13.04.2007 · Für Frankfurt Galaxy beginnt die NFL-Europa-Saison 2007: Statt mit einem komplett neuem Team anzutreten, setzt die Mannschaft auf bekannte Namen - wie Spielmacher Kevin Eakin und J.T. O'Sullivan.
Von Leonhard KazdaKevin Eakin trägt gerne Superman-T-Shirts. Im Trainingslager von Tampa in Florida sah man ihn häufig mit dem Logo des Comic-Helden auf der Brust. Und wer im Bildarchiv aus dem Jahre 2005 blättert, wird Eakin auch da in seinem Lieblingsleibchen finden. Vor zwei Jahren war der 25 Jahre alte Amerikaner schon einmal beim Football-Profiklub Frankfurt Galaxy, mit dem er an diesem Samstag beim Heimspiel gegen die Amsterdam Admirals in die Saison startet.
„Superman“ Eakin ist nicht der Einzige, der den Footballfans aus der Region bekannt vorkommen dürfte. Auch J.T. O’Sullivan war schon am Main. Er hat als Quarterback ein Jahr vor Eakin in Frankfurt gespielt – ziemlich erfolgreich sogar. Galaxy zog unter seiner Führung ins Finale ein, begnügte sich aber dann mit Platz zwei. Martin Latka hingegen werden die Frankfurter nicht zu sehen bekommen. Weil Galaxy schon acht sogenannte Nationals unter Vertrag hat, darf Latka auf Liga-Anordnung nicht spielen.
Passfänger Orthiz macht einen guten Eindruck
Eakin und O’Sullivan sind nur zwei von insgesamt 14 Rückkehrern. In dieser Saison will die Galaxy verstärkt auf bekannte Gesichter setzen. Schon nach dem Ende der vergangenen Spielzeit behielt der Verein zwei seiner Spieler in Frankfurt. J. R. Niklos und Aaron Hosack sind die beiden sogenannten Continuity-Spieler, mit denen der Football-Profiklub sich auch außerhalb der Saison sportlich im Gespäch halten will. Das Konzept, nicht mit einem quasi komplett neuen Team anzutreten, sondern auf bekannte Namen zu setzen, könnte Früchte tragen. Denn das Interesse der Fans an den beiden ersten Heimspielen der Galaxy ist größer als sonst in dieser frühen Phase der Spielzeit.
Man darf gespannt sein, wie sich der Titelverteidiger unter der Führung der beiden Spielmacher präsentiert. Cheftrainer Mike Jones hat schon während des Trainingslagers stets geheimnisvoll gelacht, wenn er nach dem Angriffsstil der Galaxy gefragt wurde. Im vergangenen Jahr hatten die Frankfurter erfolgreich auf zwei hochklassige Running Backs setzen können: Roger Robinson und Butchie Wallace stürmten mit Frankfurt zum Titel. Herausragende Ballträger wie diese beiden sind in der aktuellen Aufstellung aber nicht zu finden.
Dafür sieht es bei den Passfängern ganz gut aus.Vor allem Robert Orthiz hinterließ im Trainingslager von Tampa einen starken Eindruck, so dass damit gerechnet werden darf, in dieser Saison mehr Pässe der Spielmacher auf die Wide Receiver zu sehen. Die meisten Fans schätzen diese Art des Footballs wegen der spektakulären Würfe, mit denen die Quarterbacks weit in die Tiefe des gegnerischen Raums vordringen – vorausgesetzt, die Bälle kommen an, werden gefangen und von den Passempfängern auch festgehalten.
Der große Durchbruch lässt auf sich warten
„Superman“ Eakin hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten. 2005, als er sein erstes Jahr bei der Galaxy spielte, war er der zweitbeste Quarterback der Liga. Eakin warf 105 vollständige Pässe, benötigte dafür 180 Versuche, erzielte elf Touchdowns und leistete sich nur fünf Interceptions. Dass Galaxy dabei eine rabenschwarze Saison spielte und nur Vorletzter wurde, lag keineswegs an ihm, sondern vor allem an den großen Verletzungsproblemen. O’Sullivan war, was die Plazierung der Galaxy im Jahre 2004 betrifft, erfolgreicher. Die World-Bowl-Teilnahme und Platz zwei konnten sich sehen lassen.
2004 galt der Spielmacher als verschlossen und einsilbig. Dies hatte sicher auch mit der persönlichen Situation des Amerikaners zu tun, dessen Vater damals schwer erkrankt war. Mitten in der Saison flog Sohn John Thomas nach Hause nach Sacramento, kam aber zu spät in die Heimat. Der Vater war gestorben. Heute will O’Sullivan die Gelegenheit nutzen, an seiner Karriere zu arbeiten. Bei sechs NFL-Teams stand er schon unter Vertrag und wurde von den Chicago Bears an die NFL Europa ausgeliehen.
Der große Durchbruch als Spielmacher ist ihm noch nicht gelungen. „In der NFL musst du Starter sein“, sagt O’Sullivan, „sonst kannst du keine Spielpraxis sammeln.“ Das will er nun bei Galaxy. Ganz Ähnliches hat Eakin vor. Er spielte zuletzt in der kanadischen Football-Liga als Quarterback. Nun soll der Sprung in die NFL folgen. Was für Eakin und O’Sullivan schön wäre. Nur in Frankfurt würde man die beiden dann sicher kaum noch sehen.