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Veröffentlicht: 15.05.2017, 11:20 Uhr

Eintracht-Kommentar Sonderfall Nico Kovac

Nico Kovac hat mit der Frankfurter Eintracht zuletzt eine gruselige Serie hingelegt. Manch anderer Trainer wäre längst entlassen. Bei ihm liegt der Fall aus bestimmten Gründen anders.

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© Picture-Alliance Doppel-Spitze: Nico Kovac und Bruder und Co-Trainer Robert (rechts)

Vierzehn Spiele – ein Sieg, drei Unentschieden, zehn Niederlagen. So eine Bilanz haben in der Bundesliga noch nicht viele Trainer zustande gebracht. Bis es so weit hätte kommen können, waren sie längst entlassen. Niko Kovac ist ein Sonderfall, weil er mit der Frankfurter Eintracht das Saisonziel erreicht hat, Klassenverbleib, und mit dem Einzug in das DFB-Pokalfinale ein unerwartetes Highlight gesetzt hat. Aber mit jedem Tag, den die Reise nach Berlin näherrückt, hat sich die Stimmung verschlechtert. Nach dem 2:4 gegen Mainz – trotz einer 2:0-Führung – ist der Nullpunkt erreicht. Eine weitere Schlappe im letzten Bundesligaspiel gegen Leipzig, und die Temperatur rutscht endgültig in die Minusgrade, dann wird aus der Vorfreude Furcht vor der Blamage.

Peter Heß Folgen:

Zeit für einen Trainerwechsel? Noch hat kein Fan „Kovac raus!“ gebrüllt, noch denkt kein Mitglied der Eintracht-Führungsriege im Traum daran, dass die Zeit für eine Ablösung gekommen sei. Das hat nur am Rande mit der Dankbarkeit für die Rettung in der vergangenen Saison zu tun. Das liegt vor allem daran, dass sich Kovac keine Blöße gibt. Natürlich hat er in den vergangenen Wochen nicht alles richtig gemacht. Warum er seinen ballsichersten Spieler Fabian aus dem Zentrum des Mittelfeldes an den rechten Rand gerückt hat, wo er viel weniger Einfluss auf das Spiel nehmen kann, erschließt sich dem Beobachter nicht auf Anhieb. Vor allem, wenn man sieht, wie schnell Gacinovic, Barkok, Varela, Chandler oder Besuschkow den Überblick und den Ball verlieren, die sich regelmäßig oder für Minuten im Zentrum versuchen. Allein die Auflistung der vielen Namen zeigt, dass Kovac einen Mangel zu verwalten hat. Verletzungspech und allgemeiner Verschleiß schwächen den ohnehin nicht üppig besetzten Kader. Bis jetzt hat es Kovac jedoch geschafft, im anhaltenden Abwärtstrend die Contenance zu bewahren, Zügel und Spieler im Griff zu behalten.

Aber jede Niederlage kratzt am Vertrauen. Bundesligaprofis sind da wie Kinder. Wenn die Anweisungen der Erziehungsberechtigten nicht zum Erfolg führen, wenn eifriges Zähneputzen Karies nicht verhindert, dann verlieren sie den Glauben an die mahnenden Worte. Dieser Punkt scheint nun gekommen zu sein. Aber es bleibt nichts anderes übrig, als einfach weiterzumachen. Die Nerven zu bewahren und das Beste zu geben. Das klingt so platt und banal. Aber wo liegt der Sinn in Panikaktionen? Was könnte ein neuer Trainer noch bewirken?

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Mainz hat der Eintracht ein gutes Beispiel gegeben. Weiter auf Trainer Martin Schmidt zu setzen, erwies sich als goldrichtig im Abstiegskampf. „Das gegenseitige Vertrauen Vorstand, Trainer, Spieler war entscheidend“, sagte Schmidt nach dem 4:2. Er habe an sich und die Spieler geglaubt, zu keiner einzigen Sondermaßnahme gegriffen. Und noch eine Erkenntnis teilte Schmidt mit den Medien: „Man darf sich als Trainer nicht zu großen Einfluss auf die Ergebnisse zubilligen. Ich war nicht allein schuldig am Erreichen der Europa League im vergangenen Jahr, und ich war nicht allein schuldig daran, dass wir diesmal in den Abstiegskampf geraten sind.“ Niko Kovac darf daraus ableiten, sich selbst treu zu bleiben. Nur so besteht für die Eintracht eine kleine Chance, das (mindestens) 10-Millionen-Spiel gegen Borussia Dortmund im Berliner Olympiastadion zu gewinnen und in die Europa League einzuziehen.

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Von Helmut Schwan

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