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SPD-Plan : CDU warnt vor „Einheitsschule“ in Hessen

Die hessische CDU warnt vor einem schulpolitischen Systemwechsel. In scharfen Worten kritisierte sie Pläne der SPD, das dreigliedrige Schulsystem abzuschaffen.

          Zwischen CDU und SPD zeichnet sich eine heftige Auseinandersetzung über die Zukunft der hessischen Schulen ab. Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag und frühere Kultusminister, Christean Wagner, warf den Sozialdemokraten in Wiesbaden vor, sie wollten Gymnasien und Förderschulen abschaffen und durch eine „Einheitsschule“ ersetzen. Das sei „eine offene Kriegserklärung an Schulvielfalt und Wahlfreiheit“. Die CDU nehme den Fehdehandschuh gern auf, sagte Wagner mit Blick auf die Landtagswahl in einem Jahr. „Wir werden mit aller Kraft dafür kämpfen, dass ein solcher Unsinn zu Lasten unserer Kinder nicht Wirklichkeit wird.“

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wagner wies darauf hin, dass die SPD das erklärte Ziel habe, alle weiterführenden Schulen bis zur zehnten Klasse zu einer „Gemeinschaftsschule“ zu entwickeln. „Nach diesem Modell sitzen alle Schüler, von Förderschülern bis zu Gymnasiasten, in einer Klasse.“ Die CDU wolle keinen Systemwechsel hin zu „Einheitsschulen“, ergänzte der bildungspolitische Sprecher der Landtagsfraktion, Günter Schork. Das gegliederte Schulsystem mit schulformbezogenen Lehrplänen, Stundentafeln und Abschlüssen habe sich bewährt und sei die beste Antwort auf die unterschiedlichen Begabungen von Schülern. Mit dem Versuch, „Einheitsschule, Einheitslehrer und Einheitsschüler“ zu schaffen, vollziehe die SPD eine „Rolle rückwärts in die siebziger Jahre“, äußerte Schork. „Schule ist kein Mittel zur Gesellschaftsveränderung.“

          SPD kontert CDU-Vorwurf

          Die bildungspolitische Sprecherin der SPD im Landtag, Heike Habermann, bescheinigte den beiden CDU-Abgeordneten einen kabarettreifen Auftritt. Wagner und Schork konstruierten Zusammenhänge, benutzten ein „Angst-und-Schrecken-Vokabular“, ignorierten die Bildungsforschung und setzten stattdessen auf Glaubensbekenntnisse. Während die Union an einem selektiven System festhalte, wollten die Sozialdemokraten Ganztagsschulen, in denen möglichst lange gemeinsam gelernt werde und in denen die individuellen Bedürfnisse der Kinder Berücksichtigung fänden.

          Der Generalsekretär der hessischen SPD, Michael Roth, konterte den Vorwurf des CDU-Fraktionschefs, die Sozialdemokraten hätten in der Bildungspolitik „Steinzeit-Vorstellungen“, mit den Worten: „Für CDU-Bildungsdinosaurier ist auch die Steinzeit schon Zukunft.“ Seine Partei wolle „keine ideologischen Grabenkämpfe“, betonte der SPD-Landesvorsitzende und Fraktionschef Thorsten Schäfer-Gümbel, sie werde einer Debatte über die bessere Schulpolitik im Landtagswahlkampf aber auch nicht ausweichen.

          „Ideologisch gefärbt“

          Auch die FDP, der Koalitionspartner der Union, warnte davor, das funktionierende System mit einem Höchstmaß an Schulvielfalt zugunsten einer Einheitsschule abzuschaffen. „Eine derart ideologisch gefärbte und gefährliche Bildungspolitik zu Lasten der hessischen Schüler muss vermieden werden“, sagte der Abgeordnete Mario Döweling. Die Landtagsfraktion der Grünen nannte es bedauerlich, dass CDU und SPD offenbar „eine weitere Runde im hessischen Schulkampf“ einläuten wollten. Eine gedeihliche Entwicklung der Schulen sei nicht mit Zwangsbeglückungen von oben, sondern nur im Konsens mit Schülern, Eltern und Lehrern zu erreichen, äußerte der Abgeordnete Mathias Wagner.

          Eltern- und Schülervertreter kritisierten in Wiesbaden den von neun auf acht Jahre verkürzten Weg zum Abitur (G8) an Gymnasien. Der stellvertretende Vorsitzende des Landeselternbeirats, Matthias Bedürftig, und Clara Veith von der Landesschülervertretung nannten die Verkürzung der Schulzeit in der Mittelstufe grundfalsch. Den Schülern bleibe durch die langen und intensiven Schultage kaum noch Zeit und Energie, sich außerschulisch zu engagieren. Auch die von der Landesregierung geplante Wahlfreiheit zwischen einer acht- und einer neunjährigen Gymnasialzeit sei keine zufriedenstellende Lösung. Bedürftig und Veith plädierten dafür, in der Oberstufe ein Angebot mit Unterrichtsmodulen zu schaffen. Dann könne jeder Schüler selbst entscheiden, ob er die Oberstufe in zwei, drei oder vier Jahren absolvieren wolle. Unterdessen forderte die Linkspartei im Landtag die Einstellung von 7500 zusätzlichen Lehrern.

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