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Keine Nistplätze, zu wenig Futter : Spatzen in der Defensive

Wohlfühlatmosphäre: Schaukasten mit Spatzennest Bild: Marcus Kaufhold

Keine Nistplätze und zu wenig Futter - die unscheinbaren Vögel haben es nicht leicht. In Wiesbaden will man sie besser behandeln.

          Als vor zehn Jahren noch die Würstchenbude auf dem Mauritiusplatz in der Wiesbadener Innenstadt stand, war dort permanent ein lautes Tschilpen zu hören. Doch inzwischen ist es dort still geworden. Die Spatzen sind weg. Auch in Wiesbaden finden sie den Raum, den sie zum Leben benötigen, immer seltener.

          Ewald Hetrodt

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Wiesbaden.

          Dass das Image der unscheinbaren kleinen Vögel schlecht ist, belegt schon der Volksmund. Dabei ist der Begriff Dreckspatz eine einzige Ungerechtigkeit. Denn der Haussperling ist in Wirklichkeit reinlich. Die Eltern picken den Kot der Jungen auf und bringen ihn

          ein paar hundert Meter weit weg. Schwalben hingegen verdrecken die Stellen unter ihren Nestern systematisch. Und trotzdem erfreuen sie sich, zumindest im Sprichwort, großer Beliebtheit. „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“ klingt jedenfalls positiver als „Spatzenhirn“.

          Vviele ältere Besucher geradezu fasziniert

          Dass der Haussperling jenseits der im Sprachgebrauch zum Ausdruck kommenden gesellschaftlichen Ächtung eine treue Fangemeinde besitzt, weiß Isa Außem zu berichten. Sie hat im Wiesbadener Umweltladen eine Ausstellung kuratiert, die viele ältere Besucher geradezu fasziniert. Vor allem die Exponate aus der Naturhistorischen Sammlung des Museums Wiesbaden lösten bei den Betrachtern viele Emotionen aus, sagt Außem. „Viele feiern hier ein Wiedersehen mit alten Bekannten. Der Spatz sei für viele ein liebgewordenes Stück Natur in der Stadt“, konstatiert Außem. Viele Kindergartenkinder kennen den Vogel hingegen kaum. Insgesamt 18 Gruppen haben sich im Umweltladen angekündigt, um sich die kleinen Exemplare aus der Nähe anzuschauen.

          Der weitverbreitete Irrglaube, dass es mehr als genug Spatzen gebe, ist darauf zurückzuführen, dass sie nie allein, sondern immer in großen Scharen auftreten. Sie nisten, brüten und zwitschern gemeinsam. Im vergangenen Jahrhundert haben sich die Spatzen mit dem Aufpicken von Körnern den Ruf von Ernteschädlingen eingehandelt - übrigens auch zu Unrecht. Denn die wenigen Körner, die sie den Bauern weggepickt haben, fielen nicht ins Gewicht.

          Der Rückgang der Populationen in den Städten hängt damit zusammen, dass moderne Gebäude heute unter dem Dach und an den Fassaden hermetisch abgeriegelt sind und größeren Vogelgruppen nicht mehr genug Möglichkeit zum Nisten geben. Auch die Wärmedämmung bei Altbauten nimmt dem Haussperling seine Nischen. Einige wenige Lücken erlauben es einer einzigen Spatzenfamilie hier und dort, ein kleines Nest zu bauen. Aber für eine größere Schar gibt es kaum noch Platz.

          Für „konstruktiven Spatzenschutz“

          Und es fehlt am Futter. Brachliegende Grundstücke werden nachverdichtet. Gärten und Grünanlagen werden so regelmäßig gepflegt, dass Wildkräuter dort keine Chance haben. Deren Samen aber hätten die Spatzen so gerne. Wegen der Versiegelung der Böden fehlen Wasser und Staub zur Pflege des Gefieders. Und weil unter diesen Bedingungen auch immer weniger Insekten zu finden sind, haben es die Spatzeneltern schwer, Nahrung für ihre Kleinen zu finden. So ist der scheinbar so robuste Allerweltsvogel von einst inzwischen in die Vorwarnliste bedrohter Arten aufgenommen worden.

          Die Ausstellung im Wiesbadener Umweltladen will die Besucher für diese Gefährdung sensibilisieren und für einen „konstruktiven Spatzenschutz“ werben. So kann man beispielsweise auf dem Balkon oder der Terrasse ein kleines „Reihenhäuschen“ aufstellen, das drei Spatzen in getrennten Fächern eine Nist- und Brutmöglichkeit bietet. In der Standardausführung aus Holz und Teerpappe kostet es im Umweltladen 26 Euro. Gezwitscher inbegriffen.

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