Home
http://www.faz.net/-gzg-75ls9
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Spessart-Werbung „Keine Hinweise auf Unzufriedenheit“

Der Main-Kinzig-Kreis beendet die hessisch-bayerische Kooperation bei der Vermarktung des Spessarts zum 29. Mai 2014. Bei den bayerischen Partnern hat die nun eingetroffene Kündigung Unverständnis ausgelöst.

© Rüchel, Dieter Vergrößern Steinau an der Straße: Das Schloss zieht Touristen aus allen Richtungen an. Wer dafür wirbt, muss zahlen.

Unverständnis hat der bevorstehende Ausstieg des Main-Kinzig-Kreises aus der gemeinsamen Vermarktung des Spessarts bei den bayerischen Partnern ausgelöst. Das Kündigungsschreiben aus Gelnhausen traf in diesen Tagen bei der Geschäftstelle des Gebietsausschusses Spessart-Mainland ein. Laut diesem Brief wird der Main-Kinzig-Kreis aus der im Jahr 2008 geschlossenen hessisch-bayerischen Kooperation zum 29. Mai 2014 ausscheiden. Dies ist der früheste Zeitpunkt für das Verlassen der auch unter dem Titel Tourist-Information Spessart-Mainland firmierenden Organisation.

Die Kündigung beruht auf dem einstimmigen Beschluss des Main-Kinzig-Kreistags am 21. Dezember 2012, sechs Regionalgesellschaften - unter ihnen sind auch die Frankfurt/Rhein-Main GmbH, der Verein Wirtschaftsförderung Region Frankfurt/Rhein-Main und die Kulturregion Frankfurt/Rhein-Main GmbH - so bald wie möglich zu verlassen (F.A.Z. vom 22. Dezember 2012).

30.000 Euro Kosten jährlich für den Kreis

Die Mitgliedschaft im Gebietsausschuss Spessart-Mainland kostet den Main-Kinzig-Kreis jährlich 30.000 Euro. Finanziert wird Spessart-Mainland von den Landkreisen Aschaffenburg, Miltenberg, Main-Spessart und Main-Kinzig und von der Stadt Aschaffenburg. Dazu kommen knapp 70 Städte und Gemeinden aus diesen Kreisen. Aus dem Main-Kinzig-Kreis sind dies die beiden Kurstädte Bad Orb und Bad Soden-Salmünster, außerdem Biebergemünd, Flörsbachtal, Schlüchtern, Sinntal und Steinau.

Diese Kommunen sind beispielsweise vertreten in einem gerade erschienenen Prospekt mit Gastgeberverzeichnis, herausgegeben von Spessart-Mainland, und in der Broschüre „Freizeit aktiv“ mit einer Veranstaltungsübersicht. Zu den gemeinsamen Projekten zählen die Vermarktung von Wanderwegen wie dem Eselsweg und der Birkenhainer Straße und Angebote aus den Bereichen Gesundheit und Kultur. Als Begründung für den Ausstieg aus allen Gesellschaften führt Erich Pipa (SPD), Landrat des Main-Kinzig-Kreises, das Bestreben an, eine einheitliche Organisation für das Rhein-Main-Gebiet und das benachbarte bayerische Grenzland zu schaffen, in dem die Förder- und Marketingstrukturen für Wirtschaft, Kultur und Tourismus miteinander vernetzt sind und unter einer einzigen Dachmarke auftreten. Es gehe ihm nicht um die Einsparung von rund 300.000 Euro durch das Ausscheiden aus den Organisationen, sondern um das Vermeiden von doppelten Strukturen, um mehr Übersichtlichkeit und Gemeinsamkeit. Gerne sei der Kreis bereit, die bislang aufgewendete Summe in Zukunft für eine solche Organisation auszugeben, sagte Pipa dieser Zeitung.

Rückkehr zu Kooperation nicht ausgeschlossen

Im Verlauf des vergangenen Jahres seien seine Bemühungen gescheitert, mehr über die Arbeit der Regionalgesellschaften zu erfahren, insbesondere über die genaue Verwendung der Gelder, so Pipa. Jeder mache, was er gerade für richtig halte. So könne es nicht weitergehen, fügte er hinzu. Von seiner Kritik nahm Pipa den Gebietsausschuss Spessart-Mainland ausdrücklich nicht aus und warf diesem mangelnde Transparenz vor. Im Keller des Landratsamtes stapelten sich die Tourismusbroschüren, über die kein Überblick mehr bestehe. Nun wolle er alles auf den Prüfstand stellen, auch die eigene Tourismusverwaltung. Diese wurde nach der jüngsten Kommunalwahl und der Übernahme des Tourismusdezernats durch Pipa von Günter Frenz (CDU) mit der Wirtschaftsförderung in ein Dezernat zusammengeführt. Pipa ist der zuständige Dezernent, das Amt wird für 24 Monate kommissarisch geleitet. Der Landrat kündigte eine externe Schwachstellenanalyse der Tourismusverwaltung an. Kämen die Prüfer zu dem Schluss, dass sich die hessisch-bayerische Kooperation für den Main-Kinzig-Kreis bewährt habe, sei eine Rückkehr nicht ausgeschlossen.

Darauf hofft auch Aschaffenburgs Oberbürgermeister Klaus Herzog (SPD), der Mitglied des Vorstands von Spessart Mainland ist. Im Jahr 2008 habe sich der Main-Kinzig-Kreis für eine gemeinsame Vermarktung des Spessarts entschieden. Die Zusammenarbeit sei erfolgreich verlaufen, was gemeinsame Projekte und steigende Übernachtungszahlen belegten. Die durch den Austritt erzielten Einsparungen stünden in keinem Verhältnis zu den Vorteilen für den Tourismus auch in den Kurstädten Bad Orb und Bad Soden-Salmünster sowie für den Erhalt der Arbeitsplätze in der Tourismusbranche. Er hoffe, dass der Main-Kinzig-Kreis die Entscheidung korrigiere. Für Ulrich Reuter (CSU), Landrat des Kreises Aschaffenburg und Vorstandsvorsitzender von Spessart-Mainland, kam der Austritt, wie er sagte, überraschend. Es habe keine Hinweise dafür gegeben, dass der Main-Kinzig-Kreis mit der Zusammenarbeit unzufrieden gewesen sei. Glücklicherweise sei genügend Zeit, um nach Wegen einer weiteren Zusammenarbeit zu suchen.

Mehr zum Thema

Geschäftsführer Michael Seiterle plädierte für eine Fortsetzung der Zusammenarbeit, denn für die Touristen gebe es keine Landesgrenze im Spessart. Den Vorwurf mangelnder Transparenz wies er zurück. Alle Ein- und Ausgaben seien im Haushalt nachzulesen, der vom Vorstand und der Mitgliederversammlung im Beisein von Vertretern aus dem Main-Kinzig-Kreis beschlossen werde. Es selbst stehe in kontinuierlichem fachlichem Austausch mit dem Leiter für Tourismus im Main-Kinzig-Kreis, Burghardt Kornherr. Dieser war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Eine Lösung muss nach den Worten Seiterles für die hessischen Mitgliedskommunen gefunden werden. Voraussetzung für deren Verbleib sei die Mitgliedschaft ihres Kreises. Denkbar sei eine Sonderregelung, wenn sich der Vorstand verständige.

Der Main-Kinzig-Kreis, sagt dessen Landrat Erich Pipa (SPD), sei bereit, für andere Strukturen zu zahlen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Prinzip Hoffnung hilft Eintracht nicht weiter

Von Marc Heinrich

Eintracht Frankfurt hat die Abgänge von Rode, Schwegler und Joselu nicht ausreichend kompensiert. Von Verstärkungen ganz zu schweigen. Es droht eine Spielzeit, die früh lediglich eines verspricht: viel mehr Schrecken als Spaß. Mehr 5 8