Das Weihnachtsfest liegt wenige Tage zurück. Was sagt die Art, wie wir Weihnachten feiern, über uns aus?
Sehr viel. Das Weihnachtsfest ist stillgestellte Zeit, in der wir uns vom Tempodruck lösen, unter dem das Leben in einer modernen Zeit steht. Auch Erwachsene werden gewissermaßen wieder Kinder, die Zeit der Ankunft, die Idee einer möglichen Korrektur durch exemplarische Güte, hier wird eine lebenslange Magie-Erwartung handlungswirksam.
Von christlichen Bezügen reden Sie gar nicht mehr?
Doch, gerade. Die Religiosität ist auf eine Weise dominant in unserem Handeln, die wir uns gar nicht mehr klarmachen. Wer den Glauben über den Kirchenbesuch definiert, sieht leere Kirchen. So entsteht die These eines Bedeutungsverlustes. Aber der Raum der Geschichten und Mythen ist auch in der modernen Gesellschaft durch die Religion bestimmt. Ich hadere ein bisschen mit meiner Disziplin, dass sie die Bedeutung der Religion beinah nur noch im Blick auf den Islam thematisiert.
Inwieweit kann Religiosität überdauern, wenn die Kirchen leer sind?
Das kann sie, indem sie nach wie vor die großen zyklischen Ereignisse des Lebens begleitet, also Geburt, Familiengründung, Krankheit, Alter, Tod - Krisenerfahrungen der Menschen, die deutungsbedürftig sind. Darauf gibt es zwar auch verweltlichte Antworten, aber selbst darin ist die Wirkungsmacht des Religiösen nach wie vor sichtbar.
Aber religiöse Bedürfnisse leben sich ja längst auch in esoterischen Buchhandlungen und Volkshochschulkursen aus.
Ja nun, was haben wir da vor uns? In dem Maße, in dem der Glauben den Institutionenraum verlässt, in dem er eigentlich zu Hause ist, wird er zugänglich für Deutungen, die aus anderen Kulturkreisen kommen. Wie schon Max Weber gesagt hat, ist alle Religion diesseitsorientiert. Damit meint er, dass man sie in Anspruch nimmt zur Krisendeutung und zur Identitätsstiftung.
Könnte man sich nicht viele Erkenntnisse der Soziologie auch mit gesundem Menschenverstand erschließen?
Das ist eine Formulierung, der ich sofort zustimme. Die Soziologie ist eine Disziplin, die Voraussetzungen und Folgen menschlichen Handelns überprüft. Dabei ist sie ausgerichtet auf die Detrivialisierung von Zusammenhängen. Das heißt, wir müssen Vorgänge, die in der Alltagswahrnehmung vollkommen selbstverständlich erscheinen, durch Abstraktion und perspektivische Differenzierung als nichtnatürlich und nichttrivial interpretieren. Das ist die eine Seite. Die andere: Wir müssen in der Lage sein, die Befunde zu retrivialisieren, verstehbar machen.
Zum Beispiel?
Wollen wir Befunde über die berufliche Situation von Krankenschwestern auf einer Intensivstation, einem täglichen Umgang mit dem möglichen Tod, vermitteln, können wir nicht sagen: „Lesen Sie erst mal die Klassiker der Soziologie.“ Sondern wir müssen Erkenntnisse in die Sprache des Falles übersetzen und dabei dennoch die gebotene analytische Stimmigkeit nicht verletzen.
Wie kommen Sie auf Ihre Themen?
Durch Beobachtung wie durch theoretische Reflexion. Mich interessieren elementare Formen des Austauschs. Eine Kooperation mit dem Schauspielhaus etwa ermöglicht es, dass meine Studenten Proben besuchen können. Dort können sie etwas für die Soziologie zentral Wichtiges beobachten, der Regelcharakter von Kommunikation wird anschaulich. Da wird zum Beispiel eine Szene geprobt, und plötzlich ruft Reese (der Intendant): „Stopp, die Szene bitte noch einmal, das war mir zu melancholisch.“ Das Konstruierte des Sozialen zu sehen ist Gold wert für jemanden, der in eine Disziplin einsteigt, in der er sich distanzieren muss von der Alltagswahrnehmung.
Sie haben sich auch mit dem Thema Dienstleistungen und Service beschäftigt. Wo finden Sie den Stoff dafür? Fahren Sie Bahn, besuchen Sie oft Restaurants, nutzen Sie Callcenter?
Letzteres nicht, aber in der Bahn sitze ich gern im Bordrestaurant. Dort habe ich aufschlussreiche Beobachtungen gemacht. Gelegentlich bitten mich auch Hotels um Beratung. Zur Mikrosoziologie sind sehr schöne Arbeiten, etwa über Bodyguards oder über das Personal auf Kreuzfahrtschiffen, entstanden.
Mit welchem Ziel?
Ich bereite meine Studenten darauf vor, dass sie mit ihren Arbeiten eine gewisse Chance haben, beruflich unterzukommen. Bei mir werden keine rein theoretischen Arbeiten geschrieben, sondern solche mit einem Forschungsbezug. Denn machen wir uns nichts vor: Die Reputation der Soziologie als einer Schlüsseldisziplin zum Verständnis der modernen Gesellschaft ist geschwächt. An die Stelle sind Neurologie, Finanzwissenschaft und Betriebswirtschaft getreten. Sie haben der Soziologie die Butter vom Brot genommen, das mag sich aber auch wieder ändern.
Was wird aus Ihren Hauptfachstudenten?
Ein Doktorand, der eine exzellente Arbeit über die Rehabilitation von Parkinson-Patienten nach Tiefer Hirnstimulation geschrieben hat, ist in der Werbung untergekommen, in der Forschung konnte ich ihn nicht halten. Eine Studentin, die eine preisgekrönte Arbeit über die Kooperation in einem Streichquartett vorgelegt hat, beginnt zu promovieren über die Geschichte des Ensemble Modern. Kurzum: ganz unterschiedlich. Ich kann sie nicht anflehen, in der Wissenschaft zu bleiben, weil Wissenschaftskarrieren extrem problematisch sind.
Warum?
Weil nach der Promotion oft ein großer Bruch kommt. Es gibt zu wenig interessante Stellen, zumal in diese Zeit auch die Familiengründung fällt. Deshalb versuche ich die Soziologie und ihre Leistungsfähigkeit in der Öffentlichkeit bekannt zu machen, so gut ich es kann.
Eine Weile war der Begriff „Servicewüste Deutschland“ en vogue. Teilen Sie diesen Befund?
Da hat sich viel geändert. Manchmal habe ich den Eindruck, dass die professionalisierte Zuvorkommenheit überakzentuiert, dass sie nicht von einer Gastronomie- oder Hotellerietradition getragen wird. Das wirkt oft angestrengt oder aufgesetzt. Dabei muss man allerdings auch den Strukturwandel in der Gastronomie und Hotellerie berücksichtigen. Wir haben nur noch ganz wenige dieser großen Hotels, und den berühmten Gast, der zwei Monate bleibt und durch seine Präsenz auch die Hotelkultur mitprägt, den gibt es selbst in den ganz großen Häusern nicht mehr. Damit schwindet die Kulturträgerschaft des Kellners, denn der Kellner ist ja ein Kulturträger. Auch das ist für die Soziologie wichtig: die Kulturbedeutsamkeit von Tätigkeiten zu zeigen, denen wir im Alltag kaum eine Aufmerksamkeit schenken.
Gibt es andere Berufe, für die das ebenfalls gilt?
Nehmen wir den Beruf des Zootierpflegers, über den in Kooperation mit dem Frankfurter Zoo eine Dissertation entsteht. Eine solche soziologische Studie gibt es bisher nicht. Aber es ist ein hochinteressanter Beruf, weil Tierpfleger ein Wissen über Tiere haben, das man nicht in Büchern lesen kann. Gleichzeitig entwickeln sie gelegentlich eine Haltung, die man mit dem Satz „Mein Pinguin und ich gegen den Rest der Welt“ beschreiben könnte, ein forcierter moralischer Avantgardismus im Selbstgefühl, der eine Art Flucht in die Tierwelt nahelegt. Auf der Grundlage dieser Studie ist für das Jahr 2014 in Frankfurt eine Konferenz über den Zoo als öffentliche Einrichtung geplant.
Das Interessante im Zoo sind ja nicht die Tiere, sondern die Besucher.
Die Besucher in Relation zu den Tieren, um genau zu sein. Die Besucher müssen sich einen Reim daraufmachen, was sie von den Tieren geboten bekommen. Und von den Tieren bekommen sie Eigentümliches geboten, etwa Schamlosigkeit. In so einem Affengehege etwa ist ja stets etwas los, und es ist fast immer beschämend. Das will verstanden und klug gedeutet werden. Es ist die Begegnung mit einer tabuierten Wirklichkeit, den Kindern zu erklären, was die Affen da treiben.
Wir führen dieses Gespräch im Kaffeehaus. Haben Sie sich einmal mit der Soziologie des Trinkgelds beschäftigt?
Es gibt ein wunderschönes Buch von Winfried Speitkamp aus Kassel mit dem Titel „Der Rest ist für Sie!“ Trinkgeld ist ein wichtiges Phänomen, das in die Kultur des Gebens gehört. Wie Weihnachten zeigt es die Sehnsucht der Menschen nach einer authentischen Fürsorgebeziehung. Wir werden vom Kellner bedient, dafür wird er bezahlt. Aber wenn wir ihm Trinkgeld geben, personalisieren wir die Beziehung zu ihm. Mit dieser kleinen zusätzlichen Gabe machen wir ihn transitorisch zu einem Hausdiener, der nur für uns da ist.
Plagt uns beim Trinkgeld nicht ständig die Sorge, entweder zu geizig oder zu protzig zu erscheinen?
Genau, gerade deshalb entstehen Angemessenheitsüberlegungen. Das gilt für alle Regeln. Von klein auf werden wir in Regeln sozialisiert, die nach Angemessenheitskriterien beurteilt werden. Wir fragen uns ständig, ob das, was wir tun, angemessen ist.
Regeln äußern sich auch in Umgangsformen. Wie sehen aus Ihrer Sicht zeitgemäße Manieren aus?
Sie werden minimal durch die Kultur des Entgegenkommens bestimmt. Entscheidend ist die Vorab-Geste, die man dem anderen entgegenbringt.
Was heißt das konkret?
Das heißt: Ich bin der Erste, der etwas gibt. Der Erste, der zum Beispiel grüßt. Ich warte nicht instrumental auf einen Tausch. Das ist konstitutiv für die Moderne und grundlegend für die Vertrauensbildung. Mit Niklas Luhmann bezeichnen wir Vertrauen als eine riskante Vorleistung. So gesehen, sind Manieren die moderne Geste, die ich, ohne auf eine Gegenleistung zu warten, anderen entgegenbringe. Der Handkuss ist dafür nicht zwingend.
Ändert sich das Grüßen?
Wir erleben eine schrumpfende Gruß-Edition. Das „Guten Tag“ wird zu „Hallo“ und damit zu einem universellen Gruß. An dem „Hallo“ ist interessant, dass es zwar noch in eine Gegenseitigkeit eingebettet, aber es ist eigentlich mehr ein Ruf und weniger die Geste „Ich wünsche dir einen guten Tag“. Das sind Mikroprozesse in unserem Alltagsverhalten, mit denen sich die Soziologie zu beschäftigen hat. Ich bin zum Beispiel auf der Suche nach rhetorischen Äquivalenten des Entgegenkommens.
Beschäftigen Sie sich auch damit, wie Mails, SMS und mobiles Internet unser Alltagsleben verändern?
Derzeit entsteht eine Dissertation, die sich mit einem Chatroom für Jugendliche beschäftigt, eingerichtet von der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Da wählt sich eine Gruppe von zwölf Leuten ein und trifft auf eine Therapeutin genannte Fachkraft. Man teilt mit, welche Befindlichkeit einen im Moment bewegt, und andere können darauf reagieren. So kommt es etwa vor, dass jemand schreibt: „Ich bringe mich um.“ Und in der nächsten Sekunde tippt jemand anders: „Ach, lass das doch lieber sein.“ Da entsteht eine Form von Kommunikation, die Empfindungen vollkommen neutralisiert.
Was sagt uns das für das Allgemeine?
Wir erleben das Vordringen einer Kultur, in der wir einerseits eine Neutralisierung von Empfindungen bekommen und andererseits eine technologisch aggregierte Organisation von Empörung, zum Beispiel in Gestalt der Piratenpartei. Dieses Wechselverhältnis zwischen organisierter, zum Teil radikalisierter Empörung und einer im Alltag zur Lässigkeit geschrumpften Kommunikation von Empfindungen, das muss man untersuchen. Ich habe da noch keine Antwort, aber da muss die Soziologie hin. Sie muss den avantgardistischen Entwicklungen nachspüren. Bei Unterhaltungen unter Jugendlichen hört man immer häufiger ein gedehntes „Okay“. Jemand erzählt etwas, und der andere kommentiert mit „okeeeh“. Da habe ich manchmal den Eindruck, das ist die Rhetorik des Wischens auf dem Smartphone, in das Sprechen übernommen.
Müssen Jugendliche heute nicht viel misstrauischer sein, als wir es waren? Also: Wenn sich heute ein Junge mit einem Mädchen verabredet, kann er doch sicher sein, dass seine Flamme, sobald er zur Toilette muss, sofort eine SMS an ihre beste Freundin schickt, wie langweilig oder wie toll der Typ sei.
Richtig, diese Kommunikationstechnologien eröffnen die Chance zu einer neuen Art Gegenseitigkeit, eine begleitende Komplizenlogik in Partnerbeziehungen. Dergleichen zeigt sich auch im Verhältnis zwischen Arzt und Patient. Wird Krankheit beglaubigt durch das Urteil des Arztes oder nicht? Kaum sind die Leute beim Arzt gewesen, wird im Internet nachgesehen, ob das denn stimmen könne, was der Arzt gesagt hat. Darin steckt einerseits eine Sorgfaltsverpflichtung gegenüber dem eigenen Befinden, allerdings um den Preis eines Misstrauens gegenüber der traditionellen Beziehung zu Professionellen.
Sind Sie bei Facebook?
Nein, obwohl ich Anfragen bekomme.
Müssten Sie es als Soziologe nicht sein?
Ich werde es mir nach diesem Gespräch überlegen. Ich bin durch die Studenten und durch unsere Kinder mit diesen Dingen jedenfalls vertraut.
Hat Ihnen die Soziologie bei der Kindererziehung je geholfen?
Überhaupt nicht. Akademisch ausgedrückt, ist die Soziologie für die Strukturierung von Lebensentwürfen genauso wenig geeignet wie jede andere Disziplin. Meinen Studenten sage ich gern: Studieren ist Trauerarbeit, ist Abschied nehmen von Phantasien, die man als junger Mensch investiert hat in das Fach. Gerade in die Soziologie, und gerade in die Soziologie in Frankfurt. Da wird ja unglaublich viel an Gestaltungshoffnung und Gestaltungsoptimismus investiert, ein wunderschönes Motiv, aber sowie ich begonnen habe mit dem Studium, beginnt der Abschied von diesen Phantasien. Was man dadurch allerdings gewinnt, ist Intellektualität.
Studieren Soziologie vor allem Leute, die sonst nicht wissen, was sie machen sollen?
Das würde ich nicht sagen. Ich habe interessierte Studenten.
War das früher anders?
Früher war der aufklärerische Impuls stärker. Das dürfen wir nicht vergessen, auch wenn ich nicht zur Frankfurter Schule rechne, jedenfalls nicht zu deren großen Trends. Die Welt verändern zu wollen ist wunderschön, aber auch anstrengend. Junge Leute, die heute nach Frankfurt kommen - und Frankfurt ist ja nach wie vor ein Brand, eine Marke in der Soziologie -, folgen ganz unterschiedlichen Motiven. Was sie eint, ist der Wunsch, zu erkennen, was um sie herum geschieht.
Was macht einen guten Lehrer aus?
Dass er für seine Studenten an den Ausgangspunkt der Disziplin zurückzugehen in der Lage ist. Dass er das Suchen: de der Soziologie für sie reaktiviert. Deswegen lese ich so gern die Klassiker. Nicht indem ich den Studenten einen Kanon vorschreibe, sondern indem ich ihnen vor Augen führe: So hat der mal angefangen, der war auch mal jung wie ihr. Mit welchen Fragen hat er sich beschäftigt, über die seine Begrifflichkeit dann zustande gekommen ist? Ich versuche zu zeigen, wie man in der Soziologie fragt, und nicht, was wir alles schon herausgefunden haben. Man muss nicht alles schon gelesen haben, wenn man soziologisch zu denken beginnt. Also: Wie gehe ich vor, wenn ich einen Tierpfleger vor mir habe, der mit seinen Krokodilen spricht.
Eine Alltagsbeobachtung zeigt, dass beim Roten Kreuz überdurchschnittlich viele dicke Menschen arbeiten. Wie würden Sie als Soziologe vorgehen, wenn Sie das untersuchen?
Ich würde mir die Phänomenologie des dicken Menschen anschauen, ganz ohne Rotes Kreuz. Um es technisch zu sagen: Was ist handlungslogisch der dicke Mensch, wie bewegt er sich durch das Leben? Das wäre meine erste Frage. Dann würde ich mir überlegen, welche Kontexte sich so jemand wahrscheinlich sucht. Wo sucht er vielleicht eine Heimat? Und erst im nächsten Schritt würde ich darüber nachdenken, was das Rote Kreuz eigentlich ist und was es dem dicken Menschen bietet. Rotes Kreuz, das bedeutet, als Erster bei der Not zu sein, und da muss man ein dickes Fell haben.
Zwischen der Medizin als Wissenschaft und dem Arztberuf gibt es eine Nützlichkeitsbeziehung. Sehen Sie den auch für die Soziologie?
Eine Analogie ist die Kasuistik, die Fallbezogenheit. Treffen sich zwei Krankenhausärzte auf dem Flur, fragt der eine: „Was macht deine Leber in Zimmer 23?“, und dann geht es los. Und genauso fallorientiert ist auch die Soziologie, die ich in Frankfurt versuche zu betreiben.
Und die Therapie?
Das Therapieäquivalent wäre so zu beschreiben: Nehmen wir das Fliegen, im Alltagsverständnis eine Routine, für die Soziologie eine extreme Dauerbeanspruchung der Person in einem Handlungsraum, der sich in der Luft befindet. Da kann die Soziologie eine Deutung dafür anbieten, was Menschen tun, wenn sie die Verortung verlieren. Sie werden eigensinnig, gesprächig, pedantisch, um nur drei Merkwürdigkeiten zu nennen, die Sie im Flugzeug beobachten können. Verhaltensweisen, die nichts mit der Mentalität zu tun haben, sondern mit der Ausnahmesituation, sich einer fliegenden Röhre anzuvertrauen - die Grundlage der beruflichen Anforderungen für Flugbegleiter.
Oder sie trinken Tomatensaft, was sonst kein Mensch tut.
Das Trinken von Tomatensaft ist ein wunderbares Beispiel für das unbewusste Arrangement mit der Verortungskrise. Bei Tomatensaft dominieren Gesundheit und Vorsorge, wohingegen der Orangensaft eher hedonistisch orientiert ist, also über die Urlaubsperspektive hin gedacht - vorausgesetzt, ich lande.
Die Fragen stellten Werner D’Inka und Peter Lückemeier.
Tilman Allert wurde 1947 geboren, die Familie seines Vaters stammt aus Georgien. Seit 2000 ist er Professor für Soziologie und Sozialpsychologie an der Goethe-Universität. Wissenschaftlich geprägt wurde Allert durch die Arbeiten Sebastian Haffners und Joachim Fests. Seine Habilitationsschrift „Die Familie. Fallstudien zur Unverwüstlichkeit einer Lebensform“ wurde 1999 mit dem Christa-Hoffmann-Riem-Preis für qualitative Sozialforschung ausgezeichnet. Viel Beachtung fand 2005 sein Essay „Der deutsche Gruß. Geschichte einer unheilvollen Geste.“
Moooment!
Marcus Grundschok (magnuso)
- 07.01.2013, 10:27 Uhr
Hm, Leben ohne Tomatensaft ?
Egon Weissmann (EgonOne)
- 06.01.2013, 23:56 Uhr

