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Spion am Geldautomat : „Skimming“-Fälle nehmen zu

  • -Aktualisiert am

Täuschend echt: Um den Pin von Bankkarten auszuspähen, bringen Täter immer wieder eine gefälschte Tastatur an Geldautomaten an. Bild: dpa

Eine eigentlich überholte Methode, um Bankdaten am Geldautomaten auszuspähen, wird vermehrt wieder angewendet: das sogenannte „Skimming“. Die Täter sind meist osteuropäische Banden - besonders bei Auslandsreisen ist Vorsicht geboten.

          Eine Renaissance erlebt seit dem vergangenen Jahr das sogenannte „Skimming“, eine Betrugsmasche, die sich mit „abschöpfen“ übersetzen lässt. Kriminelle entdecken die eigentlich als überholt geltende Methode wieder für sich, um Geldautomaten zu manipulieren. In Hessen ist die Zahl der Angriffe nach jahrelangem Rückgang wieder gestiegen. So manipulierten Kriminelle im ersten Halbjahr 2017 insgesamt 21 Geldautomaten, um Kartendaten und Geheimnummern von Bankkunden auszuspähen. Im Gesamtjahr 2016 hatte es landesweit nur acht Angriffe gegeben.

          Der Anstieg der Fallzahlen ist ein bundesweites Phänomen, wie aus dem aktuellen Bericht „Angriffe auf Geldautomaten“ des Bundeskriminalamts hervorgeht. 2016 wurden in Deutschland 369 „Skimming“-Fälle registriert, 2015 waren es nur 190 Fälle gewesen. Die Täter manipulieren Karteneinzugsschlitze an Geldautomaten, um an die Informationen auf dem Magnetstreifen von Bankkarten zu gelangen, und filmen mit einer Minikamera die Pin-Eingabe. In anderen Fällen setzen sie eine gefälschte Tastatur ein, um die Geheimnummer des Kunden herauszufinden. Später stellen sie Kopien der Karten her und beschreiben diese mit den ausgespähten Daten, um Geld von den dazugehörigen Konten abzuheben.

          Überprüfung der Karten auf Echtheit

          Hinter dem Datendiebstahl stecken nach Erkenntnissen der Ermittler meist organisierte Banden aus Bulgarien, Rumänien und Moldau. Ihr bevorzugter Tatort ist Berlin: Dort registrierte die Polizei 2016 insgesamt 281 Angriffe auf Geldautomaten. Wegen der zahlreichen außereuropäischen Touristen, die die Hauptstadt besuchen, ist sie für Kriminelle besonders attraktiv. Europäische Banken haben sich nämlich schon vor Jahren gerüstet, um ihre Kunden vor „Skimming“-Angriffen zu schützen.

          So sind die Zahlungskarten auch hierzulande längst nicht mehr nur mit einem Magnetstreifen ausgestattet, sondern zusätzlich mit einem sogenannten EMV-Chip – dem goldenen Chip, der auf allen Geldkarten zu sehen ist. Die Informationen darauf sind verschlüsselt. Außerdem sorgt er dafür, dass die Karten bei jedem Einsatz auf Echtheit geprüft werden, sei es am Geldautomaten oder an der Ladenkasse.

          Schadenssumme zurückgegangen

          Da in Europa die Informationen auf dem Magnetstreifen allein nicht mehr ausreichen, um die Karte zu nutzen, müssen die Täter weit reisen, um in Deutschland ausgespähte Daten zu Geld zu machen, oder die Informationen an ausländische Abnehmer verkaufen. Die Dubletten funktionieren nur dort, wo Bezahlkarten üblicherweise bloß mit Magnetstreifen ausgestattet sind – Haupteinsatzländer waren im laufenden Jahr Indonesien, die Vereinigten Staaten und Australien.

          Das dürfte auch erklären, dass die Schadenssumme laut dem Frankfurter Unternehmen Euro Kartensysteme kaum angestiegen ist, obwohl es mehr „Skimming“-Fälle gibt: Die Firma, die sich im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft um die Sicherheit von Zahlungskarten kümmert, beziffert den 2016 in Deutschland entstandenen Schaden auf 1,9 Millionen Euro. Im Jahr 2010 betrug er noch rund 55 Millionen Euro.

          Gestohlener Betrag wird oft ersetzt

          Allerdings funktioniert eine gefälschte Karte auch im fernen Ausland meist nur dann, wenn die Bank sie nicht mit dem sogenannten Geoblocking gesperrt hat. Bei dieser Methode können die Karten außerhalb von Europa nur dann genutzt werden, wenn der Kunde das Reiseland bei seiner Bank zuvor hat freischalten lassen. Deutsche Bankkunden sollten vor allem bei Auslandsreisen auf ihre Karten achten: Nicht nur die Kreditinstitute, sondern auch die Täter gehen mit der Zeit und manipulieren zunehmend Geldautomaten in Asien sowie Nord- und Südamerika.

          Immerhin können die Kunden bei einer bewährten Methode bleiben, um ihre Daten zu schützen. Sie sollten das Eingabefeld mit einer Hand abdecken, wenn sie ihre Pin eintippen. Wer Opfer einer „Skimming“-Attacke wird, kann sich aber meist damit trösten, dass Geldinstitute und Kreditkartenorganisationen den gestohlenen Betrag ersetzen – vorausgesetzt, der Kunde ist sorgfältig mit der Karte und der Geheimnummer umgegangen.

          Quelle: F.A.Z.

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