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Frankfurt Universe : Kurz vor dem Crash

Sportlich gut, wirtschaftlich fraglich: Die Frankfurt Universe, hier in den weißen Trikots im Spiel gegen die Stuttgart Scorpions. Bild: Michael Wiegand

Frankfurt Universe hat offenbar schwere wirtschaftliche Sorgen. Der American-Football-Klub hat hohe Schulden beim FSV Frankfurt, zudem versucht der ehemalige Klubchef Mämpel, Geld einzuklagen.

          „Danke für eine geile Saison“, steht in großen violetten Lettern auf der Internetseite von Frankfurt Universe. Tatsächlich steht das American-Football-Team überaus solide da – sportlich. Das zweite Jahr in der German Football League (GFL) haben die Hessen auf dem dritten Platz beendet. Das ist aufgrund des Erfahrungsdefizits gegenüber den alteingesessenen Klubs wie Meister Schwäbisch Hall Unicorns und den Braunschweig Lions ein großer Erfolg. Aber wie steht es wirtschaftlich um den Klub?

          Recht gut – sollte man meinen. Denn die Frankfurter haben jüngst eine Vertragsverlängerung mit ihrem Hauptsponsor Samsung kommuniziert. Bis 2021 will der koreanische Elektronikkonzern dem American Football am Main auf die Sprünge helfen. Nach Informationen dieser Zeitung soll sich der Vertrag mit Samsung auf eine Summe belaufen, die deutlich über einer halben Million Euro im Jahr liegt – was einen großen Teil des bei 900000 Euro liegenden Gesamtetats ausmacht.

          Wirtschaftliche Engpässe

          Sicher ist aber auch: Die Frankfurt Universe Betriebs GmbH hat wirtschaftliche Engpässe zu überwinden. Kurz nachdem diese Zeitung die Recherchen zu diesem Thema aufgenommen und erste Gespräche geführt hatte, erschien im Frankfurter Blatt „Extra Tipp“, einem der Universe-Medienpartner, ein Beitrag, in dem es auf den ersten Blick um die Trennung von Universe-Cheftrainer Markus Grahn ging, dessen Vertrag am Ende der Saison ausgelaufen war. Bei genauerer Lektüre verbarg sich aber eine Art Rechtfertigung dahinter, was die wirtschaftliche Situation des Klubs betrifft. In dem Beitrag ist von „Optimierungsbedarf auch im wirtschaftlichen Umfeld der Universe“ die Rede. Auch von einem nötigen „Neuanfang“ wurde dort geschrieben: „Ein offenes Geheimnis ist es, dass finanzielle Gründe eine nicht unerhebliche Rolle für den Neuanfang spielen. Universe war wohl nicht länger bereit, Altlasten aus der Vorgänger-Ära um den damaligen Galaxy-Verantwortlichen Matthias Mämpel zu übernehmen, der seinerzeit seine Angestellten mit großzügigen Verträgen ausstattete.“

          Kaum war der Beitrag erschienen, erreichte die Redaktion dieser Zeitung eine Kurzmitteilung des einstigen Geschäftsführers Mämpel, der Ende 2015 per

          „Alle Verträge eigenständig von Universe geschlossen“

          Abfindungsvertrag aus seinem Posten schied: „Ich möchte Ihnen eindeutig sagen, dass Universe von Galaxy lediglich Sponsor-Verträge in hoher sechsstelliger Summe als Einnahme vermittelt und übergeben bekommen hat und keinerlei sonstige Verträge. Alle Verträge, wie Headcoach, Personal und so weiter sind eigenständig und völlig alleine von Universe (neu) geschlossen worden. Die Galaxy hat keinen einzigen Vertrag bis auf Sponsoren übergeben. Der Anschein, dass hier Altlasten der Universe durch Galaxy entstanden sind, ist schlichtweg falsch.“

          Es ging und geht hoch her zwischen Mämpel und der aktuellen Geschäftsführung um den Universe-Chef Michael Schwarzer. Es gab Beschuldigungen, Ermittlungen und eine Klage von Mämpel gegen Universe, die nun am 17. November vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt wird (Aktenzeichen 3-14 O 33/17). Darin geht es um die Abfindungssumme, die Mämpel mit dem Verein vereinbart hatte und die bis heute ganz offensichtlich noch nicht ausgezahlt ist. Der Vertrag, so Mämpel, sei „glasklar“. In der Verhandlung geht es dem Vernehmen nach um eine hohe Summe, laut Informationen der Internetportals „Merkurist“ sogar um die Hälfte der Sponsorengelder von Samsung. Folgt der „geilen Saison“ nun einer harter Touchdown gegen Universe? Steht der Klub gar kurz vor dem Crash?

          „Galaxy“-Namensrechte liegen bei NFL Prosperties Europe

          Dass aus Galaxy in der Spielzeit 2016 wieder Universe wurde, liegt an den Namensrechten, die nach wie vor und bis ins Jahr 2026 bei der NFL Properties Europe GmbH liegen, welche die Rechte der amerikanischen Football-Profiliga NFL in Europa vertritt. Mämpel hatte den Namen noch 2016 beim Amtsgericht registrieren lassen. Als die Frankfurter dann versuchten, unter dem Namen Galaxy in die GFL zu starten, hätten sie beinahe ihre Lizenz verloren, da die GFL ihren Klubs nicht gestattet, Namen zu verwenden, an denen es noch weitere Rechte als die klubeigenen gibt. Also spielten die Frankfurter unter dem Universe-Namen weiter.

          Auf dem Profiklub lasten offenbar noch weitere Schulden. Dem Vernehmen nach soll es Zahlungsrückstände der Frankfurt Universe Betriebs GmbH gegenüber dem Fußball-Regionalligaklub FSV Frankfurt als dem Betreiber des Stadions am Bornheimer Hang geben. Dort trägt Universe die Heimspiele aus. Für die Finanzierung des laufenden Spielbetriebs und die Liquidität des wirtschaftlich angeschlagenen Klubs dürften die Mietzahlungen durch Universe essentiell sein. Aktuell steht das Insolvenzverfahren der Bornheimer Fußball-GmbH kurz vor dem Abschluss. Universe-Chef Schwarzer sagt, er sei vertraglich verpflichtet, sich zu der Frage, ob es Zahlungsrückstände gebe, nicht zu äußern. Aus dem Umfeld von Universe ist derweil zu hören, dass die Rückstände bei der Bezahlung der Stadionmiete und der Veranstaltungskosten, die sich je Heimspiel auf eine Summe zwischen 20000 und 25000 Euro belaufen, bald ausgeglichen sein werden. Von Dezember ist die Rede. Bis dahin, so hieß es in Universe-Kreisen, sei die nächste Zahlungstranche des Hauptsponsors fällig. Sind die Schulden beglichen, könnten die Universe-Macher für die Zukunft über günstigere Vertrags- und Mietkonditionen für das Stadion am Bornheimer Hang verhandeln.

          Nun darf man gespannt sein, ob es Universe schafft, sich vor Gericht mit dem einstigen Galaxy-Chef Mämpel zu einigen. Ist dann noch genug Geld für den FSV Frankfurt übrig? Das ist die nächste spannende Frage.

          Quelle: F.A.Z.

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