der Abfahrt Seligenstadt der A 3, die schon 2007 als Standort für ein Designer-Outlet-Center im Gespräch waren. Das Vorhaben wurde damals nicht verwirklicht, und auch dieses Mal sei diese Fläche nur „eine erste Idee“, sagt Bastian. Sie könne planungsrechtlich „nicht innerhalb weniger Monate“ zur Verfügung stehen.

Nach Ansicht von Fachleuten können bei der Umwidmung einer Ackerfläche zu einem Baugebiet zwei Jahre vergehen, ehe ein rechtskräftiger Bebauungsplan vorliegt. Für die Erschließung sei mindestens ein Dreivierteljahr zu veranschlagen, und dann beginne erst die Bauzeit im engeren Sinne.

Damit kommen eigentlich nur zwei Alternativstandorte in Betracht: Zum einen eine Ackerfläche auf Bad Vilbeler Gemarkung zwischen dem Bad Vilbeler Stadtteil Massenheim und dem Frankfurter Stadtteil Harheim. Das Areal ist noch nicht erschlossen, aber weil dort in den neunziger Jahren die „Kurgolfanlage Römerbrunnen“ entstehen sollte, gibt es einen rechtskräftigen Bebauungsplan, der auf 86 Hektar Grün- und Sportflächen vorsieht. Regionalplaner gehen davon aus, dass die Fläche, die unmittelbar an der Bundesstraße 3 liegt, relativ zügig entwickelt und bebaut werden könnte.

Ebenso attraktiv dürfte das Angebot des Friedberger Bürgermeisters Michael Keller (SPD) sein, der dem DFB das 74 Hektar große Kasernengelände der ehemaligen Ray Barracks im Süden der Stadt angeboten hat. Bürgermeister Keller verweist allerdings lieber auf die Vorzüge des Geländes, das über einen Bahnanschluss verfügt und es Reisenden ermöglicht, mit einmal Umsteigen in knapp einer halben Stunde am Frankfurter Hauptbahnhof zu sein. Außerdem seien Anschlüsse für Wasser, Abwasser und Strom vorhanden. „Wir bieten praktisch ein Rohbau-Gelände an“, sagt Keller und spricht von einem integrierten Standort.

Neu-Isenburg, das kein 15-Hektar-Areal zur Verfügung hat, bietet nach den Worten von Bürgermeister Herbert Hunkel (parteilos) die Aufnahme einzelner Verbände an, um an der Otto-Fleck-Schneise in Frankfurt Platz für die Akademie zu schaffen. Andernorts wundert man sich über solche Offerten. „Wir machen nur das, was Geld bringt“, sagt zum Beispiel Raunheims Bürgermeister Thomas Jühe (SPD), der bei der Flächenvermarktung mit seinen Nachbarn Rüsselsheim und Kelsterbach zusammenarbeitet. Natürlich gebe es noch das alte Ticona-Gelände direkt an der A3, aber der DFB wolle sicherlich auch „nicht in 40 Meter Höhe überflogen werden“.

Die politischen Vertreter der Stadt Frankfurt geben sich zumindest nach außen hin optimistisch, dass die juristischen Auseinandersetzungen rechtzeitig abgeschlossen werden können, um den DFB doch zum Verbleib in Frankfurt zu bewegen. Die Fläche in Sachsenhausen liege schließlich konkurrenzlos günstig zum Frankfurter Flughafen, während die Areale in Bad Vilbel und Friedberg nur über stauträchtige Autobahnstrecken zu erreichen seien.

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