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City-Triathlon Frankfurt : Vollgas durch die Stadt

  • -Aktualisiert am

Holte sich den Sieg: Michael Raelert im Ziel des City-Triathlons an der Frankfurter Hauptwache Bild: Michael Kretzer

Michael Raelert hat mit großem Vorsprung, aber nur scheinbar locker den Frankfurt City Triathlon gewonnen. Er wollte den Sieg und gab deshalb gleich von Beginn an Gas.

          Es war die Suche nach einem Erfolgserlebnis, die Michael Raelert an den Main gelockt hatte. Denn vor zwei Wochen, beim Ironman in Zürich, musste der 34 Jahre alte Rostocker „einen ganz schwarzen Tag“ in seiner sportlichen Karriere erleben. Muskuläre Probleme hatten dem Ausdauerprofi so sehr zugesetzt, dass er nach zwischenzeitlicher Führung vorzeitig aufgab. Das kratzte einen Monat vor dem erklärten Saisonhöhepunkt, der Halbdistanz-Weltmeisterschaft am 30. August in Zell am See, am Ego des Routiniers.

          Am Sonntag holte sich Raelert das schmerzlich vermisste Glücksgefühl zurück. Beim Frankfurt City Triathlon lief er nach 1:54:56 Stunden scheinbar locker und leicht sowie mit einem Vorsprung von fast dreieinhalb Minuten vor dem zweitplazierten Vorjahressieger Horst Reichel (1:58:24) durchs Ziel an der Hauptwache. „Du hättest ruhig ein wenig langsamer machen können“, beschwerte sich der Darmstädter anschließend beim Sieger, „dann wäre der Abstand nicht so groß gewesen.“

          Raelert meldete sich erst Mittwoch an

          Doch Raelert, nach seiner kurzfristigen Nachmeldung am Mittwoch als Favorit in das Rennen auf der für ihn ungewohnten olympischen Distanz gestartet, hatte diesen Erfolg unbedingt gewollt. Von Anfang an habe er deshalb „Vollgas gegeben“ und seinen knappen Vorsprung nach den 1,5 Kilometern Schwimmen im Langener Waldsee auf der 45 Kilometer langen Radstrecke Richtung Frankfurt deutlich ausgebaut. Lediglich beim Wechsel auf die zehn Kilometer lange Laufstrecke verlor der zweimalige Europa- und Weltmeister auf der Ironman-Halbdistanz kurzzeitig die Orientierung, denn sein Schuhbeutel hing nicht, wie bei den führenden Profis gewohnt, vorne in der langen Reihe, sondern wegen der hohen Startnummer ganz hinten.

          „Das war etwas unübersichtlich“, erklärte Raelert, dem die wenigen Zuschauer an der Absperrung schließlich den Weg zum richtigen Haken wiesen. Sein Triumph war dennoch nie gefährdet, auch wenn Raelert das Rennen über die ungewohnte Distanz viel mehr Kraft kostete als erwartet: „Das sieht im Ziel bei mir zwar meistens locker aus, aber ich bin tierisch kaputt.“

          Natascha Schmitt siegte bei den Frauen

          Gleiches galt für den am Ende zehntplazierten Faris Al-Sultan (2:06:37), den das allerdings weniger überraschte. Schließlich trainiert der Ironman-Weltmeister von 2005 seit seinem offiziellen Karriereende im Mai nicht mehr so konsequent wie zu seinen Hochzeiten. Dreikämpfe sollen zudem in Zukunft nicht mehr vorkommen im Wettkampfkalender des 37 Jahre alten Münchners. „Es gibt so viele andere spannende Herausforderungen im Sport, für die ich früher keine Zeit hatte“, denen sich der Familienvater jetzt allerdings widmen will. „Außer Form“ habe er sowieso keine Chance – weder gegen aktuelle Topathleten wie Raelert noch gegen solch junge Newcomer wie den erst 17 Jahre alten Bayern Frederic Funk, der in 1:59:14 Stunden als Dritter ankam.

          Bei den Frauen schnappte sich Lokalmatadorin Natascha Schmitt ihren dritten Sieg nach 2011 und 2013 bei ihrem Heimrennen und verwies in 2:11:01 Stunden die Darmstädterin Daniela Sämmler (2:15:14) und die mehrmalige deutsche Meisterin Ricarda Lisk aus Waiblingen (2:19:58) auf die weiteren Podestplätze.

          Dabei lief es für die 29-Jährige besser als geplant, denn schon auf dem Rad konnte sich die Frankfurterin entscheidend von der Konkurrenz absetzen. „Als ich als Erste auf die Laufstrecke ging, war mir klar, dass ich siegen würde“, sagte Natascha Schmitt, die nach ihrem für sie enttäuschenden neunten Platz beim Ironman Mitte Juli in Roth „mit relativ viel Wut im Bauch“ gestartet war. Nun hofft auch sie, dass dieser Triumph nur der Auftakt für weitere erfolgreiche Rennen war: Schon am nächsten Sonntag wartet die Halbdistanz-Europameisterschaft in Wiesbaden und danach auch auf die Hessin die WM in Österreich.

          Quelle: F.A.Z.

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