FSV Frankfurt
Alles wird gut bei den Bornheimern, denn sie überstehen die Saison in der Zweiten Fußball-Bundesliga ohne Abstieg – wenn auch nur über die Spiele in der Relegation gegen den Drittplazierten der dritten Liga. Also den SV Wehen Wiesbaden. Ihr Heimspiel gewinnen die Frankfurter vor 900 Zuschauern 1:0 – woraufhin der Geschäftsführer Uwe Stöver, angesprochen auf den schwachen Besuch, sagt: „Kann ja sein, dass viele schon in den Sommerurlaub gefahren sind.“ Jemand macht ihn darauf aufmerksam, dass es erst Mai ist. Der frühere FSV-Geschäftsführer Bernd Reisig gratuliert per Postkarte aus seinem Ferienhaus auf Mallorca zum Klassenverbleib, kündigt aber gleichzeitig seine Rückkehr an. „Um den Laden wieder flottzumachen“, wie er schreibt. Einige Werbeaktionen für höhere Zuschauerzahlen habe er schon im Kopf: Freibier für alle, die Eintritt zahlen, oder kostenloser Zutritt für Interessierte, die die FSV-Hymne am Eingang fehlerfrei summen können. Zum großen Coup werde allerdings seine Intervention beim Deutschen Fußball-Bund. Der soll die in der dritten Liga eigentlich gescheiterten Offenbacher Kickers per Dekret zum Aufsteiger in die zweite Liga machen und eine qualifizierte Mannschaft wieder zurückstufen. Allein das Heimspiel gegen den OFC werde den Zuschauerschnitt einer Saison um sechzig bis siebzig Prozent anheben. Danach wolle er sich bei der Stadt Frankfurt für ein größeres Stadion einsetzen. Die gerade modernisierte Haupttribüne müsse eben wieder abgerissen werden.
Frankfurt Skyliners
Der Verein aus der Basketball-Bundesliga startet vor der nächsten Saison eine neue Offensive, um seinen Status in der Stadt zu verbessern. Erst einmal kauft der Geschäftsführer Gunnar Wöbke einige neue amerikanischer Spieler ein, die zwar noch unbekannt sind, deren Nachnamen aber bald jedermann vertraut sein sollen. In der Reihenfolge ihrer Verpflichtung: Jackson, Johnson, Williamson, Richardson, Holgerson – der Letzte stellt sich allerdings als ein Schwede mit gefälschten Papieren heraus und wird von Wöbke sofort wieder weggeschickt. Trotz dieser Verstärkungen misslingt der Saisonstart, die Skyliners verlieren sechsmal nacheinander. Außerdem gibt es einen Rückschlag beim erwünschten Bau einer großen Multifunktionshalle, in der deutlich mehr Geld zu verdienen wäre als in der alten Ballsporthalle. Die Stadt Frankfurt macht noch einmal deutlich, dass sie hier keine Hilfe leisten könne, solange die Zuschauerzahlen bei den Skyliners so schlecht seien. In den ersten Spielen kommen im Schnitt nur noch 1500 Besucher, darunter die sehr großen Familien von Jackson, Johnson, Williamson und Richardson, die neugierig waren, wo ihr Vater, Bruder, Neffe, Enkel oder Urenkel denn jetzt sein Geld verdient. Solche neuen Zuschauer helfen den Skyliners natürlich nicht weiter. Dabei hätten sie mehr Zulauf nicht nur verdient, sondern auch dringend nötig, denn aus dem Römer kommt eine unmissverständliche Drohung: Sollten die Skyliners nicht bald mehr Zuschauer anlocken, dann müssen sie künftig im Bockenheimer Depot spielen.
Eintracht Frankfurt
Die Eintracht wird am Ende der Saison zweimal Platz eins belegen. In der Zweitligatabelle liegt sie am 6. Mai, also nach dem letzten Spieltag, mit identischer Punktzahl, aber besserem Torverhältnis vor der Spielvereinigung Greuther Fürth, steigt also auf. Außerdem wird Theofanis Gekas Torschützenkönig. Der Grieche ist deshalb so aus dem Häuschen, dass er verspricht, noch lange zu bleiben und and seinen Schwächen zu arbeiten. Er verlängert seinen Vertrag bis 2017 („Ich liebe Frankfurt“), belegt einen Sprachkurs an der Volkshochschule („Deutsch für Widerwillige“) und meldet sich für den Frankfurt-Marathon an („Viel Laufen liebe ich auch“). Trainer Veh ist begeistert, gibt aber nach der Aufstiegsfeier seinen Abschied bekannt. Er wolle sich nahe seiner Heimatstadt Augsburg 500 Hektar Wald kaufen, um jeden Tag vier bis fünf Stunden mit seinem Hund spazieren zu gehen. Tägliches Training gefalle ihm nicht mehr. Er sei schließlich schon einundfünfzig. Als seinen Nachfolger schlägt er Christoph Daum vor, aber als Gekas daraufhin seine Vertragsverlängerung in Frage stellt („Ich liebe Daum nicht“), entscheidet sich Vorstandschef Bruchhagen für eine Rückholaktion. Er gibt Friedhelm Funkel, der drei Tage zuvor bei Alemannia Aachen entlassen wurde, einen Vierjahresvertrag und prahlt, wie günstig diese Wahl für die Eintracht sei. Funkel arbeite für einen symbolischen Monatslohn von einem Euro und habe einer vollständigen Rückzahlung zugestimmt, sollte die Eintracht in den nächsten zwei Jahren nicht den Europapokal erreichen. Gekas ist einverstanden, schließt seinen Kurs in Rekordtempo ab und sagt danach in einer Pressekonferenz wörtlich: „Liebe ist ein großes Wort, aber eine große Sympathie für diesen Verein hege ich durchaus.“
1. FFC Frankfurt
Von diesem einen Telefongespräch hängt alles ab, weiß Siegfried Dietrich im ausgehenden Winter. Das Ansehen, die Gegenwart, die Zukunft und, „puuh“, auch die Vermarktung des 1. FFC Frankfurt. Mit zittrigen Fingern greift der Manager des einst extrem, zuletzt aber nur leidlich erfolgreichen Frauenfußballklubs, zum Handy. Dieser Anruf wird teuer, aber das ist nichts gegen die Verluste, wenn seine Teuerste nicht drangeht. Dietrich urlaubt gerade in seinem Ferienhaus in Südafrika. Birgit Prinz, früher mal beim 1. FFC und „Weltfußballerin des Jahres“, ist zum Wandern in Neuseeland, als sie das klingelnde Handy aus ihrem Rucksack fingert. Sie erkennt die Nummer, sie weiß, was jetzt kommt. „Hallo, Siggi“, brummt sie, denn beim Blick auf die neuseeländische Landschaft ist Fußball fehl am Platz. Eigentlich. „Grüüüß dich, Birgit“, flötet Dietrich erleichtert. „Du, Birgit, wir brauchen dich in Frankfurt. Du bist zwar schon 34 Jahre alt, hast seit Monaten nicht mehr trainiert, und wir haben 14 aktuelle und zwei ehemalige Nationalspielerinnen im Kader. Aber nur nach einem Comeback von dir könnten wir in diesem Jahr alle, alle Titel erreichen, die es gibt. Das wäre doch toll, oder?“ Birgit Prinz antwortet: „Meines Wissens bin ich am 12. August 2011 zurückgetreten in einer von dir einberufenen Pressekonferenz. Nein, danke!“ Dann ist der Empfang gestört. Dietrich lässt das Handy sinken, er weiß jetzt: Meisterschaft, Pokal, Hallen-Cup, Zuschauertabelle, Champions League und die Wahl zur „Frankfurter Mannschaft des Jahres“ wird er 2012 nicht gewinnen.
Reiten
Zunächst sieht es gar nicht gut aus für die Galopprennbahn in Niederrad. Nach dem Rückzug des chinesischen Investors, der nun doch kein Hotel auf dem Gelände baut, brechen auch die Zuschauerzahlen ein. Das Wettgeschäft läuft schlecht. Es fehlt Geld für weitere Modernisierungen, immer mehr Besitzer ziehen ihre Pferde ab und bieten die freigewordenen und umgebauten Ställe auf dem Immobilienmarkt als Wochenendhütten an. Rettung kommt aus dem Taunus – und zwar auf einem Pferdeanhänger mit vergoldeter Anhängerkupplung und Gardine vor dem Fenster. Ann Katrin Linsenhoff, die Mitbesitzerin des schwarzen Hengstes Totilas, hatte die Idee, das Dressurwunder aus Kronberg im Interesse seiner Artgenossen einzusetzen. Gegen einen geringen Eintritt, der später Totilas-Taler genannt wird, dürfen Zuschauer dem Zehn-Millionen-Pferd zusehen, wie es auf der Rennbahn einige Runden dreht – in Schritttempo, versteht sich, denn schnellere Bewegungen haben ihm seine beiden Trainer, sein Physiotherapeut, sein Masseur, sein Sportpsychologe und sein Rechtsanwalt verboten. Trotzdem kommen 15.000 Zuschauer, was Rekord ist für das gesamte Jahr. Für die Einnahmen werden die Ferienhütten zurückgebaut und ein Denkmal für Totilas aufgestellt.
FSV Mainz 05
]Trainer Thomas Tuchel geht Ende April gerichtlich gegen einen Fernsehsender vor, der ihn nach dem 1:5 im Heimspiel gegen Wolfsburg als „wildgewordenen Mainzer Obermotzki“ bezeichnet hat. Tuchel findet, das sei nicht angemessen – nur weil der Linienrichter am Spielfeldrand bei einer kontroversen, aber respektvollen Unterhaltung mit ihm eine Verletzung am Trommelfell erlitten habe. Unterstützung erhält Tuchel von seinem Wolfsburger Trainerkollegen Felix Magath, der sagt: „Ich kenne mich aus, Schmerzen gehören nun mal zum Fußball.“ Auch sportlich endet die Saison für die Mainzer unerfreulich. Die Mannschaft, die ein Jahr zuvor noch den Europapokal erreicht hatte, belegt nur den 16. Tabellenplatz, sie muss also in der Relegation gegen den Dritten der zweiten Liga um den Klassenverbleib spielen. Am Ende aber geht alles gut, Mainz setzt sich gegen die Überraschungsmannschaft SC Paderborn im Elfmeterschießen durch, darf also in der ersten Liga bleiben. Tuchel gibt einem der Schiedsrichter danach angeblich die Hand. Für ihn hat sich schon vorher einiges zum Guten gewendet. Seine Kurse in der Mainzer Rheingoldhalle für Yoga und Entspannungstechniken, die er in diesem Jahr neben seiner Arbeit als Trainer anbietet, sind regelmäßig ausverkauft. Außerdem wird er neuer Botschafter für das Gesellschaftsspiel „Mensch ärgere dich nicht“, das er vor allem im Ausland noch populärer machen soll. Einmal allerdings steht ihm die Rheingoldhalle nicht zur Verfügung – das ZDF hat sich mit „Wetten, dass...“ eingemietet. Mainz 05 macht das Beste daraus, denn Manager Christian Heidel ist Wettkandidat. Er behauptet, jedes Mitglied des Vereins durch Ertasten des Gesichts erkennen und neben dem vollen Namen, die Adresse und die Anzahl der Stadionbesuche in den vergangenen drei Jahren nennen zu können. Heidel verliert. Sein Wetteinsatz: ein Yoga-Kurs bei Tuchel.

