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Spielbank Bad Homburg Neues Jahr beginnt mit einem Neuanfang im Casino

 ·  Zum ersten Mal übernimmt eine städtische Gesellschaft den Betrieb der Bad Homburger Spielbank. Umbauten sind für dieses Jahr geplant.

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Keine große Silvesterparty, nicht einmal die Gelegenheit zu hohem Einsatz auf den allerletzten Drücker: Am Montag bleibt die Spielbank Bad Homburg geschlossen. Der Grund ist ein historisch zu nennender Vorgang. Der Betrieb des Casinos geht, zum ersten Mal in seiner 171 Jahre zurückreichenden Geschichte, in die Hand einer städtischen Gesellschaft über. Die François-Blanc-Spielbank GmbH Bad Homburg, eine Tochter der wiederum zu 100 Prozent städtischen Kur- und Kongress GmbH, ist von morgen an dafür zuständig, dass im Kurpark die Roulette-Kugel rollt und sich die nur noch elektronisch dargestellten Zahlenwalzen der Automaten drehen. Bis auf die Schließung am Montag werden die Spieler zunächst einmal wenig von den geänderten Verhältnissen bemerken. „Es gibt vielleicht ein Glas Sekt zur Begrüßung“, sagt Lutz Schenkel, Geschäftsführer der Blanc-Gesellschaft, über den Neuanfang im neuen Jahr. Natürlich seien Veränderungen am Erscheinungsbild und Umbauten geplant. Aber diese würden erst im Lauf des Jahres erfolgen.

Obwohl Schenkel seit 1. Oktober als Prokurist für den bisherigen Konzessionär Werner Wicker arbeitet, ist er der eigentliche neue Mann im Brunnensälchen und seinen Anbauten. Er leitete zuvor das Casino Schenefeld bei Hamburg und hatte der Kur schon bei der Bewerbung um die Konzession zur Seite gestanden. Kurdirektor Ralf Wolter teilt sich zwar die Geschäftsführung der Blanc-Gesellschaft mit Schenkel. Dieser ist jedoch als Spielbetriebsdirektor für das eigentliche Casinogeschäft verantwortlich. Ähnlich sieht die Aufteilung in der zweiten Reihe aus: Holger Reuter sorgt als Prokurist der Kur für die Verbindung zur Muttergesellschaft, während ihm mit Frank Heiden ein langjähriger Mitarbeiter der Bad Homburger Spielbank zur Seite steht. Schenkel ist über den reibungslosen Übergang froh. Er sei möglich gewesen, weil der Betreiberwechsel keine „feindliche Übernahme“ sei: Wicker hatte sich nicht um eine Verlängerung der Konzession bemüht.

„Die Branche ist konservativer als die Gäste“

Der 51 Jahre alte neue Spielbetriebsdirektor ist gelernter Bankkaufmann. 1986 begann er für die Westdeutsche Spielbanken GmbH in Nordrhein-Westfalen zu arbeiten. Als diese 1991 eine Auslandskonzession für Dänemark bekamen, baute er dort die neuen Spielbanken mit auf. Kurz zuvor hatte er noch in Ostberlin die ersten Casinos eröffnet. 1996 ging er nach Schleswig-Holstein und übernahm die Verantwortung für die neue Spielbank Schenefeld. Sie war mit ihrer Lage in einem Einkaufszentrum ungewöhnlich. „Wir haben erstmals Automatenspiel und Klassisches Spiel in einen Saal gepackt“, sagt Schenkel. Die Fachleute hätten das zunächst für unmöglich erklärt und seien dann zu Besichtigungstouren gekommen. „Die Branche ist konservativer als es die Gäste sind“, hat er als Erfahrung mitgenommen.

Die große Tradition und der gute Ruf Bad Homburgs haben Schenkel an den Taunus gelockt. An Herausforderungen mangelt es auch hier nicht, denn die Spielbanken verzeichneten in den vergangenen Jahren sinkende Gästezahlen, fallende Bruttospielerträge und weniger Trinkgelder, mit denen ursprünglich das Personal komplett bezahlt wurde. Gegen ein geändertes Freizeitverhalten oder die wirtschaftlichen Sorgen potentieller Gäste ist er machtlos. „Früher verbrachten die Leute den ganzen Abend im Casino“, sagt der Spielbetriebsleiter. Heute seien es noch 80 bis 90 Minuten, etwa nach dem Essen oder vor der Disco. Dabei hat die Bad Homburger Spielbank mit ihrem Restaurant und der Lounge Angebote für beide Arten von Vergnügen.

„Sie wissen die Tradition zu schätzen“

In dieser Hinsicht habe der bisherige Konzessionär früh den richtigen Weg eingeschlagen, so Schenkel. Auch das Publikum zeuge von Potential. Der Anteil der Erstbesucher sei in Bad Homburg mit 16 Prozent ungewöhnlich hoch, und das internationale Flair sei kein leeres Versprechen, weil ein Fünftel der Gäste aus dem Ausland kämen. Bei diesen wiederum lägen Russen mit 20 Prozent an der Spitze. „Sie wissen die Tradition zu schätzen“, glaubt der Geschäftsführer. An zweiter Stelle kämen die Asiaten mit zwölf Prozent Anteil an den ausländischen Gästen. Nicht jeder Trend müsse im Übrigen langfristig zum Schaden der Spielbanken sein. Online-Poker etwa habe das Kartenspiel wieder populär gemacht.

165 Automaten, acht Roulette-Tische, sechs Black Jack- und drei Pokertische hat das Casino Bad Homburg mit seinen 240 Mitarbeitern heute. Auch wenn sich das Innere deutlich verändern soll, verspricht Schenkel, beim „Sprung ins 21. Jahrhundert“ das klassische Spiel zu bewahren. Das Casino werde aber mehr zum Veranstaltungsort. „Wir sind nicht auf dem Weg ins Museum, obwohl wir an die Tradition anknüpfen“, sagt der Geschäftsführer.

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