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Comeback von Sportlern Wiederkehr der Gewesenen

01.12.2006 ·  „Voriges Wochenende hat sich Boxer Axel Schulz erheblich blamiert mit seinem Comeback. Wozu sind solche Rückkehraktionen alter Sportler eigentlich gut?“Fragen wie diese beantwortet die Frankfurter Sportberatung.

Von Steffen Gerth
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„Voriges Wochenende hat sich Boxer Axel Schulz erheblich blamiert mit seinem Comeback. Wozu sind solche Rückkehraktionen alter Sportler eigentlich gut?“

Was für eine Frage! Solche Revitalisierungen haben gesamtgesellschaftliche Dimensionen. Erstens sind die Auftritte dieser verhaltensauffälligen Personen Arbeitsgrundlage von Privatsendern. Hier finden spätere Friseusen Chancen, für ein halbes Jahr Popstar spielen zu dürfen. Oder Kai Ebel spielt den Motorsportreporter. Also spielt Axel Schulz den Boxer Axel Schulz.

Mal was anderes, als immer nur für Grillkohle Werbung zu machen. Rein in den Ring, Fäuste hoch - den Rest erledigt der Gegner. „Mitten in die Fresse rein“, sangen einmal „Die Ärzte“. Zweitens braucht es Männer wie Schulz, damit sich der Samstagabend auf der Couch wieder lohnt. „Wetten, daß . . .?“, die große Show des kleinen Mannes, ist nicht immer der Bringer. Also Axel gucken. Wie Boxen geht, ist eh wurscht, und den Rest erklären einem Topexperten und Vollpromis (Frauke Ludowig, Verena Pooth).

Angst vor dem Ende

Danach wird zur Analyse zu Werner Schneyder geschaltet, dem intellektuellen Lendenschurz der Boxszene, der immer so tut, als würde ihn die ganze Promiwelt nicht interessieren, aber wohl mindestens genauso fasziniert von ihr ist wie der Dichter Wolf Wondratschek vom Straßenstrich. Sich darüber zu empören, daß so ein Schulz-Comeback nur eine der allerdümmsten Kommerznummern innerhalb eines vor sich hinkorrumpierenden Boxzirkus war, gehört sich nicht. Die Gesellschaft braucht die Wiederkehr des Gewesenen, um die Angst vor dem große Ende zu verdrängen. Alles fließt. Alles erneuert sich. Aus sich selbst heraus. Und am besten live bei RTL.

Der Retrogedanke ist ja allgegenwärtig Wieso soll der Sport hier außen vor bleiben? Generation 50plus darf kein Lippenbekenntnis bleiben, zu tun gibt es ohnehin genug. Bei der Frankfurter Eintracht, zum Beispiel. Mit „Schädel“- Harry Karger im Sturmzentrum hätten wir am Donnerstag die Engländer aus Newcastle mit Karacho aus der Commerzbank-Arena geschossen, und wenn nicht, dann hätte Dr. Hammer alias Bernd Nickel den Rest erledigt.

Ist das nicht peinlich?

Dieser Tage erfuhren wir, daß Jan Ullrich beim Henninger-Rennen selbstverständlich wieder ein gerne gesehener Gast ist, sollte seine dummedumme Dopingsache dann doch mal ausgeräumt sein. Und wenn nicht? Die Lösung: Es gib ehemalige großartige deutsche Radsportler: Rudi Altig, in den Sechzigern Weltmeister, und sowieso alljährlich beim Henninger-Rennen präsent. Was der dort macht, außer zu grüßen und Rudi Altig zu sein, weiß keiner, also: Aufs Rad, aufs Rad. Mit einem stabilen 21er Schnitt durch den Taunus, zur Not auch auf einer auf 50 Kilometer verkürzten Strecke - Sport ist bekanntlich mehr als Bewegung.

Niemals sollte gefragt werden, ob es nicht peinlich ist, wenn sich diese Veteranen blamieren. Nein, nein, nein. Die Dresche, die Schulz bezogen hat, hat er für uns alle bezogen. Gesamtdeutsch. Denn er hat bewiesen, daß man sich richtig blamieren kann, wenn man nur will. Und, daß es dafür immer noch einen Ring gibt, in den man steigen darf. Deswegen ist Axel Schulz unser Sportler des Jahres 2006. Damit zurück zur Grillkohlewerbung.

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