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„Effektiver Altruismus“ : Geld verdienen – um es zu spenden

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Dort diskutieren sie über Entwicklungen in der Szene, tauschen sich über Organisationen aus – und haben auch ein erstes Spendenprojekt initiiert: Zum Welt-Malaria-Tag am 25. April verteilten sie Flyer in Frankfurter Arztpraxen. Rund 2000 Euro kamen daraufhin zusammen. Erhofft hatten sie sich mehr. „Aber wir haben rund 950 Moskitonetze finanziert“, sagt Krebs.

Kritischer Blick auf Hilfsorganisationen

Allerdings fragen sich auch viele in der Gruppe, ob es effektiv sein kann, mit ihren begrenzten Ressourcen solche aufwendigen Aktionen zu organisieren. Oder ob es nicht besser wäre, den effektiven Altruismus zu verbreiten und Menschen vom regelmäßigen Spenden zu überzeugen. „Wenn ich eine Person dazu bringe, einen Teil ihres Gehalts zu spenden, verdoppelt das mein Wirken“, sagt Krebs. Jeder Handlung liegt eine Kosten-Nutzen-Rechnung zugrunde.

Viele in der Gruppe hatten vor ihrem Kontakt mit dem effektiven Altruismus den Wunsch zu helfen, standen den etablierten Hilfsorganisationen aber skeptisch gegenüber. Deren Wirkung ist nicht umfassend in Studien nachgewiesen. Außerdem ist Entwicklungshilfe oft an politische Interessen der Geberländer gebunden. Hinzu kommt, dass große Hilfsorganisationen viel Geld für ihre eigenen Strukturen ausgeben.

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„Das Leid in der Welt ist so groß, dass man handeln muss“, sagt Felix Bittner. Effektiver Altruismus biete endlich ein transparentes System und Strukturen. Der Vierundzwanzigjährige arbeitet als Unternehmensberater, Kunden sind Gewerkschaften, Vereine und Städte. Zehn Prozent seines Einkommens spendet Bittner, wie er sagt. „Der effektive Altruismus bietet für alle Möglichkeiten“, findet Bittner. Wer einfach nur spenden wolle, könne sich eine effektive Organisation aussuchen. Wer mehr tun wolle, könne sein ganzes Leben auf die Bewegung ausrichten.

Spenden sind eine wichtige Säule der effektiven Altruisten. Und je mehr die Mitglieder der Bewegung verdienen, desto mehr können sie spenden. Beratungsdienstleistungen sind deswegen äußerst beliebte Jobs. Es gibt einen „Earning-to-give“-Ansatz, der darauf zielt, einen Beruf zu ergreifen, mit dem sich ein möglichst hohes Einkommen erzielen lässt.

Mit Entscheidung gut leben

„Dieser Ansatz war vor allem im Vordergrund, als die Bewegung noch jung war“, erzählt Julia Krebs. Nach dieser Logik kann ein Börsenhändler mehr Menschenleben retten als ein Arzt, sofern er große Teile seines Einkommens spendet. Mittlerweile beachtet die Bewegung stärker die Auswirkungen eines Jobs. Richtet er viel Schaden an, raten effektive Altruisten davon ab. So hat es für sie wenig Sinn, an der Börse mit Lebensmitteln zu spekulieren und mit dem Gewinn dann hungernden Menschen zu helfen.

„Inzwischen fokussieren wir uns immer mehr auf Talent. Leute sollen ihre Fähigkeiten altruistisch einsetzen“, sagt Krebs. So will sie als Neurowissenschaftlerin Leid mindern. Wissenschaftler könnten mit Forschung auf vernachlässigten Feldern viel erreichen. Wer seine Zukunft in der Politik sehe, könne Geld in besonders effektive Projekte umleiten. Am Ende soll aber jeder mit seiner Entscheidung leben können. So wie Bittner. Der könnte als Unternehmensberater anderswo deutlich mehr Geld verdienen. Das möchte er aber nicht. „Denn jetzt unterstütze ich Organisationen, deren Ziele ich mittragen kann.“

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