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Sparprogramm Deutsche Börse will Stellen nach Prag verlagern

 ·  Die Deutsche Börse will im Zuge ihres vor zwei Wochen bekanntgegebenen Sparprogramms auch wieder Stellen von Eschborn nach Prag und an andere kostengünstigere Standorte im Ausland verlegen.

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Die Deutsche Börse will im Zuge ihres vor zwei Wochen bekanntgegebenen Sparprogramms auch wieder Stellen von Eschborn nach Prag und an andere kostengünstigere Standorte im Ausland verlegen. Wie berichtet, wird die Börse bis 2016 insgesamt 200 normale Stellen und 50 Führungspositionen streichen. In dieser Zahl seien die geplanten Verlagerungen enthalten, sagte der Finanzvorstand des Unternehmens, Gregor Pottmeyer, am Mittwoch während der Bilanzpressekonferenz. Dass rechnerisch in der Zentrale in Eschborn allerdings mehr Stellen wegfallen könnten, wenn sie konzernintern nach Prag verlagert werden, wollte Pottmeyer nicht kommentieren. Die Gespräche mit den Betriebsräten seien angelaufen, sagte er lediglich.

30 Millionen Euro jährlich will die Börse bis 2016 beim Personal sparen. Vor allem in der zentralen Informationstechnologie sollen laut Pottmeyer Arbeitsplätze wegfallen, weniger in den Geschäftsabteilungen. Schon jetzt arbeiteten 460 Mitarbeiter in der tschechischen Hauptstadt, das Modell des „near-shoring“, also der Auslagerung von Arbeitsplätzen ins nahegelegene Ausland, habe sich bewährt.

Auf veränderte Marktbedingungen reagieren

Vorstandsvorsitzender Reto Francioni sagte: „Wir sind ja mittlerweile für unsere Sparprogramme bekannt, dabei ist es aber noch nie zu betriebsbedingten Kündigungen gekommen.“ Auch diesmal strebe man dies an und werde den Mitarbeitern „die Teilnahme an einem Freiwilligenprogramm“ anbieten. Dazu gehören Instrumente wie Vorruhestand, Abfindungen oder auch das Einlegen eines sogenannten Sabbatjahres. Das Sparprogramm umfasst außer der Verringerung der Personalkosten auch die Kürzung der Sachkosten um 40Millionen Euro. An dieser Stelle wolle man vor allem an externen Beratungsdienstleistungen und an den IT-Kosten sparen, sagte Pottmeyer. Die Realisierung des Sparprogramms lässt sich die Börse 90 bis 120 Millionen Euro kosten.

Francioni betonte, dass die Verringerung der Kosten wichtig sei, um auf die veränderten Marktbedingungen zu reagieren. Sowohl an den Aktien- als auch an den Derivatemärkten wurde im vergangenen Jahr deutlich weniger gehandelt, was Francioni gestern unter anderem auf die schärferen Regeln für Banken und andere große Marktteilnehmer zurückführte. Unter dem Strich blieb der Börse ein Konzernjahresüberschuss von 645Millionen Euro, nach 855 Millionen Euro 2011.

Hoffnungsträger Clearstream

Das klassische Aktiengeschäft über Xetra, unter das auch die Frankfurter Wertpapierbörse fällt, verliert dabei immer mehr an Bedeutung. Allein mit dem Bereitstellen von Marktdaten, etwa in Form von Aktienindizes wie Dax und Tecdax, hat der Konzern 2012 ein Drittel mehr verdient als mit den Xetra-Plattformen. Am Handel von Derivaten, zum Beispiel Terminkontrakte auf Rohstoffe, verdiente die Börse 2012 sogar mehr als vier Mal so viel. So gibt es für Xetra fortan kein eigenes Vorstandsressort mehr. Mit dem Ausscheiden des zuständigen Vorstandmitglieds Frank Gerstenschläger wird das Geschäft Derivate-Vorstand Andreas Preuß zugeschlagen - um auch hier die Effizienz zu erhöhen, wie Francioni sagte.

Weiterer Hoffnungsträger ist die Tochter Clearstream, die Dienstleistungen rund um den Börsenhandel wie das Verrechnen von Wertpapierkäufen und -verkäufen anbietet. Sie ist weniger abhängig von Marktlaunen, hat 2012 nur fünf Prozent Umsatz eingebüßt und macht jetzt schon ein Fünftel ihrer Erlöse dort, wo Francioni mit dem ganzen Konzern stärker am Wachstum teilhaben möchte: in Asien. Eine „Taskforce“ unter der Leitung des Vorstandschefs sucht derzeit nach Einstiegsmöglichkeiten in asiatische Märkten. Vor allem aber will man dort organisch wachsen, also bestehende Einheiten und Kooperationen ausbauen.

Francioni hob jedoch hervor, dass die Marktteilnehmer in Deutschland „hohe Priorität“ behalten sollten. Die Börse sei kein Unternehmen wie jedes andere, sondern wir tragen eine hohe Verantwortung für den deutschen Finanzsektor und für die deutsche Volkswirtschaft insgesamt.“

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