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Darmstadt 98 Die „Lilien“ suchen eine neue Mannschaft

21.06.2007 ·  Eigentlich hatte Gerhard Kleppinger davon geträumt, im Anschluss an die vorige Saison ein paar Tage auszuspannen. Doch das ist nicht drin: Der Trainer von Darmstadt 98 muss eine neue Elf formieren. Zumal auch Leistungsträger Alberto Mendez weg ist.

Von Steffen Gerth
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Eigentlich hatte Gerhard Kleppinger davon geträumt, im Anschluss an die vorige Saison ein paar Tage auszuspannen – und die kommenden Aufgaben in aller Ruhe anzugehen. Offenbar ist der Trainer des SV Darmstadt 98 von diesem Wunsch weit entfernt. Nach dem Abstieg der „Lilien“ in die Fußball-Oberliga Hessen muss Kleppinger eine neue Mannschaft zusammenbasteln, und dabei „haben wir das Problem, Leute zu bekommen“. Dieser Tage hat sich der deutsch-brasilianische Torjäger Fabio Eidelwein (zuvor beim Oberligaklub SC Waldgirmes) den Darmstädtern angeschlossen. Aus nur elf Spielern besteht derzeit der Darmstädter Kader.

Das Team, das aus der Regionalliga Süd abgestiegen ist, hat sich faktisch aufgelöst. Mit einem Kader von 18 Feldspielern wollen die „Lilien“ in die Oberligasaison starten, vierzehn bis sechzehn Neuverpflichtungen sind dazu nötig, „den Rest füllen wir mit Spielern aus unserer U 23 auf“, sagt Kleppinger, der noch immer hofft, dass Torwart Bastian Becker weiter am Böllenfalltor bleibt und nicht zum Regionalligaaufsteiger FSV Ludwigshafen-Oggersheim wechselt.

Finanzen sind angegriffen

Jeder, der bleibt, ist ein Gewinn für Darmstadt, denn Kleppinger hat festgestellt, „dass es mittlerweile schwer für uns ist, selbst Spieler aus Klein-Karben zu bekommen“. Was bedeutet, dass der südhessische Traditionsverein nicht einmal mehr in der Oberliga eine erste Adresse für Spieler ist. Die Finanzlage ist prekär (der Etat soll 600.000 Euro betragen), zudem weiß derzeit niemand, wie und von wem der Verein künftig geführt wird. Am 20. August ist Mitgliederversammlung, und dabei muss ein neues Präsidium gewählt werden. Präsident Karl-Heinz Wandrey ist bereits zurückgetreten, bei der Versammlung stellen auch sein Vizepräsident Karlheinz Hahn sowie Schatzmeisterin Christina Haerle-Petit ihre Ämter zur Verfügung. Aber für wen?

Zwei Monate vor dieser Versammlung sind diese Personalien unklar. Eine Option für einen personellen Wechsel in der Vereinsführung ist weiterhin der ehemalige „Lilien“-Torwart Dieter Rudolf. Trotzdem stehe er in Gesprächen mit vielen Personen (auch möglichen Sponsoren), die ihn bedrängen würden, sich für den Verein zu engagieren. Noch vor einigen Tagen klang Rudolf etwas kraftvoller, seine neue Zurückhaltung begründet er mit den Erinnerungen an seine Präsidentschaftskandidatur aus dem Jahr 2003, die der Verein auf vielen Ebenen und letztlich erfolgreich abgeblockt hatte. Rudolf, der vor einigen Jahren einen Sitz im Verwaltungsrat der „Lilien“ innehatte, war und ist eine Reizfigur im Verein.

Alternativen zu Rudolf als Präsident werden über die üblichen informellen Kanäle diskutiert. Neuerdings fallen Namen wie Horst Blechschmidt (Vorstandsvorsitzender des Energie- und Verkehrsunternehmens Heag) und sogar Flavio Battisti (Betriebsratsvorsitzender beim Chemieunternehmen Merck und sogenannter Attaché der Fußball-Nationalmannschaft bei Weltmeisterschaften). Ein hervorragender Kandidat für den Job als Vizepräsident Marketing ist auf jeden Fall der frühere Spieler Martin Kowalewski, der bereits vor Jahren am Böllenfalltor als Marketingmanager angestellt war und mittlerweile als Frankfurter Vertriebsleiter des Vermarkters Sportfive arbeitet. Rudolf sagt, dass jeder, der sich für den Verein auch mit Geld engagieren will, wissen muss, mit welchen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen er es zu tun bekommt. „Sonst kann er auch ins Spielkasino gehen.“

Leistungsträger Mendez geht nach Sandhausen

Ein starkes Interesse an der Zukunft der „Lilien“ hat auch der Darmstädter Oberbürgermeister Walter Hoffmann, der sich deswegen seit Wochen intensiv mit dem Verein beschäftigt. Der erste Mann der Stadt wolle keine personelle Empfehlung aussprechen, ihm gehe es nach wie vor um eine Bestandsaufnahme, sagt sein Sprecher Frank Horneff.

Hoffmann wird wissen wollen, welche Altlasten den Verein drücken, personeller wie wirtschaftlicher Art. Jürgen Müller, aktuelles Präsidiumsmitglied der „Lilien“, sei immerhin „sehr bemüht“, bei der Aufklärung mitzuwirken, betont Horneff. Dass Müllers Einsatz aber noch zu wenig ist, um sich ein genaues Bild über die Lage des wichtigsten Vereins der Stadt zu machen, lässt sich auch aus den besorgniserregenden Worten des Sprechers schließen. „Es gibt einiges zu tun.“

Am Mittwoch übrigens hat sich auch der neben Kapitän Leitl beste Darmstädter Spieler der vergangenen Saison verabschiedet. Alberto Mendez wechselt nach Sandhausen.

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