24.09.2008 · Die Fans sind hungrig auf Party, Tackles und Touchdowns. Seit dem Abschied von Proficlub Frankfurt Galaxy hat es in der Frankfurter Arena kein American-Football-Spiel gegeben. Das GFL-Finale zwischen Braunschweig und Kiel weckt Erinnerungen.
Von Leonhard KazdaDie Fans sind hungrig auf Party, Tackles und Touchdowns. Seit dem Abschied vom American-Football-Profiklub Frankfurt Galaxy hat es in der Frankfurter Arena kein Spiel mehr gegeben, in dem gepolsterte, breitschultrige Männer versuchen, sich gegenseitig das Lederei abzujagen. An diesem Samstag ist es wieder so weit. Zwar spielen nicht die Hünen der Galaxy – die NFL Europa hat sich im Frühjahr 2007 wohl endgültig aus dem Sportgeschehen verabschiedet –, aber es werden die beiden besten deutschen Mannschaften um die Trophäe der German Football League (GFL), die German Bowl, kämpfen: Die Braunschweig Lions spielen gegen die Baltic Hurricanes aus Kiel (Kick-off 15 Uhr).
„Power-Party“ vor dem Kick-off
Was treibt zwei Mannschaften aus dem starken Football-Norden nach Frankfurt? Die Liga hat im Frühjahr einen über drei Jahre laufenden Vertrag abgeschlossen, der vorsieht, dass die Endspiele der GFL bis ins Jahr 2010 in der Frankfurter Arena ausgetragen werden. Die Hoffnung, dass sowohl die schmucke Sportstätte als auch die von Galaxy geschaffene Football-Affinität der Fans aus der Region Anziehungskräfte sein könnten, ist deutlich spürbar. So greifen die Veranstalter auf bewährte Elemente zurück: Schon lange vor dem Kick-off wird es die sogenannte „Power-Party“ geben (Beginn 12 Uhr). Eine Show vor dem GFL-Finale (14 Uhr) soll die Fans einstimmen, den Münzwurf nimmt ein ehemaliger NFL-Profi vor: Mike Wilson, vormals Passempfänger der San Francisco 49ers, Mannschaftskollege der Quarterback-Legende Joe Montana und viermaliger Superbowl-Gewinner, wird für den „coin-toss“ sorgen, bei dem festgelegt wird, welche Mannschaft zuerst das Angriffsrecht hat. Auch die Stimme im Stadion dürfte vielen, die einmal ein Spiel der Galaxy in Frankfurt gesehen haben, bekannt vorkommen: Steffen Popp wird die Partie moderieren und durch das Programm führen.
Auf rund 15.000 Zuschauer hoffen die Veranstalter zum Finale des Wettbewerbs. Das wäre rund die Hälfte des Interesses, das die Endspiele der vergangenen Jahre hervorgerufen hatten, als sie in bei den Footballfans beliebten Stadien in Hamburg oder Braunschweig ausgetragen wurden. Patrik Meyer, der Geschäftsführer der Frankfurter Arena, wäre schon mit 11.000 Zuschauern halbwegs zufrieden. „Dann würden wir wirtschaftlich eine schwarze Null erreichen“, sagt er. Dass die Resonanz ruhig auch kräftiger ausfallen könnte, ist allen Beteiligten klar. In den kommenden beiden Jahren sollen 20.000 Zuschauer der Maßstab sein. Bis dahin muss das zarte Pflänzchen German Bowl in Frankfurt noch intensiv gepflegt werden.
„Das tut dem Platz bestimmt nicht gut“, grummelt Fußballtrainer Funkel
Heftig malträtiert, so befürchten viele Skeptiker, würden an diesem Samstag hingegen andere Pflanzen. Schon zu Galaxy-Zeiten war der Rasen in der Arena ein konfliktbehaftetes Dauerthema. Der aufwühlende Auftritt der Football-Schwergewichte schade der Spielfläche, welche von den Fußballprofis der Frankfurter Eintracht als Basis erfolgreicher Spiele in möglichst unversehrtem Zustand benötigt werde. Tatsächlich werden die Kicker von Trainer Friedhelm Funkel schon am Tag nach dem Spiel um die German Bowl an gleicher Stelle gegen Arminia Bielefeld antreten.
Der Auftritt der Football-Hünen sei für ihn „nicht nachvollziehbar“, kritisierte Eintracht-Trainer Funkel jüngst. „Die Spieler sind größer, stärker und auch dicker, das tut dem Platz bestimmt nicht gut“, grummelte der Fußballlehrer. Nach der wegen des Madonna-Konzerts notwendig gewordenen Verschiebung der Partie gegen den Karlsruher SC liegen die Nerven bei vielen Fußballfreunden in etwa so blank wie die Grashalme. Stadionchef Meyer ist indes bemüht, die Aufregung über das abermalige Eindringen der amerikanischen Nationalsportart in den Hort Frankfurter Spitzenfußballs in Grenzen zu halten – er ist zuversichtlich, dass der Rasen das deutsche Finale heil überstehen wird. Eventuelle Schäden, so sichert Meyer zu, werde man über Nacht beheben. Sogar einen Antrag, das Spiel der Eintracht auf Freitag vorzuziehen, habe man bei der Deutschen Fußball-Liga (DFL) gestellt, sagt Meyer. „Dem hat die DFL aber nicht entsprochen.“
Das Risiko, dass das Grün im Frankfurter Stadion nach dem German-Bowl-Finale wüst aussieht, scheint ohnehin geringer zu sein als nach den ruppigen Spielen der NFL Europa. Dort stemmten sich die kolossalen Profis mit Schraubstollen an den Sohlen ins Gras; in der GFL sind dagegen Noppensohlen vorgeschriebener Standard. Zudem dauern die Viertel nicht 15, sondern nur zwölf Minuten. So besteht also doch noch Hoffnung, dass für die Eintracht alles glattläuft – zumindest was den Rasen betrifft. Gegen Bielefeld auf einem Rübenacker? Das muss nicht sein.