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„Effektiver Altruismus“ : Geld verdienen – um es zu spenden

  • -Aktualisiert am

Pragmatische Weltverbesserer: Edgar Kleffmann, Carsten Otto, Julia Krebs, Felix Bittner und Elias Pitschmann wollen auf effektive Art Gutes tun. Bild: Patrick Junker

Eine neue soziale Bewegung nennt sich „effektiver Altruismus“. Ihre Mitglieder wollen zehn Prozent des eigenen Einkommens spenden und damit so vielen Menschen wie möglich helfen. Das erfordert manchmal auch Kälte.

          Viel Geld wirft Julia Krebs’ Job als studentische Hilfskraft nicht ab. Trotzdem spendet sie fünf Prozent ihres Einkommens. „Ich will das schon jetzt zur Gewohnheit machen“, sagt sie. Sobald sie einen festen Job hat, sollen es zehn Prozent werden. Krebs unterstützt damit wohltätige Projekte. Die sucht sie sich aber nicht nach Sympathie aus. Ihre Entscheidung, wohin das Geld fließt, beruht auf wissenschaftlichen Berechnungen. „Jeder Euro soll möglichst viel helfen“, sagt sie. Deshalb wählt sie Projekte aus, die auf der Internetseite „Give Well“ als besonders effektiv gelistet sind.

          Dazu gehören Projekte wie die „Against Malaria Foundation“. Jedes Jahr erkranken annähernd 500 Millionen Menschen an Malaria. Medikamente können sich nur die wenigsten leisten. Deshalb sterben 3000 Kinder jeden Tag an der Krankheit, die durch Mückenstiche übertragen wird. Von den Spenden kauft die Organisation Moskitonetze und verteilt sie in Afrika. Ein Netz kostet zweieinhalb Dollar. Keine andere Organisation kann laut „Give Well“ so günstig ein Menschenleben retten.

          Möglichst vielen Menschen helfen

          Julia Krebs ist 24 Jahre alt, studiert Neurowissenschaften und lebt in Frankfurt. Mit ihrem gezielten Spenden ist sie eine effektive Altruistin – und gehört damit zu einer wachsenden Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, begrenzte Ressourcen möglichst effektiv zum Helfen einzusetzen. Denn effektive Altruisten wollen mit ihren Handlungen den größtmöglichen „Impact“ erzeugen.

          In Deutschland gibt es zwischen 1000 und 2000 Aktive, die sich in 24 Lokalgruppen organisieren. Auch in Frankfurt existiert seit vergangenem Jahr eine Gruppe. Viele Mitglieder spenden jeden Monat zehn Prozent oder mehr ihres Einkommens an Hilfsorganisationen. Sie arbeiten zum Beispiel als Physiker, Softwareentwickler, Informatiker und Unternehmensberater.

          Der „Impact“ der Organisationen wie „Against Malaria Foundation“ wird auf „Give Well“ nach eigenen Angaben transparent und wissenschaftlich ausgerechnet. Über die Ergebnisse wird durchaus diskutiert: Fair Trade beispielsweise könne man sich sparen, heißt es dort. Das Geld solle man lieber an hochwirksame Hilfsorganisationen spenden. Und während ein Blindenhund in Deutschland 3000 Euro koste und nur einer Person helfe, ermögliche dieselbe Summe 300 Augenoperationen in Afrika. Krebs sagt: „Das klingt kalt, aber wir wollen möglichst vielen Menschen helfen.“

          Einer der Vordenker der Bewegung heißt William MacAskill. Er ist 30 Jahre alt, lehrt an der Universität Oxford und hat das Buch „Gutes besser tun“ geschrieben. „Finde heraus, wie du am meisten Gutes tun kannst, und dann tue es“, steht darin. Das Werk ist das Manifest der Bewegung. MacAskill kritisiert zum Beispiel, dass viele Menschen ihre Entscheidung, wem und wo sie helfen, mit Sympathie begründen – und damit nicht das Beste aus ihren Möglichkeiten machen.

          Jeder in der Frankfurter Gruppe hat das Buch gelesen. Für viele ist es der Grund, warum sie mitmachen. Der Gedanke, noch mehr Menschen helfen zu können, hat sie nach der Lektüre nicht mehr losgelassen. Jeden Monat treffen sie sich in den Räumen einer Softwareagentur, in der ein Mitglied arbeitet. Der Chef hat nichts dagegen.

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