Home
http://www.faz.net/-gzg-77176
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Sky Chefs Lufthansa-Köchen droht Logistiktarif

Die Unternehmensleitung der LSG Sky Chefs, Cateringtochter der Lufthansa, droht im Streit um Kostensenkungen mit der Gewerkschaft Verdi damit, den Verband zu wechseln.

© dapd Vergrößern Dienst am Fluggast: Für einen Flug wird Essen vorbereitet.

Die Unternehmensleitung der LSG Sky Chefs Frankfurt ZD GmbH, Cateringtochter der Lufthansa, droht im Streit um Kostensenkungen mit der Gewerkschaft Verdi damit, vom Arbeitgeberverband Luftverkehr zu dem der Vereinigung des Verkehrsgewerbes Hessen zu wechseln. Nach einem Papier, das dieser Zeitung vorliegt, ist ein entsprechender Antrag der Geschäftsleitung vom Aufsichtsrat bereits gebilligt worden. In dem Papier heißt es: „In Folge des Verbandswechsels werden die bisherigen Vergütungstarifbedingungen durch die Vergütungstarifbedingungen der VVH abgelöst, was eine Reduzierung der monatlichen Grundvergütung der Mitarbeiter bedeutet.“

Jochen Remmert Folgen:  

Das Unternehmen rechnet den Unterlagen zufolge dadurch mit einer mittelfristigen Senkung der Personalkosten um 15Prozent über alle Mitarbeiterstufen hinweg. Bei der Gewerkschaft Verdi hieß es gestern dazu, dass gerade bei gewerblichen Kräften unter den 2000 Mitarbeitern des Frankfurter Hauses Einbußen von bis zu 40 Prozent möglich seien. Verdi spricht von „Tarifflucht“.

Unternehmen müsse subventioniert werden

Hintergrund ist ein seit Jahren dauerndes Tauziehen um Kostensenkungen im gesamten Lufthansa-Catering, das 2011 in einzelne Organisationseinheiten aufgeteilt wurde. In den deutschen Dependancen des Catering-Weltmarktführers sollen Verdi zufolge 25 Millionen der etwa 200 Millionen Euro Personalkosten im Jahr eingespart werden. 1000 von 6000 Stellen sollen laut Verdi ganz gestrichen werden. Zum Sparkurs gehören demnach auch Schließungen von Dependancen, beispielsweise in Nürnberg, Münster/Osnabrück und Paderborn sowie Verkleinerungen der Niederlassungen in Stuttgart und Hamburg. Zudem ist, wie es bei Verdi weiter heißt, auch an weiteren Standorten vorgesehen, das Tarifgefüge des Arbeitgeberverbands Luftverkehr zu verlassen, dessen Präsident Lufthansavorstand Stefan Lauer ist.

In einem Schreiben an die Mitarbeiter begründet das Unternehmen dies damit, dass die LSG-Sky-Chef-Standorte in Deutschland zusammen mit 75 Millionen Euro im Jahr subventioniert würden. Beim Frankfurter ZD-Betrieb habe 2012 ein Verlust von fast neun Millionen Euro zu Buche gestanden.

Auf drei Tage Urlaub verzichten

Um das Catering weiter im Lufthansa-Konzern und im Arbeitgeberverband der Branche zu halten, hat Verdi nach eigenem Bekunden Sparvorschläge im Volumen von 17 Millionen Euro gemacht. Dazu gehört, die Wochenarbeitszeit um zwei auf 39 Stunden zu erhöhen, auf drei Tage Urlaub zu verzichten und eine Entgeltabsenkung um drei Prozent hinzunehmen, sofern die Mitglieder zustimmen. Wie eine Sprecherin des Unternehmens sagte, erkenne man die Bereitschaft zum Verzicht durchaus an, es sei aber nicht genug.

Am 26.Februar beginnen die Tarifverhandlungen im Konzern. Die LSG-Unternehmensleitung will nun bis zum 25. dieses Monats warten. Sofern kein weitergehendes Angebot von Verdi kommt, ist der Gewerkschaft zufolge damit zu rechnen, dass es zum Austritt der LSG Sky Chefs aus dem Arbeitgeberverband Luftverkehr kommt. Wie es bei Verdi heißt, sieht das Tarifvertragsgesetz allerdings für alle Mitglieder der Gewerkschaft, die den ursprünglichen Tarifvertrag geschlossen hat, eine Bestandsgarantie vor. Für Nichtmitglieder gelte das nicht.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Angeschlagene Warenhauskette Bei Karstadt wird wieder über die Gehälter verhandelt

Nach der Übernahme durch René Benko wird am kommenden Freitag bei Karstadt erstmals wieder über die Gehälter der Mitarbeiter verhandelt. Die Gewerkschaft Verdi drängt auf eine Rückkehr in den Tarifvertrag. Mehr

13.09.2014, 15:19 Uhr | Wirtschaft
Verdi bestreikt mehrere deutsche Flughäfen

Tausende Reisende mussten am Donnerstag an den Drehkreuzen Frankfurt und München ausharren oder auf die Bahn umsteigen. Die Gewerkschaft Verdi hatte ihre Mitglieder zu Warnstreiks aufgerufen. Mehr

27.03.2014, 18:09 Uhr | Wirtschaft
Nach Warnstreik Gewerkschaftsbund greift Lokführergewerkschaft an

Der Gewerkschaftsbund-Chef Reiner Hoffmann wirft der GDL pure Machtpolitik vor. Nun möchte er intervenieren und wirkt auf die Dachgewerkschaft der Lokführer ein. Mehr

04.09.2014, 12:10 Uhr | Wirtschaft
140 Verbindungen annuliert

Der Arbeitskampf bei der Lufthansa geht weiter. Die Piloten-Gewerkschaft Vereinigung Cockpit hat für Mittwoch zum Streik aufgerufen. Die Lufthansa hat in München 140 Verbindungen annulliert. Mehr

10.09.2014, 11:01 Uhr | Wirtschaft
Lufthansa Piloten drohen mit Streik-Verschärfung

Der Streik der Lufthansa-Flieger in München ist zu Ende, der Arbeitskampf noch lange nicht. Die Positionen liegen sehr weit auseinander, sagt der Lufthansa-Chef. Mehr

10.09.2014, 19:48 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.02.2013, 19:52 Uhr

Kontrollierte Offensive von Fraport

Von Helmut Schwan

Je offener der Dissens über das geplante Terminal 3 zwischen Flughafenbetreiber Fraport und Land ausgetragen wird, desto mehr müssen die CDU und zumal der Ministerpräsident aus der Deckung kommen. Mehr 3