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Veröffentlicht: 07.05.2017, 13:01 Uhr

FSV Mainz 05 Öztunalis Hauptrolle im Hamburg-Krimi

Im Abstiegskampf in der Bundesliga trifft Mainz 05 auf einen Nachbarn in der Tabelle. Großes Vertrauen setzt Trainer Schmidt beim Spiel beim HSV ausgerechnet in einen Hamburger.

von Peter H. Eisenhuth, Mainz
© dpa Levin Öztunali (rechts) ist der Enkel der HSV-Legende Uwe Seeler.

Wenn Martin Schmidt, der Trainer von Mainz 05, davon spricht, das Bundesligaspiel beim Hamburger SV an diesem Sonntag (15.30 Uhr / live bei Sky und im Bundesliga-Ticker bei FAZ.NET) werde ein „Krimi“, ist klar: Er will dabei der Täter sein, nicht das Opfer. Ein Sieg und die damit verbundenen drei Punkte brächten die Mainzer dem Klassenverbleib in einem Maße näher, wie es für den Gegner die Wahrscheinlichkeit erhöhte, zum dritten Mal seit 2014 in die Relegation zu müssen.

Großes Vertrauen setzt Schmidt dabei in einen Hamburger: Levin Öztunali, vor 21 Jahren in der Hansestadt geboren und von 2006 bis 2013 als Nachwuchsfußballer beim HSV aktiv. Der junge Mann ist von einiger Prominenz, weniger wegen seines unbestrittenen Talents, sondern als Enkel des legendären Uwe Seeler. Ein Thema, das den über Bayer Leverkusen und Werder Bremen nach Mainz gekommenen Offensivmann so schnell nicht loslassen wird, auch wenn er selbst wenig Lust verspürt, immer wieder darüber zu reden. Seeler sei für ihn „ein ganz normaler Opa“ gewesen, sagt Öztunali. Das muss reichen.

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Es ist davon auszugehen, dass Öztunali, den Schmidt schon bei dessen Wechsel im vorigen Sommer als „Kanone auf der Außenbahn“ bezeichnete, am Sonntag in der Mainzer Anfangsformation stehen wird. Vor zwei Wochen beim 2:2 in München war er einer der Aktivposten und an der Einleitung des frühen Führungstreffers beteiligt. Bei der folgenden 1:2-Niederlage gegen Mönchengladbach fehlte er verletzungsbedingt – und seine Mannschaft büßte dadurch eine Menge Offensivkraft ein. Ersatzmann Karim Onisiwo war auf der rechten Seite ein ebensolcher Ausfall wie Robin Quaison links. Geradezu erlösend wirkte die Einwechslung des ungleich giftigeren Pablo De Blasis, dessen Rückkehr in die erste Elf in Hamburg ebenso geboten scheint wie Öztunalis Einsatz.

Mit welcher Taktik die Mainzer das Duell mit dem punktgleichen und nur wegen der schlechteren Tordifferenz hinter ihnen stehenden Bundesliga-Dinosaurier angehen wollen, verriet Schmidt bei der Pressekonferenz am Freitag nicht, die anschließende Trainingseinheit fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Schwer vorstellbar aber ist eine Wiederholung der verhaltenen Herangehensweise aus dem Gladbach-Spiel, die den Boden für die Heimniederlage bereitete. Schmidt sagt, er erwarte ein laufintensives Spiel mit harten Zweikämpfen. Was das personell bedeutet? „Ich kann nicht von Zweikampfführung reden und dann die Kleinsten auf den Platz stellen“, sagt der Trainer zwar, und das spricht zunächst gegen De Blasis, den nur 1,65 Meter großen Argentinier. Andererseits brauchen die 05er im Abstiegskampf auch Leidenschaft auf dem Platz – und in dieser Hinsicht gehört De Blasis zu den Größten.

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Schmidt baut auf seine Beobachtungsgabe und die seiner Mitstreiter. Sportdirektor Rouven Schröder hat in dieser Woche seinen Terminkalender freigeräumt, um keine Trainingseinheit zu verpassen, auch auf die Rückmeldungen der Physiotherapeuten legt der Trainer Wert, wenn es darum geht, den Spielern „in die Augen zu schauen. Wir müssen sehen, wer mit der derzeitigen Situation am besten umgeht. Es gibt Spieler, die eine solche Situation reizt, die daran wachsen, während andere damit überfordert sind.“ Das sei wie in der Schule bei wichtigen Klausuren: „Die einen kommen, schreiben einfach und gehen. Und andere machen sich in die Hose, obwohl sie eigentlich die besseren Schüler sind.“

Wie Levin Öztunali mit dem Druck umgeht im Duell mit jenem Verein, in dem seine Profiträume reiften, bleibt abzuwarten. Ein ganz spezieller Ausgang des Hamburg-Krimis wäre es freilich, wenn ausgerechnet Uwe Seelers Enkel den HSV ein gutes Stück weiter in Richtung zweite Liga schießen würde.

Schrei! mich!! nicht!?! an!!!

Von Eva-Maria Magel

Außer Beiträgen in Social Media werden auch E-Mails mit reichlich Interpunktion garniert. Der Einsatz von Frage- und Ausrufungszeichen erhöht sich jährlich um grob geschätzt 1000 Prozent. Mehr 1 2

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