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American Football Glaskugel für Galaxy

28.05.2006 ·  Die Footballprofis von Frankfurt Galaxy sind um einen Titel reicher. Sie gewannen das Endspiel der NFL Europe League gegen die Amsterdam Admirals 22:7.

Von Marco Plein
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Ein Märchenschreiber hätte sich wohl kaum eine schönere Geschichte ausdenken können. Als Butchie Wallace am späten Samstagabend auf der Pressekonferenz nach dem World-Bowl-Finale einen persönlichen Einblick in seine letzten Monate gewährte, funkelten der Schar an Journalisten dabei nicht nur die Augen des Amerikaners entgegen.

Auch der goldglänzende Pokal, den Wallace als wertvollster Akteur des Finales der NFL Europe erhielt, verdeutlichte diesen sonderbaren Moment in der noch jungen Karriere des Footballspielers. Mit 22:7 hatten die Frankfurt Galaxy gegen die Amsterdam Admirals vor 36.286 Zuschauern in der Düsseldorfer LTU Arena gewonnen, dank einer zweiten Halbzeit, in der Wallace, ein bulliger Ballträger der Frankfurter, dem Spiel seinen Stempel aufdrückte.

„Vor einigen Monaten hätte ich mir solch einen Moment nicht träumen lassen“, sagte der vor Glück strahlende 25 Jahre alte Footballprofi. Denn kurz vor der Saison erlitt Wallace eine Knieverletzung und mußte für dreieinhalb Wochen in die Vereinigten Staaten reisen, um die Verletzung dort auszukurieren. „Damals war ich ganz weit weg vom Football und habe den Sport schmerzlich vermißt. Aber ich habe gekämpft und bin zurückgekommen. Und dafür habe ich jetzt eine Belohnung erhalten.“

„Ihre Defense ist müde geworden“

Noch zur Pause des World-Bowls sah es aber nicht so aus, als ob es für die Galaxy an diesem Abend einen Grund zum Feiern geben würde. Viel zu ungefährlich agierten die Frankfurter in der Offensive. Lediglich drei neue Angriffsrechte erspielten sie sich in den ersten dreißig Minuten. Ein äußerst schwacher Wert. „Im Prinzip lief das Spiel so wie unsere gesamte Saison. Wir hatten am Anfang große Probleme“, sagte Galaxy-Geschäftsführer Tilman Engel. „Aber wir haben uns darauf eingestellt und dann das Optimale aus unseren Möglichkeiten herausgeholt.“ Recht hatte er, denn wie die Frankfurter ihren niederländischen Gegner nach der Pause in den Griff bekamen, war durchaus bemerkenswert. Die Verteidigung der Galaxy ließ - nachdem Admirals Ballträger Larry Croom im zweiten Viertel einen Touchdown erzielte - keinerlei Punkte mehr zu. Und in der Offensive bestach die Galaxy durch ihr gewohnt solides Laufspiel.

„Wir hatten bemerkt, daß ihre Defense müde wurde. Also wollten wir sie mit unserem Laufspiel weiter attackieren“, sagte Butchie Wallace. Mit Erfolg, denn dem quirligen Läufer selbst gelangen mehrere raumbringende Sprints durch die Abwehrreihen der Admirals. Folgerichtig erkannte deren Cheftrainer Bart Andrus auch an: „In der ersten Hälfte war unsere Defense noch sehr gut. Aber nach der Pause konnten wir nicht mehr dagegenhalten.“ Butchie Wallace punktete nach einem Lauf über vier Yards in die Amsterdamer Endzone.

Kicker David Kimball versenkte zwei Feldtore, und das Spiel war - als Amsterdam zu einem letzten Angriffszug ansetzte - fast schon entschieden. Die finalen Ausgleichsbemühungen der Niederländer wurden allerdings durch eine zwanzigminütige Verletzungspause zunichte gemacht. Denn nach einer Kollision blieb Admirals-Angreifer Michael King so lange verletzt am Boden liegen, daß Bart Andrus später davon sprach, seiner Mannschaft habe diese Pause den Rest gegeben. „Wir dachten alle, es wäre etwas Ernsthaftes passiert, und standen unter Schock“, sagte Andrus, der aber bereits eine Stunde nach Spielende Entwarnung gab. Galaxy-Angreifer J.R. Niklos entschied die Begegnung letztlich mit einem weiteren Touchdownlauf zum 22:7-Endstand.

Vierter Titelgewinn in der NFL

Die Frankfurter haben damit bereits zum vierten Mal in ihrer Klubgeschichte den kugelrunden Glaspokal gewonnen - ein neuer Bestwert in der erst vierzehnjährigen Geschichte der NFL Europe. Auch Cheftrainer Mike Jones stellte mit seinem dritten Titelgewinn eine neue Bestmarke auf. Noch hat Jones keinen Vertrag für die kommende Saison, aber durch den Titelgewinn hat sich seine Situation merklich verbessert. Tilman Engel betonte, er werde sich dafür einsetzen, daß Jones in Frankfurt bleibt.

„Das ist einer der größten Momente in meinem Leben. Zu Saisonbeginn waren wir noch ein Team voller No-Names. Und jetzt stehen wir ganz oben“, sagte der Geschäftsführer. „Ich kann kaum ausdrücken, wie stolz ich auf dieses Team bin. Was Mike Jones geformt hat, ist bemerkenswert.“

Der Cheftrainer der Frankfurter aber leitete das Kompliment postwendend an seine Spieler weiter. Unter anderen auch an Butchie Wallace. Und der überreichte die Lobeshymnen an seine Angriffsblocker, während er seinen immer noch ungläubigen Blick kaum von der goldenen Trophäe zu lösen wagte.

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