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Anti-Doping-Forum in Hanau : Jugendlicher Leichtsinn mit Amphetaminen und Cannabis

  • Aktualisiert am

„Es gibt etwas, das hilft dir und ist nicht verboten” - Muskelaufbau auf illegale Weise Bild: ASSOCIATED PRESS

Bis zu fünf Prozent der Jugendlichen im Alter von zehn bis sechzehn Jahren haben mindestens einmal verbotene Mittel zur Leistungssteigerung genommen. Eine These, die während einer prominent besetzten Anti-Doping-Veranstaltung in Hanau aufhorchen ließ.

          Der Sport müsse Mittel und Wege finden, Vereine und Vereinsmitarbeiter über das Ausmaß und die Gefahren des Dopings bei Jugendlichen zu informieren, so wie es der Staat bei den Drogen tue. Dies war einer der Kernsätze beim neugegründeten „Forum Schloss Philippsruhe“ in Hanau.

          Mit dieser Veranstaltungsreihe weitet die Sparkassen-Sportstiftung Main-Kinzig ihre Aktivitäten aus. Am Donnerstag kamen rund zweihundert Gäste, um unter anderem den früheren Zehnkämpfer Frank Busemann, Olympiazweiter von Atlanta 1996, die Weitspringerin und Fair-Play-Preisträgerin Bianca Kappler oder Funktionäre wie Rolf Müller (Präsident des Landessportbundes Hessen), Armin Baumert (Vorstandschef der Nationalen Anti-Doping-Agentur), Ingo Weiss (Vorsitzender der Deutschen Sportjugend) und Werner Schaefer (Leiter des Olympiastützpunktes Hessen) zum Thema Prävention zu hören.

          „Es gibt etwas, das hilft dir und ist nicht verboten“

          Drei bis fünf Prozent der sporttreibenden Jugendlichen im Alter von zehn bis sechzehn Jahren, so berichtete der Anti-Doping-Fachmann Theo Rous in seinem Einführungsreferat, haben verbotene Mittel zum Zwecke der Leistungssteigerung mindestens einmal genommen, Jungen seien häufiger betroffen als Mädchen. Mit zunehmendem Leistungsniveau und mit wachsendem Leistungsaufwand steige diese Prozentzahl. Die Mehrheit dieser Jugendlichen halte Doping für Betrug, auch für gesundheitsschädlich, aber bei Konsultation eines Arztes für ungefährlich.

          Die Argumente und Wege, mit denen Jugendliche zum Doping veranlasst würden, ähnelten sich, von der Verabreichung ohne Wissen der Betroffenen einmal abgesehen: Das reiche von der vorsichtigen Annäherung („Es gibt etwas, das hilft dir und ist nicht verboten“) bis hin zur brutalen Drohung („Wenn du nichts nimmst, fliegst du raus“). Die häufigsten Mittel seien Schmerzmittel, Amphetamine, Cannabis, Kokain und Anabolika. Bemerkenswert sei, so Rous, Folgendes: Mehrere voneinander unabhängige Studien stellen fest, dass Jugendliche, die früh mit Rauchen und Alkohol begonnen haben, signifikant eher Zugang zu Doping finden als die Abstinenten.

          Eine Negativ-Pädagogik allein, die also nur mit Strafen und schlimmen Folgen drohe, sei keine Lösung, war eine These der Podiumsdiskussion. Aufgabe (nicht nur) der Vereine sei es, deutlich zu machen, dass der Sport sich mit einem moralischen Grundprinzip und daraus folgenden Regeln von einer Welt abgrenze, die häufig regellos agiere. Das sportliche Leitbild werde allen bekannten Regelübertretungen zum Trotz nach wie vor vom Prinzip des Fair Play geprägt. Eine Schlüsselfunktion komme dem Aus- und Fortbildungssystem zu. Die Nationale Anti-Doping-Agentur und die Deutsche Sportjugend, unterstützt vor allem vom Heidelberger Zentrum für Dopingprävention von Gerhard Treutlein, haben Projekte zur Prävention für die Ausbildung von Trainern und Übungsleitern erarbeitet. Die Nachfrage der Verbände wachse.

          Großer Einfluss der Betreuer und Übungsleiter

          Den Vereinen („die beste und preiswerteste Sozialstation des Landes“) als Fundament des deutschen Sports komme eine besondere Bedeutung im Kampf gegen Doping zu. Ein Dilemma wurde in Hanau so umschrieben: „Bei uns wird nicht gedopt‘“, sagen Mitarbeiter der Vereine. Nicht selten folgt daraus eine Haltung, die dazu führt, sich mit dieser schmutzigen Seite des Sports nicht oder nicht offensiv und intensiv genug zu befassen: „Ich dope nicht mit meinen Jugendlichen, was sollen wir darüber reden?“

          Die Runde war sich einig: Die Probleme müssten bewusst und systematisch mit Jugendlichen thematisiert werden. Die Betreuer und Übungsleiter hätten großen Einfluss auf Jugendliche, oft mehr als Eltern und Lehrer. Fatal: Engagierte Mitarbeiter in den Vereinen kämpften nicht selten gegen Desinteresse in den eigenen Reihen an. Solange präventive Maßnahmen nicht flächendeckend, nachhaltig und möglichst lückenlos seien, sondern eher zufällig, so lange dürfe man nicht nachlassen.

          Viel Kritik wurde in Hanau an den Olympischen Jugendspielen geübt, die erstmals 2010 ausgetragen werden. Die Mehrheit der Wortmeldungen rügte eine zu frühe Leistungsfixierung mit den damit verbundenen Gefahren. Ingo Weiss versprach, der deutsche Sport werde dafür kämpfen, dass die Jugendspiele nicht von Staaten, Sponsoren oder Medien missbraucht würden. Diese Veranstaltung solle einen spielerischen und völkerverständigenden Charakter erhalten.

          Der jüngste Fall

          Wegen Doping-Verdachts hat der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) Weit- und Dreispringer Nico Bayer (LG Eintracht Frankfurt) suspendiert. In seinem Urin waren nach den hessischen Meisterschaften in Stadtallendorf am 13. Januar Amphetamine entdeckt worden. Dem Zwanzigjährigen droht eine Zweijahressperre. Weil Bayer kein Kaderathlet ist, hat der DLV mit ihm keine Schiedsgerichtsvereinbarung abgeschlossen, aber dennoch angeboten, vor das Schiedsgericht zu gehen. (sid)

          Quelle: F.A.Z.

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