20.12.2006 · Bei den Frankfurt Lions herrscht weiter Trubel. Einen Tag nach der Entlassung von Manager Karl-Heinz Fliegauf hat Nationalstürmer Michael Hackert am Mittwoch seinen Abschied zum Saisonende angekündigt.
Von Thomas KlemmDrei Tage nach der Trennung von Karl-Heinz Fliegauf wissen die Frankfurt Lions zwar noch nicht, wer ihr neuer Manager wird. Aber daß Fliegaufs Nachfolger eine schier unmögliche Aufgabe bevorsteht, das ist dem Klub aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nun bekannt: Der neue Manager muß einen Stürmer suchen, der Michael Hackert zumindest ansatzweise ersetzen kann. Der Profi, derzeit der talentierteste Techniker unter den deutsche Angreifern, hat den Lions-Verantwortlichen nun mitgeteilt, daß er den Klub nach Saisonende verlassen wird.
Wohin, daraus macht der Nationalstürmer noch ein Geheimnis; da Hackert aber als deutscher Ausnahmekönner seinen Preis hat, gilt ein Wechsel zu den Kölner Haien oder den Mannheimer Adlern als wohlbegüterte DEL-Klubs als wahrscheinlich. „Nach vier Jahren bei den Lions will er unbedingt wechseln“, sagte Trainer Rich Chernomaz am Donnerstag. Das Geld habe bei Hackerts Entscheidung angeblich keine Rolle gespielt, weil sein neuer Klub ihm auch nicht mehr bezahlen würde. „Wir haben ihm ein mehr als exzellentes Angebot gemacht“, sagte Lions-Geschäftsführer Bernd Kress, „aber er sucht eine neue Erfahrung.“
Geniale Momente
Längst wissen die Lions, wie es ist, ohne den 25 Jahre alten Hackert auszukommen. Vor allem im vergangenen Jahr konnte er zunächst wegen eines Schien- und Wadenbeinbruchs kaum spielen; kaum genesen, folgte er im Sommer 2005 dem Ruf der Detroit Red Wings, wurde aber nicht in der nordamerikanischen Profiliga NHL eingesetzt, sondern absolvierte lediglich 16 Begegnungen beim unterklassigen Farmteam der Red Wings, Grand Rapids Griffins. Im Dezember des vergangenen Jahres zurückgekehrt, zog sich Hackert wenige Wochen später einen Kieferbruch zu und mußte abermals pausieren. Zuletzt zeigte er wechselhafte Leistungen, sprühte vor Spielfreude, wenn er die Scheibe am Schläger hatte, vernachlässigte aber oft die Kärrnerarbeit.
Seinen genialen Momenten hatten es die Löwen am vergangenen Sonntag aber vor allem zu verdanken, daß sie 4:3 nach Penaltyschießen bei den Hannover Scorpions gewannen. Michael Hackert traf zweimal in der regulären Spielzeit und verwandelte einen Penalty. Nach 27 Saisonspielen stehen für den nach Jeff Ulmer (15 Treffer) zweitbesten Schützen 20 Scorerpunkte (13 Tore, 7 Assists) zu Buche. Geht es nach Chernomaz, soll Hackert so weitermachen. „Du bist ein Profi, und noch spielst du für uns“, hat der Trainer seinem Angreifer vor dem Heimspiel an diesem Donnerstag gegen die Berliner Eisbären (Eissporthalle, 19.30 Uhr) gemahnt. „So ist das Geschäft.“
Die Trennung von Fliegauf überraschte Rich Chernomaz am Montag abend genauso wie die Mannschaft, die davon auf ihrer Weihnachtsfeier erfuhr. Der Kanadier wird sich die Aufgaben, für die Fliegauf zuständig war, nun mit Geschäftsführer Kress und Assistenztrainer Pavel Gross teilen. Gross wird sich um Trainingspläne und Auswärtsreisen kümmern, Chernomaz kümmert sich um den Kontakt zu den Spielerberatern und arbeitet daran, die Mannschaft für diese und die kommende Saison zu formen. „Möglichst schnell“ will Chernomaz bis zum Transferschluß am 15. Februar einen vielseitigen Zwei-Wege-Stürmer verpflichten. „Angesichts des dünnen Marktes ist es nicht leicht, einen Profi mit Talent und Erfahrung zu finden“, sagte Chernomaz.
Gesucht wird ein „sehr profilierter Typ“
Bei der Verpflichtung eines Managers will sich die Lions-Führung indes Zeit lassen. Nur ein Ziel hat sich Geschäftsführer Kress gesetzt: „Wir sollten noch während dieser Saison wissen, wer in der nächsten Saison unser Manager ist.“ Gesucht werde ein „sehr profilierter Typ“, der den deutschen und internationalen Markt gut kennt, mit Trainer Chernomaz gut zusammenarbeitet und möglichst über eine gewisse Härte im Umgang mit den Eishockeyprofis verfügt; ein Typ also wie der frühere Frankfurter und jetzige Düsseldorfer Manager Lance Nethery, der Druck auf die Spieler ausübt, wenn sie mal eine lasche Arbeitseinstellung an den Tag legen. Daß Fliegauf zu sehr als „netter Charly“auftrat, war der Hauptgrund für die Trennung.
„Es ist wichtig, die Mannschaft zu führen und Puffer zu sein“, sagte Kress. Fliegauf habe zwar „unheimliche Stärken im Persönlichen“, habe aber nach Meinung von Lions-Eigentümer Gerd Schröder und Geschäftsführer Kress nicht jene Eigenschaften verkörpert, „die wir glauben für die Entwicklung der Frankfurt Lions zu benötigen“. Nachdem sie Fliegauf mitgeteilt hätten, seinen zum Saisonende auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen, entschied der zutiefst enttäuschte Bayer von sich aus, das Arbeitsverhältnis sofort zu beenden. „Wir haben in keinster Weise Krieg“, sagte Kress, „wir wollten fair zu ihm sein und ihm unsere Entscheidung nicht erst im März oder April mitteilen.“
Ob der nächste personelle Umbruch bevorsteht, wird die Lions-Führung in den kommenden sechs Wochen erfahren. Bis zum 31. Januar verfügt Trainer Chernomaz über die einseitige Option, seinen bis 2008 laufenen Vertrag mit dem Frankfurter DEL-Klub zu kündigen. Ein bißchen beschwichtigte Chernomaz die Sorge. „Ich arbeite für den Klub, als ob ich im nächsten Jahr zurückkommen würde“, sagte der Kanadier, der seit dieser Woche Vollzeittrainer und Teilzeitmanager ist. „Es wäre nicht sinnvoll weiterzumachen, wenn meine erste Option wäre, zu gehen.“ Etwas verklausuliert hat Chernomaz den Frankfurt Lions wohl zu verstehen gegeben, daß er nicht der nächste sein wird, der den Klub verläßt.